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Kapital in Bombenstimmung
Neues aus Deutschlands letzter Wachstumsbranche: Rüstungsunternehmen sichern sich Milliardensummen. Aktivisten blockieren kurzzeitig Rheinmetall-Büro
Mit jedem Schuss und jeder Bombe, die auf der Welt fallen, knallen in den Chefetagen der Rüstungskonzerne die Sektkorken. Auch die deutschen Waffenschmieden haben deshalb guten Grund, allerorten zu expandieren. Der deutsche Branchenprimus Rheinmetall plant beispielsweise, im Berliner Wedding eine neue Munitionsfabrik zu bauen. Aus Protest hiergegen blockierten am Montag morgen etwa 40 Aktivisten der Initiative »Peacefully Against Genocide« (PAG) das Berliner Büro von Rheinmetall am Pariser Platz, indem sie sich an den Durchgängen festklebten.
»Wir leben in Zeiten, in denen systematisch Völkermord begangen und ermöglicht wird und in denen Profit über Menschenleben gestellt wird«, sagte die bekannte schwedische Aktivistin Greta Thunberg, die sich an der Aktion beteiligt hatte, im Hinblick auf den israelischen Völkermord an den Palästinensern. »Das ist die Realität, in der wir leben.« Rheinmetall exportiert Waffen an Israel, wie Exportgenehmigungen zeigten, argumentieren die Aktivisten. »Die deutsche Regierung und Waffenindustrie sind Mittäter am Völkermord in Palästina, der Besatzung des Libanons, den Angriffen auf Syrien und den Iran«, heißt es auf der Website von PAG.
Im Konzernbüro selbst dürfte indes beste Stimmung geherrscht haben: Ebenfalls am Montag morgen konnte Rheinmetall verkünden, einen Großauftrag im Wert von einer Milliarde Euro ergattert zu haben. Dieser besteht in einer Beteiligung am Konsortium »Omnia Training« im Vereinigten Königreich, welches unter Leitung des US-Konzerns Raytheon die Gefechtsausbildung der britischen Armee digitalisieren soll. Die Konzernsparte Rheinmetall Electronics UK werde dabei als »Land Collective Training Partner« eine »Schlüsselrolle« übernehmen und die »physische Ausbildungsinfrastruktur, die Systemkonfiguration sowie logistische Aspekte« verwalten, teilte das Unternehmen mit.
Blendend läuft es auch beim Branchenkollegen Helsing. Der 2021 gegründete Drohnenhersteller aus München gab am Montag bekannt, in der jüngsten Finanzierungsrunde 1,8 Milliarden Euro eingenommen zu haben, und untermauerte somit seine Position als Europas bestfinanziertes Startup für Rüstungstechnologie, berichtete Reuters. Die Gesamtbewertung belaufe sich nun auf 18 Milliarden Euro. Zu den Geldgebern zählten laut Helsing namhafte Investmentfirmen wie J. P. Morgan Chase, Goldman Sachs, Dragoneer und Iconiq. Offenkundig erhoffen sich Anleger aus aller Welt satte Profite vom deutschen Kriegskurs.
Ebenfalls in München will der Panzerbauer KNDS sein Werk erweitern, um der gestiegenen Nachfrage Rechnung zu tragen. Dazu will sich das Unternehmen eine bisher brachliegende Fläche im Norden der Produktionsstätte einverleiben – gleich in Sichtweite sowohl eines Naturschutz- als auch eines Wohngebiets. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ) sprach das Unternehmen von einer »sehr positiven Auftragslage«; die Kapazitäten seien bis Ende des Jahrzehnts ausgefüllt. Der deutsche Staat kaufte sich erst vor kurzem für sieben Milliarden Euro bei KNDS ein und hält nun 40 Prozent des Konzerns, Frankreich will seinen Anteil auf die gleiche Größe bringen.
Vor Ort ist man nur bedingt einverstanden mit den Plänen, berichtet die SZ weiter: Während Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Bündnis 90/Die Grünen) die Erweiterung unterstützt, kommt von seiner Fraktion harsche Kritik. Die verwies in einer Stellungnahme vom Januar auf die Genfer Konventionen: Nach Artikel 58 ist es zu »vermeiden, innerhalb oder in der Nähe dicht bevölkerter Gebiete militärische Ziele anzulegen«. Diese Argumentation ließ das zuständige Referat bei der Stadt nicht gelten.
Bleibt den Waffenschmiedegegnern nur noch der Verweis auf den Lärmschutz und die auf der Brache lebende geschützte Krötenart. Dass Derartiges in einem Land, in dem die Kriegsgeräteproduktion eigentlich die letzte Wachstumsbranche ist, noch jemanden scheren könnte, scheint unwahrscheinlich.
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