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Front gegen Riad
Jemen: Ansarollah beschießen Stellungen der von Saudi-Arabien unterstützten Regierungsarmee. Auch im Irak droht Ausweitung des Krieges.
Gefährliche Eskalation auf der Arabischen Halbinsel: Seit Donnerstag greifen die Ansarollah im Jemen Militärbasen an, die unter Kontrolle der mit Saudi-Arabien verbündeten offiziellen Regierung des Landes stehen. Dabei soll es zahlreiche Tote gegeben haben, wobei die genauen Zahlen jedoch unklar bleiben. Nach Angaben der im Westen als »Huthis« bekannten Gruppe, die weite Teile Jemens kontrolliert, seien Hunderte »feindliche saudische Söldner« getötet oder verletzt worden. Zudem seien »in großer Zahl« Waffenlager und militärische Ausrüstung zerstört worden. Aus Regierungsquellen hieß es hingegen, mindestens zehn Menschen seien getötet und fünf weitere verletzt worden. Andere Quellen sprachen von mindestens 30 Getöteten. Die Angriffe fanden in Marib und Hadramaut statt, heißt es bei dpa – die beiden ölreichen Provinzen sind schon seit Jahren umkämpft. Bereits am Mittwoch hatten die Ansarollah nach eigenen Angaben saudische Öltanker im Golf von Aden sowie im Roten Meer beschossen. Am Dienstag nahmen sie den Flughafen im saudischen Nadschran unter Feuer, der daraufhin seinen Dienst einstellen musste.
Die verfassungsgemäß seit Jahren illegitime, doch international weiterhin anerkannte prowestliche Regierung, die sich zum Teil im saudischen Exil aufhält, wird von den Ansarollah nur als »saudischer Stellvertreter« bezeichnet. Die Angriffe vom Donnerstag waren die schwersten, seit der 2015 begonnene Krieg Saudi-Arabiens gegen Jemen im April 2022 eingefroren wurde. Sie kommen zu einem Zeitpunkt, in dem eine dauerhafte Waffenruhe im Iran-Krieg, durch den auch die Situation in Jemen wieder eskaliert war, zum Greifen nah sein soll. Am Freitag gingen die Kampfhandlungen weiter. So wurden bis zum frühen Mittag mindestens zwölf Raketen sowie Drohnen auf Regierungsstellungen abgefeuert. Davon seien mehrere abgefangen worden, hieß es am Morgen auf Al-Dschasira. Bei späteren Angriffen auf Marib seien mindestens zwei Personen getötet und 14 weitere verletzt worden, meldet die türkische Agentur Anadolu Freitag nachmittag.
Unterdessen bahnt sich die nächste Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten an. So bereitet sich Saudi-Arabien mehreren Berichten zufolge auf Angriffe durch irakische bewaffnete Gruppen vor, insbesondere der Volksmobilisierungskräfte (PMF). Die PMF sind eine Dachorganisation überwiegend schiitischer Milizen, die sich 2014 gegründet hat, um gegen den »Islamischen Staat« (IS) zu kämpfen. Am 29. Juli bombardierten Saudi-Arabien und die USA als angebliche Vergeltung für Angriffe auf US-Stützpunkte in der Region mehrere PMF-Stellungen im Irak. Dabei wurden mehr als 20 Menschen getötet und mindestens 30 verletzt. Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf einen mit Berichten mehrerer Geheimdienste vertrauten saudischen Offiziellen, dass die PMF in Abstimmung mit den Ansarollah planten, Saudi-Arabien »in sehr naher Zukunft« unter Anleitung der Iranischen Revolutionsgarden anzugreifen. Potentielle Ziele seien »zivile und wirtschaftliche Einrichtungen« wie Energieanlagen, Häfen und Flughäfen. Der Offizielle behauptete, dadurch sollten Fortschritte in den Verhandlungen über eine Beendigung des Iran-Kriegs untergraben werden. Hadi Al-Amiri, der Vorsitzende der mächtigen Badr-Organisation und führender PMF-Vertreter, hat die irakischen Widerstandsgruppen allerdings dazu aufgerufen, Vergeltungsoperationen gegen Saudi-Arabien aufzuschieben; erlittene Verletzungen seien »im höchsten Interesse Iraks« vorerst hinzunehmen.
Parallel zu diesen Entwicklungen unterzeichneten am Freitag die Staats- und Regierungschefs von Saudi-Arabien, Türkei und Pakistan ein gemeinsames »Verteidigungsabkommen« im saudischen Dschidda. Dazu erklärte das pakistanische Außenministerium, ein Angriff auf einen der drei Staaten werde »als Angriff auf alle drei Staaten betrachtet«, was einer Beistandsverpflichtung ähnlich Artikel 5 der NATO-Charta entspricht. Was das konkret für die Angriffe der Ansarollah bedeutet, blieb zunächst unklar.
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