Zum Inhalt der Seite
Venezuela

Verheerendes Erdbeben

Zehntausende Tote in Venezuela befürchtet. Regierung ruft Notstand aus. Hilfszusagen trotz der US-Blockade auch aus Kuba

Foto: Pedro Mattey/AP Photo/dpa
Noch ist die Gefahr durch Nachbeben und herabstürzende Trümmerteile nicht gebannt (La Guaira, 25.6.2026)

Nur ein halbes Jahr nach dem Überfall durch Donald Trumps mordende Soldateska wurde Venezuela von mehreren verheerenden Erdbeben heimgesucht, die zu den stärksten der vergangenen Jahre gehören. Die ersten beiden Erdstöße hatten das Land gegen 18 Uhr Ortszeit mit der Stärke 7,2 und 7,5 in einem Abstand von nur 39 Sekunden erschüttert.

»Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns Berichte über 32 Todesopfer und mehr als 700 Verletzte vor«, teilte die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez kurz darauf in einer Sendung des Fernsehsenders Venezolana de Televisión (VTV) mit. Sie fürchte jedoch, dass die Zahlen noch steigen werden. Der Bundesstaat La Guaira nördlich von Caracas sei ein einziges »Katastrophengebiet«. Angesichts der »Tragödie« rief Rodríguez den Notstand aus. »Ich rufe Ärzte, Krankenschwestern und das gesamte Gesundheitspersonal auf, sich an ihre Arbeitsplätze zu begeben, damit wir die Menschen versorgen können«, erklärte sie in der landesweit ausgestrahlten Ansprache.

Inmitten der Rettungsarbeiten gab die Venezolanische Stiftung für Erdbebenforschung (Funvisis) eine neue Warnung heraus, nachdem am Donnerstag um 1.48 Uhr morgens mit der Stärke 4,5 das bislang stärkste von mehreren Nachbeben registriert worden war. Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Zivilschutzes und der Armee waren während des gesamten Tages weiterhin in den am stärksten betroffenen Gebieten auf der Suche nach Überlebenden im Einsatz, insbesondere in La Guaira. Der Geologische Dienst der USA (USGS) schätzte, dass die Zahl der Todesopfer laut einer vorläufigen Auswertung seines PAGER-Systems zwischen 10.000 und 100.000 liegen könnte; zudem werden erhebliche wirtschaftliche Verluste erwartet.

Anzeige

In den betroffenen Gebäuden kam es zu Störungen bei der Strom- und Wasserversorgung sowie zu Unterbrechungen der Gaszufuhr. Ungeachtet der Entfernung des Epizentrums zur Hauptstadt Caracas von etwa 160 Kilometern gab es auch dort zahlreiche Schäden. Viele Gebäude stürzten ein. Der Zugverkehr wurde eingestellt, der internationale Flughafen wegen Schäden geschlossen. In Caracas blieben mehrere Stadtteile ohne Strom, was sich unter anderem auf den Straßenverkehr und insbesondere auf das Telefonnetz sowie das Internet auswirkte. In Städten bis hin zum brasilianischen Amazonasgebiet – rund 1.700 Kilometer von Caracas entfernt – wurden Gebäude evakuiert. Auch in den Karibik- und Nordostregionen Kolumbiens waren die Beben zu spüren.

Aus dem Gefängnis in New York rief der von US-Militärs Anfang Januar verschleppte Präsident Nicolás Maduro die Bevölkerung seines Landes in einer gemeinsam mit seiner Frau Cilia Flores verfassten Botschaft zu »größtmöglicher nationaler Einheit auf, um der Tragödie zu begegnen«. Regierungen aus Lateinamerika und aller Welt sowie die UNO und internationale Organisationen sagten Unterstützung zu. Kubas Außenminister Bruno Rodríguez versicherte, dass das in der Region eingesetzte kubanische medizinische Personal – trotz der US-Sanktionen – voll einsatzbereit sei, um den betroffenen Bürgern Hilfe zu leisten. Auch aus Spanien, Brasilien, Mexiko, Nicaragua, China, Russland, Indien und Katar kamen sofort Hilfszusagen. Nach einem Telefonat von Delcy Rodríguez mit US-Außenminister Marco Rubio versprach dieser, Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg zu bringen. Weniger verbindlich teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit, die Bundeswehr könne bis zu sechs Transportflugzeuge vom Typ A400M »bereitstellen«, um Personal und Hilfsgüter etwa des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes zu befördern.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 26.06.2026, Seite 1, Titel

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!