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Unplausibel und ohne Beweise
Wahlkampf in Malaysia: Ein Oppositionsführer behauptet, die USA wollten 2014 die Regierung stürzen
Direkte Einflussnahme der USA, um missliebige Regierungen anderer Staaten abzusetzen, ist keineswegs neu. Die Unterstützung für den Pinochet-Putsch in Chile 1973 und die Invasion in Grenada 1983 sind nur zwei Beispiele. Auch der jetzige Chef im Weißen Haus, der unberechenbare Donald Trump, greift eher zu groben Mitteln – und ließ erst im Januar mit Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro einen gewählten Präsidenten entführen.
Doch es geht auch subtiler. So sollen US-Vertreter 2014 in Malaysia bei einem Treffen eines Botschaftsabgesandten mit Vertretern der Opposition Unterstützung in Aussicht gestellt haben, um diese zum Sturz der damaligen Regierung zu ermuntern. Das behauptete zumindest Abdul Hadi Awang, Vorsitzender der Islamischen Partei Malaysias (PAS), beim Jahreskongress der PAS am Sonnabend. Er und seine anwesenden Parteifreunde hätten das Ansinnen zurückgewiesen. Am Montag hieß es dann in der malaysischen Presse, dass die Polizei Ermittlungen wegen des Verdachts des Stiftens öffentlicher Unruhe gegen Hadi aufgenommen habe. Mehrere Regionalkader der Volksgerechtigkeitspartei (Parti Keadilan Rakyat/PKR) des derzeitigen Premiers Anwar Ibrahim hätten demnach Anzeige erstattet.
Das brisante Gespräch soll sich während des Besuchs von Barack Obama im April 2014 – damals der erste eines US-Präsidenten seit fast 50 Jahren – zugetragen haben. Zu dem Zeitpunkt gehörte die PAS dem breiten Oppositionsbündnis Pakatan Harapan (Allianz der Hoffnung) an, welches bei den Wahlen 2018 die jahrzehntelang dominante Vereinigte Nationalorganisation der Malaien (UMNO) an der Regierung ablösen konnte. 2014 regierte noch Najib Razak (UMNO), doch der stand bereits stark in der Kritik. Es sollte aber noch ein Jahr dauern, bis der sogenannte 1MDB-Skandal ans Licht kam, der seiner Partei die Macht kostete und ihn 2020 mit einer langen Haftstrafe ins Gefängnis brachte – jahrelang waren aus dem 2009 von Najib gegründeten Staatsfonds Riesensummen in dunklen Kanälen verschwunden.
Allein 700 Millionen US-Dollar landeten auf seinen Privatkonten, der Gesamtschaden wird auf 4,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der Guardian bezeichnete das Ganze in einer Recherche 2016 als »größten Korruptionsskandal der Welt«. Verwickelt waren auch führende Manager der US-Investmentbank Goldman Sachs. Ihr aus Frankfurt am Main stammender, ehemaliger Südostasienregionalchef, Tim Leissner, wurde erst im Mai 2025 wegen des Skandals von einem Gericht in New York zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt.
Was ist nun dran an der Behauptung, dass die USA Najib vor zwölf Jahren stürzen wollten? Hadi selbst hat noch nichts zu ihrer Untermauerung vorgelegt. Von offizieller US-Seite kam ein denkbar knapp gehaltenes Dementi: »Die Vereinigten Staaten haben nie versucht, über die politische Führung Malaysias zu entscheiden. Jede gegenteilige Darstellung ist falsch«, ließ David H. Gamble Jr., Geschäftsträger der US-Botschaft in Malaysia, am Sonntag verlauten. Die zwei Sätze wurden im Anschluss von allen großen nationalen Medien zitiert, ohne dass es seither eine weitere Stellungnahme der USA zu dem erhobenen Vorwurf gibt.
Wie belastbar die Geschichte wirklich ist, lässt sich bisher nicht seriös einschätzen. Unklar ist, warum die USA Najib – weder progressiv noch dezidiert US-kritisch – unbedingt hätten loswerden wollen. Zudem stellt sich die Frage, warum Hadi mit so einer brisanten Enthüllung zwölf Jahre gewartet hat. Es liegt nahe, dass der Oppositionspolitiker schlicht auf sich aufmerksam machen wollte. Obwohl es noch keinen Termin gibt und das Parlament vermutlich erst zum Jahresende aufgelöst wird, ist der Wahlkampf bereits in vollem Gange. Als größte islamistische Partei hat die PAS zwar das erklärte Ziel, erstmals stärkste Kraft zu werden, gleichzeitig deutete Hadi noch am Freitag auf ein erneutes Bündnis mit der »Barisan-Nasional«-Koalition (Nationale Front) hin, die von der wiedererstarkten UMNO angeführt wird.
Seit der Krise von 2020 ist Malaysia politisch nicht zur Ruhe gekommen: Durch den Parteiwechsel mehrerer Abgeordneter kam es zum Zusammenbruch zweier aufeinanderfolgender Regierungskoalitionen und zum Rücktritt zweier Ministerpräsidenten. 2022 wurde dann eine »Einheitsregierung« gebildet, doch auch die ist von Korruptionsvorwürfen und ethnischen Spannungen überschattet. Die Opposition drängt erneut auf vorgezogene Parlamentswahlen.
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