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Ukraine-Krieg

Fern der Frontlinien

Ukraine-Krieg: Wechselseitige Angriffe auf Ziele im Hinterland. Selenskij räumt russischen Treffer auf Waffenlager in Wohngebiet ein

Foto: IMAGO/ABACAPRESS
Verwüstungen in Wischnewe nach russischem Angriff auf getarntes Raketen- und Treibstofflager im Wohngebiet (6.7.2026)

Das Kriegsgeschehen in der Ukraine verlagert sich offenbar in wachsendem Maße auf das Hinterland der beiden Parteien. Die Ukraine meldete am Wochenende erfolgreiche Angriffe auf insgesamt 21 Schiffe im Asowschen Meer nordöstlich der Krim. Russland räumte den Verlust von vier Schiffen ein. Ein ukrainischer Sprecher sagte, Ziel der Drohnenkampagne sei es, den Treibstoffnachschub für die russische Armee im Südabschnitt der Front zu unterbinden. Ukrainische Drohnen trafen auch erneut eine Raffinerie im russischen Sysran an der Wolga. Russland griff seinerseits am Wochenende Ziele in Kiew und im Hafen von Odessa an. Dabei soll ein im Hafen liegendes Frachtschiff beschädigt worden sein. Bei einem russischen Drohnen- und Gleitbombenangriff auf eine Bushaltestelle bei Sumi im Norden der Ukraine wurden am Sonntag nach ukrainischen Angaben fünf Menschen getötet.

Der Kiewer Bürgermeister Witalij Klitschko bezeichnete die russischen Raketenangriffe der letzten Tage auf Kiew als die schlimmsten seit Kriegsbeginn. Die Ukraine habe derzeit keine Mittel, die schnell fliegenden »Iskander«-Raketen abzuschießen. Präsident Wolodimir Selenskij drängte in seiner Videoansprache vom Sonnabend darauf, dass Zusagen über Waffenlieferungen an die Ukraine schneller und zuverlässiger erfüllt würden. Das gelte auch für die Zusage von US-Präsident Donald Trump vom letzten NATO-Gipfel, der Ukraine eine Lizenz zum Nachbau von »Patriot«-Raketen zu erteilen. Nach Informationen US-amerikanischer Medien aus der letzten Woche dauert die Produktion einer einzigen »Patriot«-Rakete bis zu sechs Monate; dazu trage der Umstand bei, dass in dem System etwa 400 Komponenten verbaut würden, die aus Betrieben in den ganzen USA (»in praktisch jedem Wahlkreis«, wie es die Washington Post formulierte) zugeliefert und in jedem Einzelfall auf ihre Verwendbarkeit getestet werden müssten. Eine Lizenz zum Nachbau der Raketen müsste im übrigen von den Herstellerfirmen Raytheon und Lockheed-Martin erteilt werden; die US-Regierung ist lediglich für die Exporterlaubnis zuständig.

Selenskij kündigte auch Konsequenzen für die Manager des staatlichen Rüstungskonzerns Ukroboronprom an, die Waffen inmitten eines Wohngebiets am Stadtrand von Kiew hatten lagern lassen. Bei einem Angriff russischer Raketen auf das getarnte Lager für Raketen und Treibstoffe in der Kleinstadt Wischnewe waren in der letzten Woche mindestens neun Bewohner getötet worden; die Folgeexplosionen der Einschläge dauerten Stunden. Im Unterschied zu den zunehmenden Angriffen auf Ziele im Hinterland bewegt sich die Front in den letzten Tagen kaum.

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In der ukrainischen Etappe mehren sich derweil die Fälle von Willkür und Disziplinlosigkeit von ukrainischen Soldaten. Der jüngste Fall betraf einen Brigadekommandeur; der Offizier hatte einer Gruppe seiner Soldaten aufgetragen, zwei Zivilisten zu entführen – was auch mit Todesfolge geschah –, die »seiner Frau zu nahe getreten« seien. Der verantwortliche Kommandeur verschwand inzwischen von der Bildfläche.

Wenig Neues kommt unterdessen über die Ermordung der mutmaßlichen Attentäterin auf einen exilierten ukrainischen Millionär in Monaco an den Tag. Die beiden beteiligten ukrainischen Geheimdienstler beschuldigten sich gegenseitig, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben, und beriefen sich darauf, dass sie im Auftrag ihrer Vorgesetzten und im weiteren Sinne der politischen Führung tätig gewesen seien. Einer der beiden Verdächtigen, ein aktiver Offizier des Militärgeheimdienstes HUR, arbeitet offenbar mit der Staatsanwaltschaft zusammen und erhofft sich im Gegenzug eine Begnadigung zur »Frontbewährung«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.07.2026, Seite 1, Titel

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