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Krieg gegen Iran

Alles auf Anfang

USA nutzen Angriffe auf Schiffe, um Krieg gegen Iran wieder hochzufahren. Urheberschaft weiter unklar, Iran antwortet mit Vergeltungsschlägen

Foto: Majid Asgaripour/WANA via Reuters
»Es wird Blut fließen«: Sehr beliebte Darstellung bei den Trauerfeierlichkeiten in Iran (Teheran, 4.7.2026)

Kaum ist die Trauer um den bei einem US-amerikanisch-israelischen Angriff getöteten iranischen Revolutionsführer Ali Khamenei in ihre letzte Etappe getreten, greift Washington erneut zu den Waffen. Nach dem Beschuss von drei Handelsschiffen im Bereich der Straße von Hormus hatte die US-Armee in der Nacht zum Mittwoch mehr als 80 Ziele im Iran angegriffen. Wer die Angriffe ausführte, blieb offen. Washington sprach von »ersten Hinweisen« auf eine iranische Täterschaft, Katar machte Teheran unmittelbar verantwortlich. Aus Iran wurden die Vorwürfe weder bestätigt noch dementiert, später war die Rede von »fragwürdigen Anschuldigungen«.

Auf diese ungeklärte Beweislage folgte sofortiges militärisches Handeln in großem Maßstab – und damit aus iranischer Sicht ein klarer Bruch des erst neun Tage zuvor unterzeichneten vorläufigen Abkommens zur Beendigung des US-Kriegs gegen die Islamische Republik. Fast gleichzeitig zog Washington die erst im Vormonat gewährte Erlaubnis zum Verkauf iranischen Öls zurück. Die Ölpreise reagierten binnen Stunden mit einem Sprung von mehr als fünf Prozent, dem höchsten Stand seit Ende Juni.

Die iranische Antwort erfolgte in zwei Operationen: Die Armee meldete Drohnenangriffe auf die US-Basis Scheich Isa in Bahrain; das Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) sprach von Raketen- und Drohnenschlägen gegen 85 Ziele, darunter der Hafen Salman und die Fünfte Flotte der USA in Bahrain sowie die Ali-Al-Salem-Basis in Kuwait. Zudem meldete Teheran den Abschuss einer MQ-9 »Reaper«-Drohne über Buschehr. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.

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Die US-Aggressionen richteten sich gegen iranische Luftabwehrsysteme, Führungs- und Kommunikationsnetzwerke, Küstenradaranlagen, Antischiffsraketenstellungen sowie Schnellboote der IRGC in und um die Straße von Hormus. Betroffen waren nach iranischen Angaben Keschm, Sirik, Bandar Abbas und zwei Militärbasen in Buschehr. Militärisch ist die Zielauswahl der US-Angriffe bemerkenswert. Sie trifft genau jene Fähigkeiten, die größere US-Operationen im Golf erschweren würden: Wer diese Systeme schwächt, verschafft sich operative Handlungsfreiheit. Das kann als Vorbereitung einer breiteren Kampagne gelesen werden.

Die USA halten bereits die militärische Infrastruktur für größere Schläge und begrenzte Bodenoperationen bereit. Der rückwärtige Knoten liegt auf Diego Garcia, einem zu Großbritannien gehörenden Atoll im zentralen Indischen Ozean, das die USA als Militärstützpunkt nutzen. Die Basis wird derzeit deutlich ausgebaut: Hafenanlagen, Treibstofflager, Küstenschutz und Luftfrachtinfrastruktur sollen bis zum Herbst kriegsfähig gemacht werden. Damit wächst Diego Garcia zu einem Operationsknoten heran, der geschwächte US-Basen in der Golfregion und Stützpunkte in Israel ergänzen könnte. Was für eine größere US-Kampagne noch fehlt, ist also weniger die militärische Infrastruktur als der politische Auslöser – ein Tonkin-Moment.

Am Rande des NATO-Gipfels in Ankara erklärte Präsident Trump denn auch das im Vormonat geschlossene vorläufige Abkommen mit Teheran für »beendet«, Verhandler könnten weiterreden, doch das sei »Zeitverschwendung«. Später erging er sich in Beleidigungen der iranischen Führung und drohte: »Wir werden sie heute Nacht hart treffen.« NATO-Generalsekretär Mark Rutte nannte die US-Schläge »absolut notwendig«.

International blieb die Verurteilung ebenso einseitig: Kuwait, Katar, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten unisono, die iranischen Gegenschläge auf Bahrain und Kuwait verletzten Souveränität und internationales Recht. Eine vergleichbar scharfe Kritik an den vorausgegangenen US-Angriffen auf iranisches Gebiet blieb aus der Region aus.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.07.2026, Seite 1, Titel

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