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Unheilvolle Allianz
Haiti: El Salvador schickt mit Washingtons Segen Truppen in das von Gewalt geprägte Land. Söldner des Militärunternehmers Prince sind schon dort
El Salvadors ultrarechter Staatschef Nayib Bukele schickt seit über einer Woche Tausende Soldaten nach Haiti. Nach seiner Darstellung sollen die Militärs vier seit Oktober als vermisst geltende salvadorianische Mitglieder der multinationalen »Gang Suppression Force« (GSF) befreien – einer von der UNO legitimierten Truppe, die bewaffnete Gangs in Port-au-Prince zurückdrängen soll. Tatsächlich sind »ihre Mission und ihr Mandat« laut CNN jedoch »unklar«. Die Wochenzeitung Haïti Liberté hält die angebliche Rettungsmission für einen Vorwand. Örtliche Medien hatten berichtet, dass die Salvadorianer bei einem Angriff auf ihr gepanzertes Fahrzeug verbrannt waren. Da Bukele jedoch ihren Tod in Frage stellt, fürchten Kritiker, dass er mit einer Eskalation in Haiti vor allem seine »Antibandentaktik« der »eisernen Hand« auf die Region ausdehnen will.
Rund 2.000 salvadorianische Soldaten befinden sich bereits in dem Karibikstaat. Bis zu 2.500 sollen es werden, wie zwei »mit der Angelegenheit vertraute Quellen« gegenüber Reuters angaben. Da aber weder die Befehlsstruktur der Truppen noch die Einsatzregeln geklärt sind, wächst die Sorge vor erhöhten Risiken für die Bevölkerung Haitis, das auf eine lange Geschichte schädlicher ausländischer Interventionen zurückblickt. Die als Marionettenregime geltende Regierung Haitis hat dem Vorschub geleistet, indem sie der Entsendung vor einer Woche im Rahmen eines bilateralen Abkommens zustimmte. Dessen Inhalt wurde jedoch nicht veröffentlicht. Und obwohl Washington die Mission zunächst nicht offiziell unterstützte, hätten C-130-Flugzeuge des Pentagons bei deren Entsendung geholfen, erklärte ein Vertreter des US-Militärs gegenüber Reuters. Auch Kolumbiens Rechtsregierung habe Bukele unterstützt.
US-Präsident Donald Trump bestätigte am Sonnabend auf seiner Halloweenparty in Mar-a-Lago gegenüber Reportern, dass er seinem salvadorianischen Amtskollegen grünes Licht für die Entsendung der Soldaten gegeben und ihm gesagt habe, er solle in Haiti »tun, was er tun muss«. Zuvor hatte das US-Portal Axios berichtet, dass sich Bukele vorab die Zustimmung für den militärischen Einsatz von Trump in einem Telefonat eingeholt habe. Damit sei Bukeles »Rambo-Moment« abgesegnet worden, kommentierte Haïti Liberté. In einem in haitianischem Kreolisch verfassten Text wandte sich der salvadorianische Staatschef an »die Anführer und Mitglieder der Gangs« und drohte: »Wir haben mit den Banden in El Salvador aufgeräumt, und wir können auch euch fertigmachen.«
Experten warnen indes vor den Gefahren, die »durch zusätzliche Akteure auf einem überfüllten städtischen Schlachtfeld« entstehen. »Die Lage ist instabil und könnte noch gewalttätiger werden, wobei unschuldige Menschen zu Schaden kommen könnten«, sagte Bill O’Neill, UN-Menschenrechtsexperte für Haiti, dem US-Sender CNN. Romain LeCoeur von der Global Initiative against Transnational Organized Crime schloss sich der Sorge an. »Haitis Sicherheitsmaßnahmen beruhen nicht mehr auf einer einzigen Strategie, sondern auf einem Nebeneinander von multilateralen, nationalen und privaten Akteuren, von denen jeder nach seinen eigenen Regeln handelt«, erklärte er. Die Einwohner stünden einer weiteren ausländischen Intervention skeptisch gegenüber und hätten bereits von zivilen Opfern berichtet, fügte er hinzu.
Laut Haïti Liberté waren am Sonnabend zahlreiche Bewohner mehrerer Armenviertel in Port-au-Prince durch Sprengdrohnen getötet und verletzt worden. Da die GSF den Angriff auf die Zivilisten verneine, »müssen es entweder die salvadorianischen Truppen unter dem Kommando ihres Präsidenten Nayib Bukele gewesen sein oder die überwiegend aus Salvadorianern bestehenden Mitglieder der Söldnertruppe Vectus Global« (früher Blackwater) von Erik Prince, folgerte die Zeitung. Das private Militärunternehmen ist seit März 2025 in Haiti aktiv und plant nach Angaben ihres Gründers, zehn Jahre dort zu bleiben. Axios mutmaßte daher, dass das ärmste Land des amerikanischen Kontinents zum »Testfeld« für Bukele und Prince als öffentlich-private Stellvertreter für den Einfluss der USA in der Hemisphäre fungieren könnte.
Nach den tödlichen Angriffen vom Wochenende bat Wilson Joseph, Anführer der zu den größten Gangs gehörenden Gruppe »400 Mawozo«, in einem Schreiben an UN-Generalsekretär António Guterres um die Vermittlung der Vereinten Nationen in einem Dialogprozess mit den im Land stationierten internationalen Streitkräften. In dem von lokalen Medien veröffentlichten Text warnte der Bandenführer, dass die Offensive Bukeles ein Massaker auslösen und das Leid der Bevölkerung verschlimmern könne.
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