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Media TLV 2026

Zionistisches Gruselkabinett

Mediengipfel in München: Treffen zumeist rechter, proisraelischer Vertreter aus Medien, Kultur und Politik beginnt am Montag

Foto: Wolfgang Maria Weber/imago
Gute Fahne, böse Fahne: Hofberichterstatter wissen, sie zu unterscheiden

Anfang nächster Woche trifft sich in München das Who’s who der rechten proisraelischen Medienwelt zum »Media TLV 2026: Israeli–European Summit«. Mit mehr als 2.000 Teilnehmenden, 150 Referenten und 40 Panels sowie Keynotes, so die Eigenwerbung, soll der »internationale Gipfel« Journalisten, politische Entscheidungsträger, Wissenschaftler, Künstler und Technologieexperten zusammenbringen, »um zu analysieren, wie Kriege, Extremismus, Antisemitismus und digitale Medien die Demokratien neu gestalten«.

Auf den Panels befindet sich neben ehemaligen und aktuellen Mitgliedern der israelischen oder bayerischen Regierung und hochrangigen Vertretern jüdischer Organisationen eine Fülle von Kunstschaffenden und medial bekannten Vertretern aus dem rechten Journalismus- und NGO-Spektrum. Nicholas Potter, dieses Jahr von Taz zu Springer übergelaufen, wird mit Rapper Ben Salomo über »Auswirkungen antisemitischer Radikalisierung« sprechen. Der Psychologe Ahmad Mansour, dessen rechtes Geseier in allen bundesdeutschen Talkshows zu Themen wie Migration, Islam und Palästina-Solidarität nachgefragt ist, diskutiert mit dem Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, über »Extremismus und Hassrede« – damit kennen sich beide aus.

Der österreichische Offizier Matthias Wasinger, der für die NATO in Brüssel gearbeitet hat, behandelt die »neue Ära der Kriege«. Als Feigenblatt dient das palästinensisch-israelische Panel »Die Zukunft heißt Frieden«, auf dem unter anderem die Friedensaktivisten Aziz Abu Sarah und Maoz Inon diskutieren sollen. Vor der Kaffeepause am Dienstag wird auch die Schauspielerin Uschi Glas zu hören sein: Die machte zuletzt 2025 Schlagzeilen, nachdem sie in der Hoffnung, jüdische Vorfahren zu entdecken, einen Familienforscher beauftragt hatte, der dementgegen die Laufbahn ihres Vaters bei der Waffen-SS aufdeckt hatte. Für musikalische Unterhaltung sorgt Liedermacher Wolf Biermann.

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Neben der Reporterin Susanne Glass vom BR wird der Mediengipfel von der in Israel lebenden Bloggerin und Podcasterin Jenny Havemann organisiert. Letztere bezeichnete die in der palästinasolidarischen Bewegung als Zeichen der Verbundenheit mit den Palästinensern geltende Wassermelone als »antisemitische Dog Whistle«, die Palästinensern »zur Inszenierung als angebliche Opfer einer zionistischen Weltverschwörung« diene. Zweiter Medienpartner ist die Jüdische Allgemeine (JA). In dem rechtskonservativen Blatt fanden sich in der Vergangenheit Schlagzeilen wie »Gaza macht frei« (Meinungsbeitrag von Ralf Balke), »Die Zivilisten in Gaza sind nicht unschuldig« (Meinungsbeitrag von Tobias Huch) oder »Die postkoloniale Endlösung« vom JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel.

Konservative bis rechte Interessenverbände wie CSU- und FDP-nahe Stiftungen, der Zentralrat der Juden oder der Verein Werteinitiative sind als Kooperationspartner gelistet. Auch der sogenannte Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, wird nicht fehlen. Die linksliberale israelische Tageszeitung Haaretz bezeichnete Klein ob seiner autoritären und repressiven Politik gegen Kritiker israelischer Verbrechen als »Deutschlands Antisemitismus-Zar«. Die meisten der als Partner gelisteten Organisationen werden zu einem überwiegenden oder bedeutenden Teil aus Steuergeldern finanziert. Das gilt auch für den Münchener Ableger der rechten proisraelischen Lobbygruppe Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) beziehungsweise deren Jugendorganisation Junges Forum. Laut dem Lobbyregister des Bundestages erhielt die DIG im vergangenen Jahr bis zu 650.000 Euro vom Auswärtigen Amt, was den überwiegenden Teil ihres Haushalts ausmacht.

Ein Bündnis aus Ortsgruppen von Palästina spricht, Academics for Justice und Uni for Palestine veranstaltet am Montag um 18 Uhr auf dem Marienplatz eine Demonstration gegen den Mediengipfel. Im Aufruf heißt es: »Keine Bühne für zionistische, rassistische Propaganda in München!«

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.09.2026, Seite 14, Medien

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