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Kein Verbündeter mehr

Kuba distanziert sich von Venezuela

Foto: Yuki Iwamura/AP/dpa
Im Gegensatz zur kubanischen Delegation bleibt Rodríguez während Trumps Rede sitzen (New York, 22.9.2026)

Das Verhalten von Venezuelas amtierender Interimspräsidentin Delcy Rodríguez während der UN-Generaldebatte könnte den Beginn eines Rosenkriegs mit Kuba markieren. Während kubanische Diplomaten demonstrativ den Saal verließen, als US-Präsident Donald Trump die Inselrepublik in einer Hasstirade als »gescheiterten Staat«, der bald »fallen werde«, bezeichnete, hörte Rodríguez sich ergeben an, wie der Machthaber das von US-Militärs verschleppte Staatsoberhaupt ihres Landes als »Verbrecher und Diktator« beschimpfte.

In ihrer Rede erwähnte sie dann weder den in einem US-Gefängnis festgehaltenen Präsidenten Nicolás Maduro und dessen Ehefrau Celia Flores noch die 120 venezolanischen und kubanischen Opfer des US-Angriffs oder die von zahlreichen anderen Staatschefs verurteilte US-Blockade gegen Kuba. Es war der russische Außenminister Sergej Lawrow, der die »unverzügliche Freilassung« von Maduro forderte und die Aufhebung der Blockade verlangte. Und obwohl Trump sie am Rande der UN-Debatte mit der Bemerkung »die Beute gehört dem Sieger« öffentlich brüskiert hatte, posierte Rodríguez anschließend mit ihm für ein Foto, das sie lächelnd mit »Victory«-Geste und Trump mit hochgerecktem Daumen zeigt.

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Dieses Foto zeige eine Szene, die »sich nur schwer mit der politischen Tradition in Einklang bringen lässt, aus der Delcy Rodríguez stammt«, kommentierte der Schriftsteller und ehemalige kubanische Kulturminister Abel Prieto im Onlineportal Barrio Adentro. Was man sieht, sei »weit entfernt von jenem rebellischen Chavismus, der es wagte, dem König von Spanien die Stirn zu bieten, der die USA öffentlich herausfordern konnte und der einen Großteil seiner politischen Identität um die Idee von Souveränität, Würde und Widerstand gegen die imperiale Macht herum aufbaute«, schrieb Prieto. Für ihn sei Rodríguez’ Verhalten »unverständlich«. »Verhandeln ist eine Sache, Unterordnung zu zeigen eine andere«, schrieb Prieto und warnte, dass es nicht nur um Öl und Ressourcen gehe, sondern auch um politische Positionen des Verständnisses von Emanzipation, Souveränität und des Widerstands gegen den Imperialismus.

Weniger drastisch als Prieto, aber in der Sache ebenso klar äußerte sich Havannas Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossio. Der Diplomat erklärte, Venezuela sei zwar weiter ein »befreundetes Land«, jedoch »kein Verbündeter« mehr. Auf die Frage, ob in Kuba etwas ähnliches wie bei der Entführung Maduros möglich sei, erwiderte er: »Wir werden das nicht zulassen.« Auch eine US-Kontrolle über Ressourcen des Landes – wie in Venezuela – sei undenkbar. »Die Ressourcen in Kuba gehören dem kubanischen Volk; unsere Regierung hat kein Recht, ihnen diese zu entziehen und sie einem anderen Land zu überlassen«, sagte er. Nach monatelangem Schweigen gehen wichtige ideologische und politische Akteure in Kuba damit erstmals offen auf Distanz zur Regierung von Rodríguez.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.09.2026, Seite 3, Ansichten

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