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Arbeitsmarktpolitik

Jugend in der Krise

UK: Erwerbslosigkeit unter 16‑ bis 24jährigen steigt rasant – höchste Quote seit Jahren erwartet

Foto: Pond5 Images/IMAGO
Amboss oder Hammer: Sprosse aus der Arbeiterklasse in Salford (Manchester) vor ungewisser Zukunft

Großbritanniens Jugend rutscht spürbar in die Krise: Innerhalb weniger Monate könnte die Zahl erwerbsloser junger Menschen die Marke von 800.000 überschreiten – davor warnt die britische Handelskammer BCC in ihrem jüngsten Bericht, der dem Daily Telegraph vorliegt. Die Prognose ist deutlich: Die Erwerbslosenquote der 16‑ bis 24jährigen soll 2027 auf 17,6 Prozent steigen und damit den höchsten Stand seit Mai 2014 erreichen.

Laut dem aktuellen Arbeitsmarktbericht des Office for National Statistics (Amt für nationale Statistik) liegt die Quote der Erwerbslosen über alle Altersgruppen hinweg bei 4,9 Prozent. Derzeit beträgt die Jugendarbeitslosenquote 15,8 Prozent. Sie liegt damit deutlich über dem Schnitt der Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD): Im Frühjahr 2026 lag jene Quote im OECD-Raum bei 11,4 Prozent.

Für die britische Regierung ist der deutliche Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit besonders beunruhigend. Im Vorjahr lag sie noch zwei Prozent niedriger bei knapp über 14 Prozent.

Den neuesten Zahlen des Parlaments zufolge waren 3,82 Millionen junge Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren in Großbritannien und Nordirland erwerbstätig – ein Rückgang um 36.000 gegenüber dem Vorjahr. Die Erwerbstätigenquote unter jungen Menschen lag bei 50,7 Prozent und damit ebenfalls unter dem Vorjahreswert von 51,9 Prozent.

Es gab 2,97 Millionen junge Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren, die nicht erwerbstätig waren – 33.000 mehr als im Vorjahr. Die Quote der Nichterwerbstätigkeit unter jungen Menschen lag bei 39,4 Prozent.

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Besonders hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit in den ehemaligen Industriegebieten Südwales, der Midlands und Nordwestenglands sowie in den schottischen Regionen um Glasgow. Dies geht aus einer Studie hervor, deren Ergebnisse am Mittwoch veröffentlicht wurden. Sie wurde im Auftrag des britischen Gewerkschaftsverbands TUC durchgeführt. Der ehemalige Arbeitsminister Lord Jim Knight kommentierte sie mit den Worten, die Studie »räumt mit dem Mythos auf, wonach fast eine Million junge Menschen arbeitslos sind, weil es ihnen an Ambitionen mangelt«.

Gegenüber der Zeitung The Independent sagte er: »Junge Menschen in bestimmten Regionen, die ohnehin über die geringsten Chancen verfügen, auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis landen zu lassen wäre sowohl eine moralische Tragödie als auch langfristig mit weitaus höheren Kosten verbunden.«

Ein Regierungssprecher erklärte auf Anfrage derselben Zeitung: »Die Herkunft sollte niemals darüber entscheiden, wo man im Leben landet.« Premierminister Andy Burnham hat mehrmals angedeutet, die regionalen Unterschiede ausgleichen zu wollen.

Im vergangenen Monat kündigte Burnham Bildungsreformen an, die junge Menschen dazu ermutigen sollen, sich für technische Bildung, berufliche Ausbildung und Lehrstellen zu entscheiden. Er versprach, dass Großbritannien »den Schutzhelm ebenso wertschätzen werde wie die akademische Abschlusskappe«.

Ein Sprecher des Ministeriums für Arbeit und Renten erklärte gegenüber dem Daily Telegraph: »Jeder junge Mensch verdient die Chance, sich zu entfalten. Deshalb investieren wir 2,5 Milliarden Pfund Sterling (2,9 Milliarden Euro) in die Erwerbstätigkeit oder Ausbildung – darunter in 50.000 neue Ausbildungsplätze für Jugendliche.«

Er fügte hinzu: »Unternehmen profitieren bereits von einer Befreiung von Sozialversicherungsbeiträgen für Mitarbeiter unter 21 Jahren und Auszubildende unter 25 Jahren sowie von Einstellungsprämien in Höhe von bis zu 8.000 Pfund Sterling (9.325 Euro), wenn sie einen förderfähigen jungen Menschen einstellen.«

Die Regierung kündigte zudem weitere Reformen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit an. Alarmierend ist vor allem der Anstieg der Zahl junger Menschen, die weder einer Arbeit nachgehen noch in Lehre, Schule, Universität oder einer anderen Ausbildung sind. Laut einer Studie handelt es sich dabei um knapp eine Million junger Menschen.

TUC-Generalsekretär Paul Nowak sagte: »Die Unterstützung von mehr jungen Menschen beim Einstieg ins Berufsleben muss weiterhin eine zentrale Priorität bleiben. Die Regierung muss die Jobgarantie ausweiten, um sicherzustellen, dass mehr junge Menschen wichtige Erfahrungen in bezahlter Arbeit sammeln.« Die Gewerkschaft fordert, dass Familien mit einem jährlichen Haushaltseinkommen von unter rund 35.000 Euro einen Ausbildungszuschuss erhalten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.09.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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