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Tödliche Falle unter Tage
Pakistan: Mindestens 34 Bergleute sterben bei Kohleminenunglück in Region Belutschistan
In der pakistanischen Provinz Belutschistan hat es erneut ein schweres Minenunglück gegeben. Im Kohlefeld Sorange, gut 30 Kilometer nordöstlich der Regionalhauptstadt Quetta, kam es am Donnerstag vergangener Woche zu einer Methangasexplosion in einer Mine, wo in etwa 1.200 Metern Tiefe Steinkohle abgebaut wird. Die Wucht der Detonation brachte einen Nachbarschacht zum Einsturz. Bisher ist von 34 Toten auszugehen, nach zwei Vermissten wurde zunächst noch gesucht – mit denkbar geringer Hoffnung, sie noch lebend zu bergen.
Shoaib Nosherwani, der regionale Bergbauminister, kündigte eine Kompensation von 500.000 Pakistanischen Rupien (rund 1.600 Euro) für die Familien der Opfer an. Zugleich sicherte er eine umfassende Untersuchung zu den genauen Ursachen der Katastrophe zu. Denn das Ereignis von Sorgange ist kein Einzelfall, trotz des Umstands, dass es sich mit über 30 Toten um ein besonders schweres Minenunglück handelt. Die Bergbaubranche gehört zu den wichtigsten Industrien Pakistans – und der Profit hat oft Vorrang vor dem Wohl und der Gesundheit der Bergleute. Immer wieder haben insbesondere Gewerkschaften die Zustände kritisiert und verschärfte Anstrengungen zum Einhalten von Sicherheitsstandards angemahnt. Doch gerade in Belutschistan, Pakistans flächengrößter und zugleich eher dünnbesiedelter Provinz an der Grenze zum Nachbarn Iran, ebenso ärmste wie ressourcenreichste Region des Landes, zählt ein Menschenleben oft nicht viel. Selbst da, wo es nicht an behördlichem Willen zur Regulierung mangelt, fehlt es an Personal.
Die Anfänge des Kohlebergbaus in diesem Teil der ehemaligen Kronkolonie Britisch-Indien liegen um 1880. Damals ging es vorrangig etwa um Treibstoff für die Loks im stetig erweiterten Eisenbahnnetz. Später, nach der Unabhängigkeit 1947, war die Kohle ein wichtiger Faktor bei der Industrialisierung des wirtschaftlich rückständigen Landes – Pakistan hatte weit schlechtere ökonomische Startbedingungen als das benachbarte Indien. Experten gehen davon aus, dass heutzutage in Pakistan etwa 100.000 Bergleute in rund 4.000 Kohleminen schuften – ein Großteil davon in Belutschistan, wo alternative Jobs rar sind.
Die Arbeitsbedingungen in dieser Branche sind rund um den Globus generell hart, Unglücke auch bei Einhaltung hoher Standards nie ganz auszuschließen. Doch in Pakistan vergeht kaum ein Quartal ohne mindestens einen Vorfall, der zu Todesopfern führt. Das indische Wirtschaftsblatt Mint zitierte vor diesem Hintergrund und angesichts des aktuellen Unglücks die klare Kritik der Branchengewerkschaft Pakistan Central Mines Labour Federation (PCMLF). Diese forderte Politik und Behörden abermals dazu auf, ihre Anstrengungen zur Einhaltung von Sicherheitsstandards zu intensivieren. Minenbetreiber, die die Vorgaben missachteten, müssten auch zur Verantwortung gezogen werden.
Die PCMLF gilt seit Jahren als unablässig mahnende Stimme. Doch geändert hat sich nur wenig. Viele Minen haben nach wie vor kein ordentliches Lüftungssystem, geschweige denn Installationen zum Messen der Konzentration gefährlicher Gase, die sich in den Schächten schnell ansammeln können. Und auch an den regulatorischen Grundlagen fehlt es – Pakistan habe nicht einmal alle Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu Sicherheit im Bergbau ratifiziert, merkte die Tageszeitung Dawn bereits im März 2025 an.
Allein in den ersten zwei Wochen des vergangenen Jahres gab es bei drei Vorfällen insgesamt 15 Tote, zwölf davon bei einer Methangasexplosion wie der, die sich nun auf dem Kohlefeld Sorange zugetragen hat. 2022 war das tödlichste Jahr der jüngeren Vergangenheit – 150 Bergleute verloren ihr Leben. Als »potentielle Todesfalle« bezeichnete der internationale Gewerkschaftsdachverband Industriall, zu dem auch die PCMLF gehört, die Zustände schon 2021. Zuletzt attestierte Industriall Pakistan in diesem Bereich immerhin kleine Fortschritte, erkämpft durch gewerkschaftlichen Druck. So erhöhe unter anderem der »Balochistan Mines and Minerals Act« von 2025 die Sicherheitsstandards in den Minen, die Opferzahl sinke mit dieser und anderen Maßnahmen um 20 bis 25 Prozent, schätzte der Dachverband. Für die Hinterbliebenen der nun getöteten Minenarbeiter von Sorange wohl nur ein schwacher Trost.
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Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 7. Aug. 2026 um 09:26 UhrEs ist die hohe Wahrscheinlichkeit solcher tragischen Vorfälle, die für jene niedrigen Preise sorgt, zu denen Waren aus Südostasien hier in Europa verkauft werden können. Man kann an Sicherheit sparen, weil das Wertvollste, was der Mensch besitzt – das Leben – dort als wertlos behandelt werden darf. Wir sollten nicht nur auf die Minenbetreiber zeigen. Auch an den Händen der Profiteure hier in Europa klebt das Blut pakistanischer Bergleute.
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