Der Mensch geht uns erst mal nicht flöten, dafür nur sein Geist? Der ideale Leser, ein schluchzendes Bündel vor der Streamingkamera? So böse wollen wir einmal nicht sein, man begnügt sich ja mit wenig.
Cecilia Rikap nimmt die neuen globalen Abhängigkeitsverhältnisse politisch, ökonomisch, juristisch unter die Lupe und greift dazu auf die in Lateinamerika in den 1960er Jahren entstandene marxistische Dependenztheorie zurück.
AboProtagonistin in Lena Müllers zweitem Roman »Club der Verschwenderinnen« ist die als Übersetzerin arbeitende Eli, die in Berlin mit ihrem kleinen Sohn Esra wohnt und mehr oder weniger deutlich die Kündigung durch ihren Hausverlag erhält. KI sei Dank.
Jeder Striptease ist eine Zeichenschau, keine Fleischbeschau. Steven Soderberghs »Magic Mike« ist auch ein Film über Klassenunterschiede und die ökonomische wie allgemeine Depression. Im Genremantel des Tanzfilms.
Semiotiktools werden mit Angelschein extrapoliert ... Kassandra und Pythia warn Namen von Arbeitsbereichen ... Die V-Mann:Innen im Einsatz zertrampeln den Weg...Im Trubel der Fastnacht fragt keiner wer tanzt hier mit wem.
Dafür, dass Anne Carson so häufig ins Deutsche übersetzt worden ist und nun auch noch den Nobelpreis erhalten soll, habe ich deshalb keine Erklärung. Darum gebettelt hat die Frau jedenfalls nicht.
Als ich nach der Pressevorführung von »Alte Liebe« von einer Mitarbeiterin der betreuenden Agentur um eine Einschätzung gebeten wurde, habe ich in aller Ehrlichkeit geantwortet: »Mir hat die Stille gefallen.« – »Sonst noch irgend etwas?« – »Nö, der Film will ja auch nichts.«
Es ist paradox: Während weniger Bücher gelesen und vor allem weniger verkauft werden, steigt das Interesse am »Erlebnis« Buchmesse, am direkten Kontakt. »Die Rezeption ist heute eine andere«, sagt Buchmessendirektor Juergen Boos: »Wir sehen eine Entwicklung vom Leser zum Fan.«
Was Erich Mühsam vor dem Hintergrund von 1918/19 über die Sozialdemokraten sagte, lässt sich heute mühelos auf die Inkassounternehmen übertragen, nämlich dass es im ganzen Tierreich kein widerlicheres Geschöpf gebe.
Die Redaktion der Deutschlandfunk-Sendung »Systemfragen« hat einen Verdacht: Könnte es sein, dass die Coronakrise noch nicht vorbei ist? Dass die schlechte Stimmung im Land an einer Art »sozialem Long Covid« liegt?
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war zu groß. / Kein Schatten auf des Landes Wasseruhren, / und auf den Fluren sind die Nazis los. // Den Früchtchen liegt es nah, randvoll zu sein; / sie freun sich auf die arischeren Tage: Die Rasse sucht Vollendung, keine Frage, (…)