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Kevin im Einklang mit Wall Street

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Foto: jW

Es war erst die dritte Sitzung der Federal Reserve, der US‑Notenbank, die ihr neuer Chef leitete. Kevin Warsh war von Donald Trump ausdrücklich ins Amt gehievt worden, um die Leitzinsen zu senken. Am Mittwoch abend, kurz nach acht Uhr (MESZ), geschah dann das Unerhörte und dennoch von den Finanzmärkten lang Erwartete: Die Fed gab eine Leitzinserhöhung um einen viertel Punkt auf die Spanne 3,75 bis vier Prozent bekannt. Genau das Gegenteil dessen, was vom Präsidenten gewünscht und erwartet worden war. Noch erstaunlicher: Das Entscheidungsgremium hatte einstimmig – einschließlich Donald Trumps Mann an der Spitze – für diese Entscheidung votiert. Trump nahm es leicht und wie so oft widersprüchlich: »Ich habe Kevin gesagt, du kannst ruhig mit dem Vorstand stimmen, weil es sowieso keine Rolle spielt. Der Vorstand ist schließlich feindlich eingestellt.« Kurz darauf sagte er gegenüber einem anderen Medium: »Die Zinsen in den USA sollten ein Prozent oder noch weniger betragen, weil ›wir‹ bei weitem der beste Schuldner der Welt sind.«

In der sehr kurzen Pressekonferenz begründete Warsh die Zinsanhebung mit den üblichen Argumenten, die konservative Notenbanker in solcher Situation vorbringen. »Die Daten des Sommers haben mir nicht gezeigt, dass der Inflationstrend sich merklich gebessert hat.« Und in der Presseerklärung der Notenbank hieß es forsch und schlicht: Die Fed werde »für Preisstabilität sorgen«. Warsh brachte auch den Anstieg der Renditen der langfristigen Staatsanleihen in den vergangenen Wochen zur Sprache. Die Renditen der zehnjährigen Anleihen waren am Tag vor der Fed‑Sitzung mit über fünf Prozent auf den höchsten Stand seit 19 Jahren gestiegen. Der Anstieg hatte sich seit der letzten Fed‑Sitzung Ende Juli zusammen mit dem Ölpreisanstieg im Gefolge des wieder akut werdenden Krieges gegen den Iran verstärkt. Bemerkenswert daran war auch, dass die Renditen der Anleihen anderer großer Staaten (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan) ähnlich rapide wie in den USA stiegen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Inflation überall eine Folge des Iran-Kriegs, nicht aber von zu üppiger Nachfrage in den einzelnen Währungsräumen war und noch angetrieben wird.

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Am Finanzmarkt nahm man deshalb die Zinsanhebung der Notenbank gelassen und zufrieden auf. Die Inflation wird nicht auf Kosten des Finanzsektors gehen. Vielmehr werden die steigenden Preise vom einfachen Volk bezahlt und die Inflation wird durch eine Einschränkung seines Lebensstandards bekämpft werden. Das Geschwätz des Präsidenten im Weißen Haus, die Zinsen niedrig zu halten, muss nicht ernstgenommen werden. Es gibt keine staatlich administriert niedrigen Zinsen, sondern die Notenbank folgt dem Finanzmarkt nach oben. So wie es die Europäische Zentralbank mit schon zwei Zinsanhebungen in diesem Sommer vorgemacht hat. Sogar Japan folgt diesem Weg. Am Freitag morgen erhöhte auch die Bank von Japan den Leitzins auf 1,25 Prozent.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.09.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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