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Wer soll das bezahlen?
Armes Deutschland: Zahl überschuldeter Menschen steigt weiter. Alleinerziehende Mütter besonders gefährdet
In Deutschland steigen nicht nur die Zahl der Millionäre, die Staatsverschuldung oder die Rüstungsausgaben. Denn gleichzeitig nimmt auch die Zahl derjenigen zu, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Letzteres geht aus dem aktuellen Überschuldungsreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF) hervor, über den unter anderem die Nachrichtenagentur AFP am Freitag berichtete. Demnach registrierten die Autoren, dass im Jahr 2025 rund 5,67 Millionen Erwachsene in der Bundesrepublik überschuldet waren – 111.000 mehr als im Jahr zuvor.
Das IFF stützt sich auf Angaben von Schuldnerberatungsstellen. Als überschuldet gelten demnach Menschen, die nicht in der Lage sind, ihre Verbindlichkeiten zu begleichen – selbst wenn sie ihren Lebensstandard senken. Für den aktuellen Report wurden 224.768 Beratungsfälle aus den Jahren 2015 bis 2025 ausgewertet, darunter 36.480 Fälle mit Beratungsbeginn im Jahr 2025. Die mittlere Schuldenhöhe der analysierten Beratungsfälle lag im vergangenen Jahr bei gut 19.000 Euro.
Der Bericht räumt zugleich alte Vorurteile aus. Denn er zeige, »dass finanzielle Not in den meisten Fällen nicht Folge von Leichtsinn oder mangelnder Disziplin ist«, erklärte der Vorstandschef der den Report unterstützenden Stiftung »Deutschland im Plus«, Philipp Blomeyer, laut AFP. Krankheit, Erwerbslosigkeit und andere persönliche Krisen träfen »häufig auf Haushalte, deren finanzieller Spielraum angesichts hoher Wohnkosten bereits gering ist«.
Gesundheitliche Probleme sind demnach der häufigste einzelne Auslöser einer Überschuldung: Krankheit, Sucht oder Unfall stehen bei 17,8 Prozent der ausgewerteten Fälle an erster Stelle. Es folgen Erwerbslosigkeit beziehungsweise reduzierte Beschäftigung mit 14,9 Prozent, gescheiterte Selbständigkeit mit 9,9 Prozent, Konsumverhalten mit 9,5 Prozent, Einkommensarmut mit 9,1 Prozent sowie Scheidung und Trennung mit 8,8 Prozent.
Besonders betroffen sind Alleinerziehende. Diese unterlägen einem »überdurchschnittlich hohen Überschuldungsrisiko« und stellten dem Report zufolge 14,4 Prozent der Ratsuchenden; vier von fünf von ihnen sind Mütter. Damit seien diese fast doppelt so häufig vertreten, wie es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspreche. Bei Alleinerziehenden mit drei oder mehr Kindern liege die Überrepräsentation sogar beim Siebenfachen.
Eine Besonderheit gibt es dem Bericht zufolge auch bei jungen Erwachsenen unter 25 Jahren. Bei deren Geldsorgen sind mit 17,7 Prozent Verbindlichkeiten gegenüber Telekommunikationsunternehmen der wichtigste Auslöser – wie Ratenzahlungen für Smartphones, In-App-Käufe oder Streaming-Abonnements. Auch Schulden bei Onlinehändlern und Ratenkredite spielen eine Rolle. Laut Überschuldungsreport sind über alle Altersgruppen hinweg Verbraucherdarlehen mit einem Anteil von 21,8 Prozent weiterhin die häufigste Forderungsart.
Karl Marx zufolge erwächst der Grundwiderspruch des Kapitalismus aus der gesellschaftlichen Produktion einerseits und der privaten Aneignung des entstandenen Mehrwerts durch das Kapital andererseits. Resultat: Noch stärker als die Zahl der Überschuldeten nahm im vergangenen Jahr die Zahl der Reichen in Deutschland zu. 1,78 Millionen Personen verfügen über ein »anlagefähiges Vermögen« von mehr als einer Million US-Dollar (aktuell 870.000 Euro), wie aus dem Global Wealth Report des US‑Beratungskonzerns Boston Consulting Group im Mai hervorging. Ein Plus – nicht zuletzt dank extremer Höhenflüge bei bestimmten Tech- und Rüstungsaktien – von 11,1 Prozent. Deren Vermögen stieg um 12,7 Prozent auf gut 7,1 Billionen US-Dollar.
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