Zum Inhalt der Seite

Bedingungslose Komplizenschaft

Erneut Sanktionen gegen Kuba

Foto: AP Photo/Ramon Espinosa
Die Folgen der US-Blockade: Zum vierten Mal bricht das nationale Stromnetz auf Kuba zusammen (Havanna, 10.7.2026)

Jeder Boxer, der bestialisch auf einen am Boden Liegenden einschlägt, würde sofort disqualifiziert. Doch Regeln gelten für das Trump-Regime bei seinen tollwütigen Angriffen auf Kuba ebenso wenig wie für den rechten israelischen Premierminister beim Bombardement auf Krankenhäuser, Schulen und Kitas in Gaza.

Entlarvend ist in beiden Fällen das Verhalten der Bundesregierung, die dem Regime Netanjahus – trotz Völkermordprozess vor dem Internationalen Gerichtshof – weiter Waffen liefert und sich bei der jüngsten Abstimmung in der UN-Generalversammlung zur Verurteilung der gegen das kubanische Volk verhängten US-Zwangsmaßnahmen durch Enthaltung zum Komplizen der US-Blockade machte.

Da die USA und Israel aus Berliner Sicht für westliche Werte stehen, werden getötete Kinder im Gaza ebenso als Kollateralschaden in Kauf genommen wie die kollektive Bestrafung eines Volkes, das auf seiner nach 500jähriger Fremdherrschaft erkämpften Souveränität besteht. Und da weder die längsten je gegen ein Volk verhängten Zwangsmaßnahmen noch eine totale Energieblockade den Widerstand brechen konnten, tritt ­Washington nun erneut gnadenlos nach.

Anzeige

In einer weiteren Verschärfung verhängte die US-Regierung am Montag ein neues Sanktionspaket gegen das Tourismusministerium (Mintur), das als lebenswichtiger und strategischer Sektor für die Wirtschaft der Insel gilt, sowie neun staatliche Einrichtungen, darunter Agenturen für den Import von Kraftstoffen, Waren und Dienstleistungen. Das Ziel der Maßnahmen, die den extraterritorialen Charakter der US-Blockade verschärfen, besteht laut State Department darin, »die umfassende Initiative der Regierung Trump voranzutreiben, die darauf abzielt, den böswilligen Aktivitäten des kubanischen Regimes sowohl in Kuba als auch auf unserem gesamten Kontinent ein Ende zu setzen«. Für Havannas Außenminister Bruno Rodríguez ein weiterer »eindeutiger Beweis für die kriminelle und völkermörderische Absicht, mit der die US-Regierung darauf aus ist, die gesamte Bevölkerung des Landes zu bestrafen«.

Während 136 UN-Mitgliedsländer diesen Vorwurf in der Generalversammlung am 7. Juli teilten und Mexiko den Tourismus in Kuba – trotz Trumps Blockade – ab August unter anderem durch die Aufnahme neuer Direktflüge zwischen Cancún und Havanna unterstützen will, hüllt sich die Berliner Regierung weiter in komplizenhaftes Schweigen.

Themen:
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 15.07.2026, Seite 1, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
→ Leserbriefe
  • Paulaner 19. Juli 2026 um 07:31 Uhr
    Nicht 'aus Berliner Sicht', Herr Hermsdorf. Die USA und Israel vertreten westliche (also ja, auch deutsche) Werte, die da wären: Unterdrückung, Genozid und Vertuschung dessen, Propaganda und und und... Zeit aufzuwachen, auch wenn die Wahrheit schmerzt
  • Onlineabonnent*in Andreas E. aus S. 15. Juli 2026 um 06:56 Uhr
    Die deutsche Regierung hüllt sich nicht in Schweigen, lieber Volker Hermsdorf. Auf dem »Tag der offenen Tür« der Bundesregierung hat sich der Außenminister Wadephul zur Kuba-Blockade durch die USA geäußert. Er bezeichnet die kubanische Regierung als »Unrechtsregime« und bestreitet öffentlich die Blockade der USA. Somit ist es kein Schweigen, sondern ein verbrecherisches Wegsehen. Ein Wegsehen, genau wie beim Völkermord in Gaza, beim Krieg gegen den Iran … Vielleicht sollte Herr Wadephul die Einladung seines kubanischen Amtskollegen Bruno Rodriguez annehmen und sich vor Ort einmal umsehen. Aber mit der durch die US-Hörigkeit verkleisterten Wahrnehmung der deutschen Regierung würde das für Kuba keinen Nutzen bringen, sondern bei Wadephul die Scheuklappen höchstens noch enger stellen. Nur die weltweite Solidarität einfacher Menschen kann diese Blockade umgehen. Die mexikanische Regierung und das mexikanische Volk machen es vor, Vietnam und China machen es vor, ebenso die vielen privaten Initiativen weltweit.
    • Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus B. 15. Juli 2026 um 15:13 Uhr
      Ich bin felsenfest auf Ihrer Seite. Ich bin körperlich nich auf der Höhe, aber was halten Sie vom Schachbrettprinzip? Sie sagen: »Ich gebe jeden Monat zehn Euro für Cuba und finde innerhalb einer Stunde zwei Menschen für solidarische zehn Euro, die dann binnen einer Stunde usw.« – Was halten Sie davon? Denn Geld und Geschwindigkeit klingen beeindruckend. Doch der Effekt, dass die Botschaften Kubas dann dank Milliarden solidarischer Menschen im Geld schwimmen, hat was, oder? Eine Bemerkung zu Herrn Wadephul: Ich bin Vater, also eher noch unerbittlicher als meine Liebste, was die Partnerwahl unserer Tochter angeht. Und ich spreche wohl für uns alle: Der kam vor dreißig Jahren nicht in Frage. Welche Rolle spielt der Drückeberger denn jetzt? Eine weltweit bedeutende Blamage? Hab ich doch vollkommen vergessen, dass diese Gestalten samt Gesinde immerfort eine sichere Ruhestatt finden. Checken Sie mal den Lebenslauf von Kerstin Griese! Von Ihr haben Sie nie gehört? Es ist der steile Aufstieg im Ranking der Parteilistenplätze – und sofort bist Du unkündbar. Vielleicht, weil Du es verdient hast? Vielleicht auch, weil Du seit Jahrzehnten zuviel weißt.
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!