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Nahostkonflikt

Rauch über Riad

Ansarollah greifen saudische Hauptstadt an und treffen internationalen Flughafen. Pakistan und Türkei sichern Königreich Unterstützung zu

Von Lars Lange
Foto: REUTERS/Stringer
Treffer auf Treibstofflager am internationalen Flughafen in Riad (19.9.2026)

Erstmals seit Beginn der jüngsten Eskalation haben die jemenitischen Ansarollah die saudische Hauptstadt direkt angegriffen. In Riad waren am Sonnabend Detonationen zu hören, am King Khalid International Airport stieg schwarzer Rauch aus dem Treibstofflager auf. Weitere Angriffe galten Bischa, Taif, Farasan und Yanbu, wo die Ost-West-Pipeline endet und der staatliche saudische Ölkonzern Aramco große Raffinerieanlagen betreibt. Die Ansarollah bestimmen derzeit den Zeitpunkt und die Zielwahl, Riad reagiert mit massiver Feuerkraft: Nach Angaben der jemenitischen Organisation flog Saudi-Arabien allein binnen einer Woche 300, seit Beginn der Eskalation insgesamt 732 Luftangriffe auf Jemen.

Unterdessen bot die Türkei Riad militärische Unterstützung an. Außenminister Hakan Fidan erklärte am Sonnabend, Ankara könne insbesondere bei »technischen Fragen« helfen. Grund­lage ist der Ende August mit Pakistan und Ägypten geschlossene Mekka-Pakt: Ein Angriff auf einen Partner gilt demnach als Angriff auf alle. Auch Islamabad bekräftigte seinen Beistand und kündigte an, notfalls »bis zum äußersten« zu gehen.

Zusätzliche kampfstarke Truppen könnte Riad durchaus gebrauchen; die Kampfkraft seiner in Jemen eingesetzten verbündeten und irregulären Kräfte ist begrenzt. Pakistan hat nach Reuters-Angaben von Freitag bereits rund 8.000 Soldaten, eine Kampfjetstaffel und Luftabwehreinheiten in Saudi-Arabien stationiert. Für Ankara dürfte dagegen wenig Anreiz bestehen, eigene Soldaten zu entsenden und damit selbst aktive Kriegspartei zu werden.

Naheliegender sind Waffenlieferungen durch die Türkei. Das Land verfügt über eine leistungsfähige Rüstungsindustrie mit modernen Drohnen und eigenen Luftabwehrsystemen. Gerade zusätzliche Abwehrraketen könnten für Saudi-Arabien entscheidend werden – denn der Verschleiß von Abfangsystemen entwickelt sich mehr und mehr zum Problem. Die USA allerdings bleiben der wichtigste Waffenlieferant des Landes. Ob und wie schnell Washington ausgerechnet bei den dringend benötigten Luftabwehrraketen nachliefern kann, ist unbekannt. Denn der eigene Krieg gegen Iran verschlingt enorme Mengen an Munition.

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Wie groß der Verbrauch inzwischen ist, zeigt eine neue Aufstellung des US-Militärs. Demnach beliefen sich die US-amerikanischen Militärkosten für den Iran-Krieg bis zum 3. September auf 43,6 Milliarden US-Dollar. Allein die Kosten für eingesetzte Munition stiegen binnen gut eines Monats von 21,7 auf 28,1 Milliarden US-Dollar. Besonders knapp werden ausgerechnet jene Waffen, die auch Riad benötigt: Abfangraketen für »Patriot« und THAAD.

US- und NATO-Vertreter sprechen laut einem AP-Bericht von Mittwoch bereits von einem »mehr als kritischen« Mangel an Abfangraketen. Folglich sucht die Diktatur am Golf in Frankreich, Großbritannien, Pakistan und Ägypten Nachschub. Damit droht ein aus der Ukraine bekanntes Problem: Die verfügbaren Abfangraketen reichen nicht aus, um Saudi-Arabiens weit verteilte Flughäfen, Raffinerien, Entsalzungsanlagen und Ölinfrastruktur flächendeckend zu schützen. Mit der Ölinfrastruktur von Yanbu und dem Flughafen von Riad gerät die fossile Basis des saudischen Wohlstands ins Visier.

Trotz einer der größten und modernsten Luftwaffen der Region ist es den Saudis seit 2015 nicht gelungen, die Ansarollah militärisch auszuschalten. Nun genehmigte Washington den möglichen Verkauf von 48 F-35-Kampfflugzeugen für 24,3 Milliarden US-Dollar. Die Antwort auf die begrenzte Wirkung jahrelanger Luftüberlegenheit lautet offenbar: noch mehr Luftüberlegenheit.

Der UN-Sicherheitsrat hatte die Angriffe auf Saudi-Arabien bereits am Freitag zuvor angesichts von Berichten über Tote, Verletzte und mehr als 112.000 Vertriebene »aufs schärfste« verurteilt, aber ebenso die militärische Eskalation in Jemen selbst.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.09.2026, Seite 1, Titel

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