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Iran-Krieg

Pakistans neue Rolle

Islamabad hat sich vom internationalen Paria zum wichtigsten Vermittler zwischen Iran und den USA entwickelt

Foto: REUTERS/WANA
Demonstrative Nähe: Munir, der Chef der pakistanischen Armee, umarmt Irans Präsidenten Peseschkian (Teheran, 23.5.2026)

Einen Tag nach dem jüngsten Iran-Besuch des pakistanischen Militärchefs Asim Munir wurde vergangene Woche die geplante Absichtserklärung zwischen Iran und den USA bekannt gegeben. Sie sollte, nachdem am 8. April zwischen Teheran und Washington eine unter pakistanischer Vermittlung ausgehandelte Waffenruhe in Kraft getreten war, ein erster Schritt zur Beendigung des Krieges sein. Eine Woche später – und nach erneuten US-amerikanischen Bombardements sowie iranischen Gegenangriffen – scheint die Absichtserklärung wieder in weite Ferne gerückt zu sein. Fest steht dennoch, dass sich Pakistan vom internationalen Paria zum zentralen Vermittler im derzeit wichtigsten Krieg entwickelt hat.

Islamabad ist selbst an drei Fronten in Konflikte geringer Intensität verwickelt: mit Indien, Afghanistan und in der eigenen Provinz Belutschistan. Erst vergangene Woche forderte ein Suizidanschlag der separatistischen Baloch Liberation Army mehr als 40 Todesopfer und 100 Verletzte. Pakistan fürchtet, dass eine Eskalation im Iran die Lage im eigenen Land weiter aufheizen könnte. Zudem ist der Energiebedarf des Landes stark von importiertem Öl abhängig, das zum Großteil die Straße von Hormus passiert. Bereits Anfang März erhöhte die Regierung die Preise für Benzin und Diesel um 20 Prozent. Falls der Krieg fortgesetzt wird, würde der wirtschaftliche Druck in Pakistan weiter steigen. Hinzu kommt die Stimmung in der pakistanischen Öffentlichkeit, die überwiegend auf seiten Teherans steht. Am Tag nach der Ermordung des iranischen »Revolutionsführers« Ajatollah Ali Khamenei am 28. Februar durch Washington und Tel Aviv gingen im ganzen Land Demonstranten in Unterstützung mit dem angegriffenen Land auf die Straße.

Seit seiner Gründung war Pakistan regelmäßig mit politischer Instabilität konfrontiert, darunter die Einmischung durch US-Geheimdienste, vier Militärputsche und Attentate auf hochrangige Politiker. Außerdem war das Land jahrzehntelang international isoliert – aufgrund seiner wirtschaftlichen Instabilität und der Unterstützung militanter separatistischer Organisationen in Indien, das in der Staatengemeinschaft ein höheres Ansehen genießt. Für die Atommacht begann sich das Blatt jedoch während ihres militärischen Sieges im viertägigen Konflikt mit Neu-Delhi im Mai 2025 zu wenden: Islamabad gelang es mit Hilfe chinesischer Militärtechnik, mehrere indische Kampfflugzeuge abzuschießen, was das enge Verhältnis zu Beijing offenbarte. Nachdem sich Islamabad als militärisch ebenbürtig mit Neu-Delhi erwies, erkannte die Welt erneut die Bedeutung der geographischen Lage des Staats als Nachbar Irans, Indiens und Chinas. Außerdem wurde deutlich, dass Pakistan einer der wenigen Staaten ist, die gute Beziehungen zu den drei Großmächten der Welt unterhalten: den USA, China und Russland.

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Unmittelbar nach dem Konflikt mit Indien unternahmen das pakistanische Militär und das politische Establishment intensive diplomatische Bemühungen, um enge Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump und seiner Regierung aufzubauen. Dazu gehörten regelmäßige Reisen nach Washington, die Nominierung Trumps für den Friedensnobelpreis, der Dank an ihn für die Vermittlung eines Waffenstillstands im Konflikt mit Neu-Delhi sowie der Beitritt zu dessen »Board of Peace«. Auf den israelischen Angriff auf das palästinensische Verhandlungsteam der Hamas in der katarischen Hauptstadt Doha im September 2025 folgte die Intensivierung der sicherheitstechnischen Zusammenarbeit zwischen Saudi-Arabien und Pakistan in Form eines Verteidigungsabkommens. Dieses wurde inzwischen durch eine informelle regionale »Quad«-Allianz ergänzt, an der Ägypten und die Türkei beteiligt sind – mit dem Ziel, die gemeinsamen Sicherheitsinteressen zu verfolgen.

Vor dem jüngsten US-israelischen Angriff auf den Iran nahm noch der Oman die Rolle des Vermittlers bei den Atomverhandlungen zwischen Teheran und Washington ein. Nun hat Islamabad die Position des wichtigsten Vermittlers zwischen den beiden Staaten übernommen. Denn im Gegensatz zu Oman ist Pakistan eine etablierte Militärmacht, die über nukleare Fähigkeiten verfügt, um sich selbst und die Vermittlungsbemühungen gegen jegliche Sabotageakte – auch seitens Israels – zu verteidigen. Und schließlich spielte China eine entscheidende Rolle dabei, Islamabad als Kandidaten für die Vermittlerrolle zu etablieren.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.06.2026, Seite 7, Ausland

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