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Automobilindustrie

Porsches 9/11

Luxuskarossenbauer streicht 4.000 Stellen, zusätzlich zum geplanten »Sparpaket« mit Tausenden Jobkürzungen sollen Verwaltung und Entwicklung eingedampft werden

Foto: Manfred Segerer/IMAGO
Mehr als angeschlagen: Die Volkswagen-Tochter hat den Anschluss verpasst und lässt dafür Beschäftigte büßen

Beim Hersteller von Sport- und Luxuswagen Porsche sollen noch mehr Jobs als bisher bekannt gekürzt werden. Das Handelsblatt berichtete am Montag, dass bis zu 4.000 weitere Arbeitsplätze gestrichen werden könnten. Treffen soll es dabei vor allem Leitungskräfte aus dem Management sowie Beschäftigte aus der Verwaltung. Im wichtigen Entwicklungszentrum im baden-württembergischen Weissach, wo jedes neue Modell vom Entwurf am Zeichentisch bis zum Prototyp entsteht, sollen nach dem Zeitungsbericht etwa 30 Prozent der Kapazitäten auf dem Prüfstand stehen.

Das Unternehmen selbst äußerte sich nicht zu den Abbauplänen, sondern verwies auf Anfrage der dpa auf ein »Zukunftspaket zur Verschlankung des Unternehmens«, das noch erarbeitet und bis Monatsende vorgestellt werde. Dabei verhandeln Management und Betriebsräte ohnehin schon über ein »Sparpaket«, in dem es um weitere Stellenstreichungen geht. Bis 2029 sollen demnach rund 1.900 Porsche-Arbeitsplätze in der Region Stuttgart »sozialverträglich« wegfallen. Etwa 2.000 befristete Jobs werden obendrein nicht verlängert. Die Schließung von drei Tochterfirmen trifft insgesamt 500 Beschäftigte.

Bei der geplanten Schrumpfung des Managements sollen laut Handelsblatt ausgerechnet drei Frauen der Führungsebene unterhalb des Vorstandes gehen. Sie würden Opfer von Vertriebsvorstand Matthias Becker, der damit Entscheidungen seines Ressorts revidiere, die er selbst erst vor gut einem Jahr getroffen habe. So reduziere er die Zahl der Vertriebsregionen von fünf auf drei und ordne die Hauptabteilung für Luxus- und Exklusivitätsprogramme einer anderen Abteilung zu. Der schwache Verkauf in China, die anhaltenden Probleme mit der Elektromobilität und die unberechenbare Zollpolitik der USA sollen Becker zu den Entscheidungen gebracht haben.

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Porsche-Vorstandschef Michael Leiters hatte bei der Hauptversammlung am 23. Juni erklärt, dass es zu viele Modellvarianten gebe und künftig vor allem populäre SUVs und Sportwagen an die Kundschaft gebracht werden sollen. Mit dem Versuch, in der E-Mobilität Fuß zu fassen, ist der Traditionsautobauer aus Stuttgart-Zuffenhausen offenkundig ähnlich gescheitert wie Volkswagen und Mercedes: Die entsprechende Strategie habe das Unternehmen »eine Milliardenabschreibung« gekostet, schreibt das Handelsblatt. Leiters treibe die Neuausrichtung des Unternehmens mit hohem Tempo voran.

Dabei geht der Boss durchaus auch an kleinere Annehmlichkeiten der Belegschaft ran. So berichtete der SWR bereits Anfang Dezember 2025, dass die Porsche-Leitung mit dem Betriebsrat über die Streichung von Einmalzahlungen und Jubiläumsleistungen sowie Kürzungen bei der Altersvorsorge verhandelt hätte. Änderungen bei Arbeitszeiten, Homeoffice und mehr Flexibilität gehörten ebenfalls zu jenem »Sparpaket«, mit dem – neben der Stellenkürzung – die Personalkosten gedrückt werden sollten. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ibrahim Aslan betonte damals gegenüber den Stuttgarter Nachrichten, eine Beschäftigungssicherung sei bis mindestens 2035 nötig, es brauche zudem ein klares Bekenntnis des Porsche-Vorstands zu den deutschen Standorten.

Die aktuelle Beschäftigungssicherung gilt bis Mitte 2030 für ungefähr 23.000 Beschäftigte in Zuffenhausen, Weissach und einigen kleineren Standorten. Allerdings war Mitte Juni bekannt geworden, dass Porsche in Leipzig bis Ende August 200 Stellen abbauen möchte. Der MDR Sachsen berichtete, das Unternehmen hätte dafür freiwillige Aufhebungsverträge mit Abfindungen angeboten, was die IG Metall bestätigte. Fänden sich nicht genügend Freiwillige, blieben die Stellen erhalten. Zuvor waren jedoch bereits die Verträge mehrerer hundert Leiharbeiter nicht verlängert worden. Die Auslastung des Werkes könnte Porsche mit Kapazitäten aus der Produktionsstätte im slowakischen Bratislava »absichern«, hatte das Management angeboten – wenn die Beschäftigten dafür auf Gehalt verzichten würden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.07.2026, Seite 1, Titel

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