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Signale der Eskalation
Iran-Krieg: USA bereiten Ausweitung der Kämpfe vor. Jemens Ansarollah machen Blockadedrohungen ernst und eröffnen weitere Front
Zum zwölften Mal in Folge haben US-Streitkräfte in der Nacht zum Donnerstag Ziele im Iran bombardiert. Teheran antwortete mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien und Kuwait. Washington verlegt inzwischen zusätzliche Spezialkräfte, Kampfjets und Bomber in den Nahen Osten. Erstmals seit Wiederaufnahme der Attacken vor zwölf Tagen hat das US-Militär einen strategischen B-1-Langstreckenbomber eingesetzt, um Einrichtungen der Islamischen Revolutionsgarde anzugreifen. Der Einsatz gilt als deutliches Signal der Eskalation. Laut Wall Street Journal vom Mittwoch (Ortszeit) wurden zudem mehr als 150 Militärsanitäter nach Landstuhl beordert, wo sich ein großes Hospital der US-Armee befindet. Die Verlegung erfolgte nach dem Tod dreier US-Soldaten durch iranischen Beschuss eines Stützpunkts in Jordanien. Außerdem war ein weiterer Soldat im Irak getötet worden.
Fünf Monate nach Kriegsbeginn stellt sich damit die Frage, ob die USA ihre Kriegsziele mit Luft- und Seeangriffen überhaupt erreichen können – oder ob die Verlegung von Spezialkräften und Bodenpersonal bereits auf eine andere Art der Kriegführung hindeutet. Dass die bisherige US-Strategie an ihre Grenzen stößt, zeigt sich gerade dort, wo die US-Marine seit Kriegsbeginn die Seewege offenhalten will.
Die jemenitischen Ansarollah (meist »Huthi« genannt) griffen am Donnerstag zwei saudische Öltanker im Roten Meer an. Der unter saudischer Flagge fahrende Tanker »Encelia« geriet in Brand, ein Angriff auf ein zweites Schiff namens »Layla« blieb zunächst unbestätigt. Die Attacken erfolgten vor dem Hintergrund einer bereits am Montag verkündeten Seeblockade der Ansarollah gegen Saudi-Arabien. Schon zuvor war die Lage am Bab Al-Mandab, dem Tor zum Roten Meer, angespannt.
Am 21. Juli war die Zahl der Durchfahrten durch die Meerenge vor der Küste Jemens binnen eines Tages um 34 Prozent zurückgegangen, durch die Straße von Hormus um 31 Prozent, wie der Schiffahrtsdatendienst Kpler meldete. Zwei chinesische Großtanker mit vier Millionen Barrel saudischen Öls setzten ihre Fahrt indes fort – ein Hinweis darauf, dass sich die Blockade gegen Schiffe mit Bezug zu Saudi-Arabien richtet, nicht den Seeverkehr insgesamt. Der Preis von Brent-Rohöl stieg auf den höchsten Stand seit Anfang Juni. Damit hat sich die Krise über den Persischen Golf hinaus ausgeweitet. Die Straße von Hormus und der Bab Al-Mandab gelten nun als hochgefährdet – mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft.
Während die Meerengenkrise zeigt, wie wenig die USA die Ausbreitung des Konflikts steuern können, offenbart sich eine zweite Grenze der US-Kriegführung, nämlich die tatsächliche Wirkung ihrer Angriffe auf Iran. Anfang Juni hatte Präsident Trump gegenüber dem Sender NBC erklärt, das iranische Militär sei »vollständig zerstört«, Teheran verfüge nur noch über wenige Raketen. Fünf Monate später zeigt sich ein anderes Bild: Die eingesetzten ballistischen Flugkörper seien inzwischen schneller und manövrierfähiger als zu Kriegsbeginn, berichteten US-Beamte dem Wall Street Journal.
Im US-Senat räumte Verteidigungsminister Pete Hegseth ein, man habe nie erwartet, dass Iran vollständig die Fähigkeit verliere, weiter anzugreifen. Sicherheitsexperten wie Jennifer Kavanagh von Defense Priorities und Andreas Krieg vom King’s College kamen zum selben Schluss: Irans Streitkräfte hätten sich schneller regeneriert als erwartet und seien keineswegs kampfunfähig.
Wie sich diese Regenerationsfähigkeit konkret äußert, zeigt die jüngste Angriffswelle der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC): Nach eigenen Angaben richtete sie sich gezielt gegen die Luftabwehr- und Radarinfrastruktur der US-Stützpunkte. Die IRGC erklärten, ein THAAD-Radar- sowie ein »Patriot«-System in Jordanien zerstört zu haben, in Kuwait zudem einen Langstreckenradar und einen Hangar mit Drohnen. Unabhängig vom tatsächlichen Schadensausmaß deutet die Zielwahl darauf hin, dass Teheran die US-Luftabwehr schwächen will. Werden »Patriot«- und Radarsysteme ausgeschaltet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass bei weiteren Angriffswellen mehr iranische Raketen ihre Ziele erreichen.
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