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In Räuberhöhlen

Foto: jW

Michaela Wiegel ist seit 1998 Frankreich-Korrespondentin der FAZ, manche ihrer Texte wirken, als habe sie im Gegensatz zu deutschen Diplomaten – wer ist überhaupt Botschafter beim angeblich wichtigsten EU-Partner? – direkten Zutritt ins Innerste des Èlysée-Palastes. Am Freitag veröffentlicht sie in der Form eines FAZ-Leitartikels eine Art französisches Grundsatzpapier zu den Beziehungen zwischen den beiden Möchtegerngroßmächten nach dem Aus des Kampfjetvorhabens FCAS. Überschrift: »In Paris wächst das Misstrauen gegen Berlin«. Erster Satz: »Die positive Aufnahme der deutschen ›Zeitenwende‹ weicht in Frankreich zusehends Misstrauen.«

Nach dem FCAS-Scheitern stehe »der Verdacht im Raum, dass Deutschland zwar Verantwortung in Europa beansprucht, diese jedoch nicht auf Augenhöhe mit europäischen Partnern ausüben will«. Hat jemand was anderes als »Führung« vom deutschen Imperialismus erwartet? Es solle gleichberechtigt aussehen in Europa, aber »wir« müssten die Kontrolle behalten. So stand es sinngemäß im deutschen »Septemberprogramm« von 1914 und so hatten sich die Planer des SS-Konzepts für »Europa« das etwas später gedacht. So ahnten es im Herbst 1989 François Mitterrand, Margaret Thatcher und Giulio Andreotti. Jetzt siecht Frankreich dahin und die deutsche Arroganz blüht wie selten.

1873 notierte Karl Marx – Deutschland klaute gerade aus Frankreich das Geld für Rüsten und »Infrastruktur« – die anmarschierende »allgemeine Krise« werde »selbst den Glückspilzen des neuen heiligen, preußisch-deutschen Reichs Dialektik einpauken«. Die Krise dauerte an die 20 Jahre und führte über eine Vielzahl »kleiner« Feldzüge in den großen Krieg – chauvinistisches Geheul auf beiden Seiten des Rheins inklusive.

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Wiegel schreibt nun: »Die alten Ängste vor deutscher Dominanz in Europa sind zurück.« Der »Vorstoß der acht deutschen Rüstungsunternehmen, eigenständig einen neuen Kampfjet der sechsten Generation zu entwickeln«, habe das »Misstrauen in Paris« vergrößert. Die Deutschen hatten am Tag der FCAS-Kündigung den nächsten Bomber in Sack und Tüten. Das beflügele, so Wiegel, »französische Dolchstoßlegenden«. Legenden? Die Klinge im Rücken ist nicht nur deutsches Nibelungenkulturgut, sondern in Räuberhöhlen wie der EU Gewohnheit.

Wiegel warnt die Berliner Panzer- und Bombeneuphoriker davor, so etwas stärke »die Glaubwürdigkeit der Rechtspopulisten« in Frankreich. Das können Merz oder Pistorius nicht mal ignorieren. Fortan kreisten, Wiegel weiter, die Bedenken »auch um die Dominanz der deutschen Rüstungsindustrie in Europa«. Verliert der angeblich starrköpfige Monsieur Dassault jetzt ein paar Milliarden Euro? Klar, Rheinmetall-Papperger kennt keine »Partner« und daher kommt in der jüngsten deutschen Militärstrategie des Pistorius Frankreich erst gar nicht vor. Wurde den Deutschen nicht groß mitgeteilt, den Franzosen schon. Deren Generalstabschef habe das, so Wiegel, vorm Senat als »zutiefst beunruhigend« bezeichnet.

So was kommt von so was. 1966 meinte Nobelpreisträger François Mauriac: »Ich liebe Deutschland. Ich liebe es so sehr, dass ich froh bin, dass es zwei davon gibt.« Hätte man sich dran halten können. Andreotti brachte mit dem Zitat Helmut Kohl zum Toben.

Der deutsche Botschafter in Paris ist übrigens seit 2023 Stephan Steinlein, ein verdienter DDR-Konterrevolutionär und späterer Steinmeier-Schatten. Er war bereits 1990 Botschafter in Frankreich für die De-Maizière-Regierung. Niemand kennt ihn, er kann ungestört die Trümmer, die nach der DDR-Zerstörung immer noch herumfliegen, deutsch ordnen.

1966 meinte Nobelpreisträger François Mauriac: »Ich liebe Deutschland. Ich liebe es so sehr, dass ich froh bin, dass es zwei davon gibt.« Hätte man sich dran halten können. Andreotti brachte mit dem Zitat Helmut Kohl zum Toben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.06.2026, Seite 3, Der schwarze Kanal

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