Australiens längste Abkürzung
Straßenverbindung Outback Highway soll 2027 weitergebaut werden
Nach jahrelangem Stillstand kommt Australiens längste Abkürzung – Outback Highway – wieder in Bewegung: Die 2.700 Kilometer lange Straßenverbindung quer durch Australien soll weitergebaut werden. Seit 1997 wurden mehr als 1,2 Milliarden Australische Dollar (etwa 745 Millionen Euro) für die Versiegelung der Strecke bewilligt. Die Verhandlungen über Landzugang und Genehmigungen stehen kurz vor dem Abschluss, berichtet der Sender ABC. Geht alles nach Plan, kann der Bau 2027 fortgeführt werden. Ziel der West-Ost-Durchquerung ist es, die stolzen 2.720 Kilometer zu befestigen. Große Abschnitte der unversiegelten Route sind noch staubig oder werden durch Regen zur Schlammwüste, schrieb das Infrastructure Magazine bereits 2023. Gerade für Lastwagen könnte sich die Fahrtzeit, wenn die Strecke vollständig asphaltiert ist, in etwa halbieren. Damit würden auch die Kosten für den Frachtverkehr deutlich sinken. Von mehr als einem Drittel Zeitersparnis könnte aber auch der Tourismus erheblich profitieren und den kleinen Ortschaften im wirtschaftlich wenig erschlossenen Zentrum Australiens einen beträchtlichen ökonomischen Entwicklungsschub bescheren, so die Erwartungen. Die Fertigstellung soll 2032 erreicht werden.
Beinahe drei Jahrzehnte reichen die Ursprünge des Projekts zurück. 1997 kam erstmals die Idee auf, ein Alternativangebot zum National Highway 1 zu bieten, der entlang der Küste rund ums Land führt. Bereits ein Jahr später wurde der Outback Highway Development Council (OHDC) gegründet, der seither gemeinsam mit Kommunen auf die Umsetzung des Vorhabens drängt. Die schrittweise Finanzierung und Umsetzung des Mammutprojekts zog sich jedoch über Jahrzehnte hin. Eine wichtige Zäsur war das Jahr 2022: Die Bundesregierung in Canberra sagte damals 678 Millionen AUD (etwa 451 Millionen Euro) zu; zusätzlich wurden Beiträge der Bundesstaaten und Territorien vereinbart, berichtete der Sender ABC vergangenen Sonntag.
»Nach dem, was ich gehört habe, soll es bald nach Weihnachten losgehen – je früher, desto besser«, sagte Pat Hill gegenüber dem Sender ABC. Der Präsident des Shire of Laverton ist seit den Anfängen 1997 auch Vorsitzender des OHDC. Die staatliche Straßenbauagentur Main Roads hat für den nächsten Abschnitt von 171 Kilometern die nötigen Rodungsbewertungen und eine biologische Untersuchung abgeschlossen. Es werden keine erheblichen Auswirkungen auf bedrohte Tier- oder Pflanzenarten erwartet. Der formale Planungs- und Genehmigungsprozess läuft noch.
Barnaby Joyce, der damalige Vizepremier aus den Reihen der National Party (inzwischen zur rechtspopulistischen One Nation Party gewechselt), hatte eine befestigte Straße vor fünf Jahren als »Basisartikel des Lebens im 21. Jahrhundert« bezeichnet, wie ihn seinerzeit der öffentlich-rechtliche SBS zitierte. Für viele kleine Outback-Ortschaften ist das seit Jahrzehnten ein noch unerfülltes Versprechen. Die Menschen dort erhoffen sich von einer richtigen Straße Aufschwung und Jobperspektiven, die in den Weiten der dünnbesiedelten Gebiete im Zentrum Australiens äußerst rar sind.
Auch in den Gemeinschaften von Aborigines entlang der Strecke gibt es Unterstützung für das Vorhaben, das die abgelegenen Regionen besser miteinander verbinden und neue wirtschaftliche Möglichkeiten schaffen soll. Der Outback Way durchquert Gebiete verschiedener indigener Gemeinschaften mit traditionellen Landrechten, weswegen offiziell deren Zustimmung eingeholt werden muss – solche Konsultationsprozesse zwischen staatlichen Stellen und den indigenen Gremien sind teils langwierig. Neben den erwarteten Chancen gibt es deshalb auch konkrete Sorgen. Lizzie Marrkilyi Ellis, eine Älteste und Linguistin aus den Ngaanyatjarra Lands, warnte 2023 gegenüber der ABC, dass eine befestigte Straße wesentlich mehr Menschen in die Region bringen werde. Reisende müssten deshalb wissen, dass sie auf angestammtem Land der Aborigines unterwegs seien und die geltenden Genehmigungen und kulturellen Regeln beachten.
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