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Saudis ködern Damaskus
Militärabkommen und rund 400 Millionen US-Dollar aus Riad für syrische Projekte. Beitritt Syriens zur »Mekka-Allianz« scheint möglich
Von einer neuen Phase der syrisch-saudischen Zusammenarbeit hat am Donnerstag die syrische Nachrichtenagentur SANA berichtet. Demnach soll bei dem Besuch des syrischen Präsidenten Ahmed Al-Scharaa – seit 2024 im Amt und nicht demokratisch legitimiert – in Saudi-Arabien eine ganze Reihe an Projekten in Syrien vereinbart worden sein. Dabei gehe es um die Wiederherstellung wesentlicher Dienstleistungen und der Infrastruktur sowie um die Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung für eine langfristige Entwicklungszusammenarbeit.
Konkret gehören zu den vereinbarten Projekten SANA zufolge die Sanierung des Kraftwerks in Aleppo, die Versorgung und Installation von 300.000 »intelligenten« Wasserzählern in Damaskus und Idlib und der Bau und die Sanierung von 25 Zivilschutzzentren. Außerdem sollen beschädigte Krankenhäuser und Wohnhäuser instandgesetzt werden. Zusätzlich seien Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit in mehreren wirtschaftlichen und ökologischen Sektoren geschaffen worden. Auch soll Syrien offiziell und kostenlos an der Weltausstellung »Expo 2030« in Riad teilnehmen dürfen. Konkret sollen mehr als 403 Millionen US-Dollar für die syrischen Energie-, Wohnungs-, Gesundheits- und Infrastruktursektoren zugesagt worden sein.
Saudi-Arabien ist seit dem Sturz der Regierung Baschar Al-Assads einer der wichtigsten Partner der zu relevanten Teilen aus Dschihadisten der Haïat Tahrir Al-Scham (HTS) bestehenden syrischen Regierung. Riad war das Ziel der ersten Auslandsreise, die Al-Scharaa im Februar 2025 unternahm. Im April 2025 haben sich Saudi-Arabien und Katar bereiterklärt, die auf 15 Millionen US-Dollar geschätzten Rückstände des 14 Jahre von schwersten westlichen Sanktionen gebeutelten Syriens bei der Weltbank zu begleichen. Im April desselben Jahres sagte Riad sechs Milliarden US-Dollar für Damaskus bei einem syrisch-saudischen Investitionsforum zu.
Als das »Bemerkenswerteste« an den am Donnerstag geschlossenen Abkommen bezeichnete das syrische Außenministerium eine Kooperationsvereinbarung zwischen den Verteidigungsministerien beider Länder. Deren konkrete Bedingungen wurden nicht bekanntgegeben. Das Abkommen folgt aber auf Berichte, die seit Wochen auf eine stärkere militärische Zusammenarbeit zwischen Damaskus und Riad hindeuten. Riad versucht gerade händeringend, militärische Unterstützung für seinen Angriffskrieg gegen den Jemen zu akquirieren.
Am vergangenen Sonnabend hatte der syrische Außenminister Asaad Al-Schaibani gesagt, Syrien prüfe einen Beitritt zur »Mekka-Allianz«, einer im August von Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan geschlossenen Verteidigungsallianz. Am 8. Oktober hatte das US-Nachrichtenportal Axios berichtet, saudische und syrische Beamte diskutierten darüber, bis zu 20.000 syrische Soldaten in den Jemen zu entsenden. Dort ist der Krieg wieder voll entbrannt, nachdem Saudi-Arabien im Juli den Flughafen in Sanaa, an dem in diesem Moment Trauergäste von der Beerdigung Ali Khameneis ankamen, angegriffen und damit den im Jahr 2022 von den Vereinten Nationen vermittelten brüchigen Waffenstillstand beendet hatte. Im Rahmen ihrer darauffolgenden Offensive konnten die jemenitischen Ansarollah (»Huthis«) die Westküste des Landes erobern und kontrollieren jetzt weite Teile des Roten Meeres und der Meerenge Bab Al-Mandab. Sie könnten so jederzeit – zusätzlich zur Blockade der Straße von Hormus – auch diese wichtige Seeroute sperren, die sowohl für Öltransporte als auch für den Handel zwischen Asien und Europa von erheblicher Bedeutung ist.
Im Schutz saudischer Luftangriffe hat die sogenannte international anerkannte, seit Jahren aber demokratisch nicht mehr legitimierte jemenitische »Regierung« in Aden zusammen mit ihren Verbündeten die wenig erfolgversprechende Operation »Morgendämmerung Jemens« gegen die Ansarollah gestartet. Diese wiederum beschießen als Vergeltung Saudi-Arabien. Das saudische Königshaus hat sowohl die USA, Frankreich und Großbritannien als auch seine Partner in der »Mekka-Allianz«, Pakistan und die Türkei, um Unterstützung im Krieg gegen die Ansarollah gebeten. Allerdings hat sich bisher niemand bereiterklärt, sich in direkte Kampfhandlungen einzumischen. Die Türkei und Pakistan sagten – wie auch Ägypten – nur defensive Unterstützung zu. Der »Mekka-Pakt« verpflichtet ähnlich dem Artikel 5 des NATO-Vertrags seine Unterzeichner zur gegenseitigen Verteidigung, sollte einer von ihnen angegriffen werden – aber anscheinend nur, wenn hinter der Aggression ein staatlicher Akteur steht.
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