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02.06.2026
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Jagd auf Russlands Öl
Ukraine-Krieg: Neue Angriffe auf russische Energieinfrastruktur – Versorgung beeinträchtigt. Kiew bestreitet Drohneneinsatz gegen AKW
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat eingeräumt, dass die Ukraine Schwierigkeiten haben wird, den kommenden Winter zu überstehen. In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem US-Fernsehsender CBS sagte er, der Krieg solle vor dem kommenden Winter durch Verhandlungen beendet werden. Von einem in Aussicht stehenden ukrainischen Sieg sprach er in dem Gespräch für die Sendung »Face the Nation« nicht, nur davon, dass sich die strategische Lage der Ukraine verbessere. Er warb dafür, dass auch die USA von der ukrainischen Erfahrung im Bau von Drohnen und im Umgang mit ihnen lernten. Hier habe die Ukraine einen Entwicklungsvorsprung von fünf Jahren. Selenskij warf den USA außerdem ein zu niedriges Tempo bei der Nachproduktion von Raketen für die »Patriot«-Luftabwehrsysteme vor. 60 bis 65 Exemplare pro Monat seien »gar nichts« angesichts der Herausforderungen, denen sich der Westen gegenübersehe.
Russland warf seinerseits der BRD vor, dass in Deutschland produzierte ukrainische Drohnen zur Zerstörung russischer Ziele genutzt würden. Die Bundesregierung will gemeinsam mit der Führung in Kiew eine eigene Drohnenproduktion aufbauen. Mitte Mai hatte der russische Auslandsnachrichtendienst eine Liste von für die Ukraine arbeitenden Rüstungsbetrieben in europäischen Staaten veröffentlicht. Darunter waren auch zwei in München registrierte Unternehmen.
Die in den vergangenen Wochen immer häufigeren ukrainischen Angriffe auf Ziele der russischen Öl- und Gasindustrie machen sich inzwischen offenbar in der Versorgung des Landes mit Treibstoffen bemerkbar. Betroffen war vor allem die neuerbaute Autobahn entlang der Küste des Asowschen Meeres, die immer wieder Ziel ukrainischer Drohnen ist. Auf der Krim wurde als Folge der Verkauf von Benzin und Diesel rationiert, und Präsident Wladimir Putin ordnete am Montag an, den gesamten Export des Flugzeugtreibstoffs Kerosin für sechs Monate einzustellen. Ziel sei es, die Lage auf dem heimischen Treibstoffmarkt zu »stabilisieren«. Am Wochenende hatten ukrainische Drohnen die große Raffinerie in Saratow an der Wolga angegriffen, Trümmerteile setzten ein Treibstofflager im an die Ukraine grenzenden Gebiet Rostow in Brand, und der Generalstab teilte mit, die Pumpstation Lasarewo in der Region Kirow nördöstlich von Moskau angegriffen zu haben.
Gleichzeitig setzt der Westen seine Aktionen gegen aus Russland kommende Schiffe fort. Im Atlantik enterten französische und britische Spezialkräfte am Wochenende einen aus Murmansk kommenden Tanker, nachdem sie ihn zum Beidrehen aufgefordert hatten. Der französische Präsident Emmanuel Macron nannte es »inakzeptabel«, dass Russland »entgegen internationalen Sanktionen« immer noch Schiffe mit seinem Öl in alle Welt schicke. In Moskau nannte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow das Aufbringen des Schiffes ein Vorgehen »an der Grenze zur Piraterie«. Er blieb damit hinter den kürzlichen Kommentaren des russischen Seefahrtsbeauftragten Nikolai Patruschew zurück. Dieser hatte vor einer westlichen Seeblockade der russischen Häfen gewarnt und gefordert, aus Russland kommende Schiffe militärisch zu eskortieren.
Zu Lande hat mutmaßlich die Ukraine am Wochenende das – heruntergefahrene und unter russischer Kontrolle stehende – Atomkraftwerk Saporischschja in Energodar am Dniproufer angegriffen. Beim Einschlag einer mit einem Glasfaserkabel geleiteten Drohne wurde eine Seitenwand des Turbinenraums des einst größten AKW in Europa zerstört. Ein Inspektionsteam der Internationalen Atomenergieagentur IAEA bestätigte den Einschlag und den Fund von Kabelresten. Es erklärte, die Strahlungswerte seien nicht erhöht. Die kabelgebundenen Drohnen können nicht durch elektronische Störmanöver abgelenkt werden. Ein zufälliger Einschlag ist damit ausgeschlossen. Der Chef der russischen Atombehörde Rosatom, Alexej Lichatschow, sprach von einem »vorsätzlichen« Angriff. Von ukrainischer Seite hieß es, man habe die Anlage weder ins Visier genommen noch angegriffen. In einer Erklärung des Militärs hieß es weiter, man halte sich an das humanitäre Völkerrecht und sei sich der »Konsequenzen jeglicher Aktionen gegen Nuklearanlagen« bewusst. Moskau hat für den Wiederholungsfall Angriffe auf ukrainische Atomkraftwerke angedroht.
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