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Mekka gegen Jemen

Saudi-Arabien aktiviert Beistandspakt

Foto: Saudi Press Agency/Handout via REUTERS
»Verteidigung« saudische Lesart: Prinz Khalid bin Salman aktiviert am Montag in Riad seinen Pakt mit der Türkei und Pakistan

Die Unterschrift auf der Gründungsurkunde ist kaum getrocknet, da wird sogleich das schärfste Schwert der neuen Militärallianz gezückt: Die Türkei und Pakistan sind nun offiziell an der Seite Saudi-Arabiens in den Krieg gegen die Ansarollah im Jemen eingetreten. Damit bemühen die drei Regionalmächte wenige Wochen nach Gründung des »Mekka-Pakts« gegen die im Westen als Huthis bekannten De-facto-Herrscher Jemens die zentrale Beistandsverpflichtung à la Artikel 5 der NATO-Charta.

Als die drei Staatslenker Anfang August symbolträchtig in der heiligsten Stadt des Islam ihr Militärbündnis ins Leben riefen, zeigten sich Beobachter irritiert, warum Ankara und Islamabad denn einem Land die Bündnistreue garantieren, das sich formal seit bald zwölf Jahren in einem nicht zu gewinnenden Krieg befindet. Noch dazu war es schließlich Saudi-Arabien, das die Waffenruhe vom April 2022 – die weiter Bestand hatte – im Juli brach. Erst die Bombardierung des Flughafens in der von den Ansarollah kontrollierten Hauptstadt Sanaa am 13. des Monats löste die blutigsten Kämpfe seit Jahren aus. Auch die darauf von den Ansarollah verhängte Seeblockade gegen saudische Schiffe war eine Reaktion auf Riads Verstoß gegen die Waffenruhe.

Die Durchsetzung einer solchen Blockade ist den Ansarollah möglich, da sie in den Wochen zuvor die Rotmeerküste von der Stadt Mokka bis zur geostrategisch bedeutenden Meerenge Bab Al-Mandab unter ihre Kontrolle bringen konnten – samt den Hanischinseln im Roten Meer und den Periminseln unmittelbar am nur 30 Kilometer breiten Flaschenhals. Die Ansarollah verfügen damit, analog zur Schließung der Straße von Hormus durch den Iran und damit zum Abdrehen der Ölflüsse Richtung Asien, über einen wertvollen Hebel, um Europas Ölimporte schmerzhaft anzugreifen. Für die USA ist beides eine Katastrophe – angesichts der explodierenden Preise an den Tankstellen und der Midterm Elections im November.

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Doch trotz allen Bettelns und Flehens aus Riad wollen sich die USA – nach dem Überfall auf den Iran im Februar zusammen mit Israel – nicht schon wieder an der Seite eines schießwütigen Wertepartners in einen sinnlosen Krieg hineinzerren lassen. Zwar helfen stolze 200 US-Analysten in den saudischen Kommandozentren bei der Auswahl, welcher Marktplatz oder welches Wohnhaus im Jemen bombardiert wird. Auch die für die Flüge über die Weiten der Arabischen Wüste zwingend nötigen Luftbetankungen saudischer Kampfjets gehen munter weiter. Doch die US-Gewalt bewegt sich weiterhin unterhalb der Schwelle eines Bruchs des Waffenstillstands zwischen Washington und den Ansarollah vom Mai 2025, der überraschend stabil ist.

Es bleibt abzuwarten, was das Aktivieren des »Mekka-Pakts« konkret mit sich bringen wird, was genau also die Türkei und Pakistan – eine Atommacht – zur Verteidigung Saudi-Arabiens auf den Tisch legen werden. Doch es ist zu befürchten, dass sich im großen Krieg um die Hegemonie in Westasien eine weitere Front verfestigen und die Region so weiter an den Rand des Abgrunds getrieben wird.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.10.2026, Seite 3, Ansichten

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