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30.05.2026
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Kriegsverlängerer
EU beratschlagt über Ukraine
Vor ein paar Tagen berichtete ein im Donbass kämpfender ukrainischer Offizier Journalisten folgende Begebenheit: In Konstantinowka, wo er derzeit eingesetzt sei, hielten trotz ständiger Kämpfe um jedes Haus noch 1.500 bis 2.000 Bewohner aus, die sich nicht hätten evakuieren lassen. Unter ihnen seien neben Alten auch nicht wenige Männer im wehrfähigen Alter. Sie befürchteten, bei einer Evakuierung sofort zur Armee eingezogen zu werden. Man muss der Ukraine zugute halten, dass solche Geschichten, wie anekdotisch und nicht im Detail nachprüfbar sie auch sein mögen, doch noch an die Öffentlichkeit gelangen. Denn man muss sich ihren Inhalt sozusagen auf der Zunge zergehen lassen: lieber täglich unter Beschuss, aber zu Hause, als irgendwohin zum Verrecken geschickt zu werden, in einem Krieg, der offenbar nicht als der eigene angesehen wird. Soviel zum tatsächlichen Grad der Verzweiflung in der Bevölkerung.
Schnitt. Donnerstag in Limassol (Zypern): Die EU-Außenminister beraten, ob und worüber sie mit Russland eventuell zu verhandeln bereit wären. Schon dass die Außenbeauftragte Kaja Kallas dies vor Beginn des Treffens öffentlich erklärt, zeigt: Da gibt es offenbar intern deutliche Differenzen darüber, ob man nicht doch vielleicht aufhören sollte mit der Finanzierung eines Krieges, den der Westen in gut vier Jahren nicht gewonnen und bei dem er auch keine Aussicht hat, ihn zu gewinnen. Indirekter Ausdruck dieser Spannungen sind Forderungen von NATO-Generalsekretär Mark Rutte, jedes Land zu einer festen Quote seines Sozialprodukts als Hilfeleistung für die Ukraine zu verdonnern. Man wird vielleicht beim bevorstehenden NATO-Gipfel in Antalya im Juli wieder von dem Thema hören. Heute ist bekannt, dass die Falkenfraktion – Skandinavien, Polen und Baltikum – unzufrieden damit ist, dass sie relativ weit mehr an die Ukraine abdrückt als der Süden und Westen Europas.
Und dann stellt sich Kallas hin und will nicht nur selbst die Verhandlungsführung mit Russland übernehmen, sondern wirft gleich noch Forderungen in den Raum, die schon das Zustandekommen von Gesprächen in Frage stellen: Russland müsse sich in einem eventuellen Friedensvertrag zu Truppenreduzierungen verpflichten, wenn die Ukraine das auch solle. Eine Forderung, die so völlig jenseits jeder politischen Realität ist, dass es nur zwei Auflösungen dafür gibt: Entweder ist Kallas so bodenlos dumm, wie sie das schon mit ihrem Zitat von vergangenem Sommer unter Beweis zu stellen schien, sie höre zum ersten Mal, dass die Sowjetunion einen wesentlichen Beitrag zum Sieg über den deutschen Faschismus geleistet habe. Oder, und das schließt das erste ja nicht aus, die EU-Spitze will gar keine Verhandlungen über ein Kriegsende. Ihr ist es ganz recht, dass die ukrainische Führung ihr eigenes Volk und Land verheizt, um »Europa vor Putin zu schützen«. Für Wolodimir Selenskij und Co. ist der fortdauernde Krieg eine politische Lebensversicherung und eine permanente Quelle persönlicher Bereicherung. Für die Menschen in der Ukraine: siehe oben.
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