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Luftfahrt

Turbulenzen bei Air India

Ergebniseinbruch: Modernisierung lahm, Sprit kriegsbedingt teuer und Kapitalbedarf hoch

Foto: Priyanshu Singh/File Photo/REUTERS

Noch vor wenigen Jahren galt die zivile Luftfahrt als eines der Symbole des indischen Wirtschaftswachstums. Zahlreiche neue Flughäfen wurden und werden gebaut, selbst für etliche Menschen aus der Mittelschicht ist Fliegen zum Massenphänomen geworden, ferner eine echte Alternative zum immer noch eher behäbigen Bahnverkehr. Doch die auch von Premierminister Narendra Modi lange aktiv genährte Mär von immer mehr Flugzeugen, immer moderneren und gigantischeren Flughäfen bei stetig steigenden Verkehrszahlen, beginnt zu bröckeln. Zwar verkündete das indische Ministerium für Zivilluftfahrt, dass im ersten Halbjahr mit insgesamt 86,4 Millionen Passagieren im Inland 1,44 Prozent mehr befördert wurden als im Vorjahreszeitraum. Doch die Monatszahlen sind laut Assam Tribune mittlerweile leicht rückläufig. Vor allem die beiden dominierenden Fluggesellschaften haben mit Problemen zu kämpfen.

Noch vor der aus der Billigfliegerecke zu einer nun auch international operierenden Airline aufgestiegenen Indigo, die demnach daheim nunmehr 63 Prozent Marktanteil habe, trifft dies auf das einstige Flaggschiff Air India zu. Nach Angaben von Reuters versucht die Gesellschaft seit Ende August, von ihren Anteilseignern, Tata Sons und Singapore Airlines (SIA), 1,5 Milliarden US-Dollar frisches Kapital einzuwerben. Im Geschäftsjahr 2025/26, das im März zu Ende ging, hätten Muttergesellschaft und Billigflugtochter Air India Express das Minus des Vorjahres auf 2,3 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Obwohl die Auslastung der Flugzeuge mit durchschnittlich gut 85 Prozent im Vergleich zur Konkurrenz im oberen Bereich liege, verschlechterten äußere Faktoren die Bilanzen empfindlich.

So sei der Modernisierungsschub für die »alte Dame« zwar auf dem Radar ihrer Eigentümer, aber bislang ausgeblieben. Inzwischen kämen die Sperrung des pakistanischen Luftraums für indische Flugzeuge und die Verteuerung der Treibstoffpreise durch den Krieg der USA gegen Iran erschwerend hinzu. Ferner hafteten Air India Sicherheitsrisiken an: Nicht vergessen ist die Katastrophe vom 12. Juni 2025, als eine Boeing 787 auf dem Weg nach London kurz nach dem Start in Ahmedabad abstürzte. Es war das bislang größte Unglück dieser Art in diesem Jahrzehnt und kostete 260 Menschen das Leben. Untersuchungen ermittelten Probleme mit der Treibstoffzufuhr zum Motor; der Abschlussbericht, der ursprünglich bis zum Jahrestag vorliegen sollte, steht indes noch aus. Dass es um die Sicherheit weiterhin nicht zum besten bestellt ist, illustrierte erst Anfang August der Vorfall mit einer aus Phuket kommenden Air-India-Maschine, die in der Luft plötzlich stark absackte: 24 Fluggäste wurden verletzt. Der Pilot soll laut Times of India positiv auf Marihuana getestet worden sein.

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Gut viereinhalb Jahre ist es her, dass die ehemals staatliche Airline privatisiert wurde. Tata Sons erwarb im Januar 2022 sämtliche Anteile von der Regierung. Da die Branche noch mit den Einbrüchen der Pandemie zu kämpfen hatte, erfolgte nur wenige Monate später die Entscheidung zur Verschmelzung mit der noch jungen Vistara Air, die seit November 2024 formell abgeschlossen ist. Vistara, ein lang geplantes Gemeinschaftsprojekt von Tata Sons und SIA, war erst seit 2015 am Markt. Während letztere dort zu 49 Prozent beteiligt war, da der einheimische Mischkonzern laut gesetzlichen Regularien Mehrheitsaktionär sein musste, stiegen die Singapurer schließlich direkt bei Air India ein, wo sie mit nunmehr 25,1 Prozent der Anteile beteiligt sind.

Der Umbau der Fluggesellschaft, bis sie wieder Gewinn mache, könne noch ein Jahrzehnt dauern, hieß es Ende Juli im Jahresbericht von Tata Sons. Und nicht nur dort scheint man sich für die angeforderte Finanzspritze entschieden zu haben. Laut Berichten des singapurischen Nachrichtenportals Channel News Asia und der Business Times vom Wochenende hat auch der singapurische Staatsfonds Temasek grünes Licht gegeben. Der ist wiederum zu knapp 21 Prozent an SIA beteiligt und bezeichnet seine Zustimmung als »langfristige, strategische Entscheidung«. An den Kapitalmärkten Südostasiens ist Modis Vision der Luftfahrtnation Indien noch nicht ausgeträumt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.09.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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