Der nächste Krieg
Von Jörg Tiedjen
Der Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan hat sich gefährlich ausgeweitet. »Unsere Geduld ist am Ende«, schrieb der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif in der Nacht auf Freitag auf X. »Nun herrscht Krieg, und wir gehen voll in die Offensive.« Gleichzeitig bombardierte die Luftwaffe der asiatischen Atommacht Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul sowie den Provinzen Kandahar und Paktia. Stunden zuvor hatte der Sprecher der Taliban-Regierung in Kabul laut dem Sender Al-Dschasira verkündet, dass die afghanischen Streitkräfte »Angriffsoperationen in großem Stil« entlang der sogenannten Durand-Linie durchführten. Sie stellt die Grenze zwischen den beiden Ländern dar, wird aber von Kabul nicht anerkannt.
Ein Auslöser der Eskalation war ein Terroranschlag Anfang des Monats auf eine schiitische Moschee in Islamabad mit Dutzenden Toten, der laut pakistanischer Regierung von Dschihadisten der Gruppe »Islamischer Staat« begangen wurde. Angeblich habe Pakistans Erzfeind Indien die Attentäter ins Rennen geschickt, wobei sie jedoch von Afghanistan aus operierten. Diesen Vorwurf griff Asif in seiner Kurznachricht von Donnerstag nacht auf, indem er schrieb, dass die Taliban »Afghanistan in eine indische Kolonie verwandelt haben, die Terror exportiert«. Erst im vergangenen Frühjahr hatten Indien und Pakistan mehrere Tage lang Krieg gegeneinander geführt.
Als die afghanischen Taliban 2021 die US-geführten ausländischen Truppen aus dem Land warfen, gratulierte der damalige pakistanische Premierminister Imran Khan ihnen noch dafür, die »Fesseln der Sklaverei« gesprengt zu haben. Doch das Verhältnis verschlechterte sich rasch. Es waren nicht zuletzt die sogenannten Pakistanischen Taliban (in Urdu TTE abgekürzt), die nach dem Sieg des afghanischen Flügels ihrer Bewegung ihre regelmäßigen Angriffe in Pakistan verstärkten. Versuche Islamabads, Kabul zum Einlenken gegen die TTE zu bewegen, scheiterten aber, zumal die afghanischen Taliban deren Anwesenheit auf dem eigenen Territorium leugnen.
Kompliziert wird die Lage dadurch, dass Kabul ganz ähnliche Vorwürfe an Islamabad richtet: Auch der Nachbar unterhalte Terrorgruppen, die wiederum Anschläge in Afghanistan verübten – gemeint ist hier ebenfalls der »Islamische Staat«. Besorgt angesichts der jüngsten Entwicklung zeigt sich vor allem die Volksrepublik China, die gute Kontakte sowohl zu den Taliban als auch zu Pakistan unterhält und in der Region mit der Initiative »Neue Seidenstraße« umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen eingeleitet hat. Außenamtssprecherin Mao Ning rief beide Parteien zu einer sofortigen Feuerpause und Beilegung des Konflikts auf.
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