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Die Hoffnung schwindet
Flut im Himalaja: Noch immer viele Vermisste. Nepals Präsident mahnt zu Klimagerechtigkeit
Zu Wochenbeginn ist die Zahl der Toten nach der verheerenden Sturzflut im Himalaja allein in Nepal auf 1.355 gestiegen, so die jüngsten offiziellen Angaben. Während durch einige glückliche Einzelfälle die Zahl der lebend Geretteten in den vergangenen Tagen leicht auf 13.396 gestiegen ist, fehlt von 4.996 Menschen noch immer jedes Lebenszeichen. Die Annahmen verdichten sich, dass es ein Großteil der Vermissten nicht geschafft hat, der von einem riesigen Gletscherabbruch ausgelösten Flut lebend zu entkommen. Weiterhin suchen Tausende nach ihren Ehepartnern, Kindern, Eltern, Geschwistern und anderen Angehörigen. Für Tibet hatten die dortigen Behörden die Opferzahl von zuletzt 31 auf 43 angehoben, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag. Weitere 519 Menschen gelten demnach nördlich der Grenze noch als vermisst.
Ebenfalls am Montag hat sich Nepals Staatspräsident Ram Chandra Paudel angesichts des Unglücks mit einer deutlichen Botschaft an die Welt und insbesondere die reichen Nationen gewandt: »Ich appelliere eindringlich an die internationale Gemeinschaft, nicht nur auf die Stimmen ökologisch besonders gefährdeter Länder – darunter Nepal – zu hören, sondern auch konkrete und wirksame Schritte zu unternehmen, um Klimagerechtigkeit für sie zu gewährleisten«, wurde er in den nepalesischen Medien zitiert. Erwiesenermaßen sind die armen Länder überdurchschnittlich stark von den Folgen der Erderwärmung betroffen, die bis zum Jahr 2050 kaum noch auf zwei Grad begrenzt werden kann: Allein in Südasien sind das bergige Nepal mit abschmelzenden Gletschern, das tiefgelegene Bangladesch mit Überschwemmungen und der Inselstaat Malediven mit dem steigenden Meeresspiegel konfrontiert.
Nepals Behörde für Katastrophenschutz hat die Schäden der Sturzflut, die neben den vielen Todesopfern und Privathäusern unter anderem auch Brücken, Straßen oder Wasserkraftwerke schwer getroffen hat, vorläufig auf 387,5 Milliarden Rupien (umgerechnet 2,56 Milliarden US-Dollar) geschätzt. Der Wert ist lediglich eine grobe Schätzung auf der Basis bereits erfasster Schäden, andere Stimmen gehen eher von der doppelten Höhe aus.
Die nicht bezifferbaren Konsequenzen sind mindestens ebenso dramatisch. So berichtete etwa die nepalesische Tageszeitung Kathmandu Post am Montag, dass viele Kinder, die Eltern und andere enge Verwandte verloren haben, traumatisiert seien und unter Schlafstörungen, Panikattacken und so heftigen körperlichen Symptomen psychischer Belastungen litten, dass sich einige bereits im Krankenhaus befinden würden. Die apokalyptischen Bilder der Zerstörung ganzer Ortschaften, die am 26. August von der Schlammlawine vernichtet und begraben wurden, sind schon für Erwachsene schwer zu ertragen. In einem Land, in dem psychologische Hilfsangebote jenseits der Hauptstadt Kathmandu ohnehin rar sind, fehlt es gerade für Minderjährige an Unterstützung.
Derweil trifft humanitäre Hilfe aus dem Ausland ein. Die Weltgesundheitsorganisation etwa habe am Wochenende die Lieferung von 21.000 Cholera-Impfstoffdosen mit Helikoptern von Kathmandu in den besonders stark betroffenen Distrikt Rasuwa ermöglicht, schrieb die Himalayan Times. Da es vielerorts Probleme mit ausreichend sauberem Trinkwasser gibt, drohen derzeit schwere Durchfallerkrankungen im Katastrophengebiet um sich zu greifen. Gesundheitshelfer, die dagegen mit entsprechenden Impfungen Vorsorge leisten könnten, sind jedoch in vielen Orten nicht ausreichend verfügbar.
Während der Montag in Nepal zum landesweiten Trauertag erklärt wurde, um der Opfer zu gedenken, hatten Hilfskräfte keine Zeit zum Innehalten. Noch immer sind etliche Dörfer aufgrund von weggerrissenen Brücken und Straßen kaum erreichbar. Doch die Rettung eines Chinesen am Sonnabend, der 225 Meter tief im Innern eines Wasserwerktunnels ausgeharrt hatte, hat die Zuversicht gestärkt, in den Tunnelsystemen doch noch weitere Überlebende zu finden.
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