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15.05.20262 Leserbriefe
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Esoterik und hartes Geld
Ukraine: Ehemaliger Kanzleichef Selenskijs soll wegen Geldwäsche in U-Haft. Alte Freunde sollen Kaution vorstrecken
Abgesehen vom Kriegsgeschehen, lebt die politische Ukraine derzeit von einem Korruptionsskandal um den ehemaligen Bürochef von Präsident Wolodimir Selenskij, Andrij Jermak. Er muss sich vor dem obersten Antikorruptionsgericht wegen des Verdachts der Geldwäsche von umgerechnet knapp zehn Millionen Euro verantworten. Er soll Geld, das hohe Beamte der Präsidialverwaltung als sogenannte »Kickback«-Zahlungen aus Korruptionsgeschäften mit der ukrainischen Energiebranche erhalten hatten, durch Investitionen in den Bau einer luxuriösen Villensiedlung namens »Dynastie« im Kiewer Umland legalisiert haben. Eine der Villen soll laut Anklage für Präsident Selenskij persönlich bestimmt gewesen sein.
Der Anklage war das Belastungsmaterial stark genug, um gegen Jermak eine Untersuchungshaft von vorerst 60 Tagen anzuordnen. Jermak kann den Gang ins Gefängnis vermeiden, wenn er kurzfristig umgerechnet 2,9 Millionen Euro an Kaution zahlt. Er kündigte vor Gericht an, Freunde und Kollegen aus der Anwaltsbranche zu bitten, das Geld für die Kaution aufzubringen. Er selbst verfüge nicht über entsprechende Mittel. Ob die Kaution zusammenkommt, war am Donnerstag mittag nicht klar.
Dafür war im Laufe des Prozesses bekanntgeworden, dass Jermak während seiner Amtszeit in der Präsidialkanzlei regelmäßig vor wichtigen Personalentscheidungen die Dienste einer Astrologin und Wahrsagerin in Anspruch genommen hatte. Diese hatte ihm laut im Gericht verlesenen Chatprotokollen geraten, sich seiner Feinde zu entledigen, solange er noch die Unterstützung des Präsidenten besitze. Selenskij hatte Jermak im November als vermutlichen Sündenbock für die um sich greifenden Korruptionsskandale entlassen, nachdem einschlägige Audioleaks auftauchten, auf denen seine Stimme zu hören sein soll. Als Begleitmusik dazu veröffentlichte in den USA der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson am Montag ein Interview mit Selenskijs früherer Pressesprecherin Julija Mendel. Darin erhebt sie – übrigens auf russisch – schwere Korruptions- und Diktaturvorwürfe gegen Selenskij und suggeriert, er halte sich vor öffentlichen Auftritten mit Kokain in Form.
Gerichtsverwertbar sind die Aussagen von Mendel vermutlich nicht, zumal sie aus den Diensten der Präsidialverwaltung bereits 2021 ausgeschieden ist. Gerüchteweise deshalb, weil sie mit Selenskij ein Verhältnis gehabt habe, das Jermak an Selenskijs Ehefrau verraten habe. Dass sich Tucker Carlson trotz dieser eher bescheidenen Beweislage entschloss, das offenbar schon im Februar aufgezeichnete Interview jetzt zu senden, ist wohl eher als Indiz dafür zu sehen, dass Selenskijs Standing zumindest zum Milieu der US-Republikaner stark gelitten hat.
Unterdessen ist der Drohnenkrieg mit neuer Intensität weitergegangen. Nach Angaben Selenskijs hat Russland seit Dienstag nacht über 1.500 Drohnen und zahlreiche Raketen und Marschflugkörper auf Ziele in der Ukraine abgefeuert. Er bezeichnete den Angriff als »Terror« und sprach von dem schwersten Beschuss seit Kriegsbeginn. In Kiew kamen mehrere Personen ums Leben, als in der Nacht zum Donnerstag ein Wohnblock zerstört wurde. Laut Bürgermeister Witalij Klitschko werden noch weitere Opfer unter den Trümmern vermutet. Die russischen Angriffe vom Mittwoch trafen auch Ziele im äußersten Westen der Ukraine, so die an der Grenze zur Slowakei gelegene Stadt Uschgorod und den Bahnhof von Kowel, knapp östlich der Grenze zu Polen. Die polnische Luftwaffe ließ am Mittwoch Abfangjäger aufsteigen, um ein mögliches Einfliegen von Drohnen in den polnischen Luftraum zu verhindern. Es geschah aber nichts dergleichen.
Doch nicht nur feindliche Drohnen sind eine Gefahr. Nachdem vergangene Woche zwei ukrainische Drohnen im Osten Lettlands eingeschlagen waren, ohne dass die Luftabwehr ansprang, hatte die lettische Ministerpräsidentin Evika Siliņa am Sonntag Verteidigungsminister Andris Spruds entlassen. Darauf zog sich dessen Partei »Die Fortschrittlichen« am Mittwoch aus der Regierung zurück. Ohne Mehrheit, warf Siliņa schließlich am Donnerstag das Handtuch.
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Onlineabonnent*in Ulf G. aus H. 17. Mai 2026 um 17:39 UhrJermak ist sehr entschieden gegen Trumps 28-Punkte-Plan zur Beendigung des Ukraine-Krieges aufgetreten. Dass er nun abgesägt wird, ist da keine schlechte Nachricht. Die Verteidigung isolierter Fundamentalismen und die Verengung des Blicks auf allzu wenige Aspekte der insgesamt recht komplexen Sach- und Rechtslage sind leider unverändert sehr dominierend. Wo Rationalität und Objektivität so wenig die Politik bestimmen, kann es nicht verwundern, dass neben Egoismus, Emotionen oder Doppelmoral auch Drogen, Astrologen und Wahrsager bestimmend mitmischen. Buchela, die Pythia von Bonn, will die eine oder andere Politgröße beraten haben. Die Astrologin Elizabeth Teissier beriet den französischen Ex-Präsidenten Mitterrand und den spanischen König Juan Carlos. Und die Astrologin Joan Ceciel Quigley diente unter Ex-US-Präsident Reagan als Beraterin, einem Präsidenten, der einfach mal zum Scherz in einer Mikrofonprobe die Bombardierung Russlands angekündigt hatte. Auch Selenskijs Reden sind – ob nun wegen, mit oder ohne Kokain – oft recht irrational, finden aber gleichwohl Beifall aus dem Westen, weil's ja gegen die bösen Russen geht. Hauptsache, dass die Hass-Emotion stimmt und dass das Wir-sind-was-besseres-Gefühl durch keinerlei Fakten gestört wird. Esoterik und Drogen gehen da Hand in Hand mit sündhafter intellektueller Bequemlichkeit, die das Denken den Militärs aufbürdet. Dabei ist es eine Illusion, dass mit der Methode Rambo-hau-drauf irgendetwas aufgebaut werden kann. In der Regel wird mit Krieg viel mehr zerstört als bewahrt. Was soll man den es sich viel zu einfach machenden Kriegsbegeisterten da entgegenhalten? Matthäus 7,13f? Oder doch lieber Buchela: »Es werden Zeiten kommen, in denen sie euch im Namen des Herrn und der Menschlichkeit anflehen, um ihrer Rettung willen Blut zu vergießen. Laßt es!« »Ihr könnt nur frei von euch selbst leben, wenn ihr anderen helft, Unrecht zu sühnen und das Gute zu verteidigen. Tut es, auch wenn Beschwerliches damit verbunden ist.«
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Istvan Hidy aus Stuttgart 15. Mai 2026 um 10:14 UhrDer Artikel erinnert an ein überwürztes »Leipziger Allerlei«: Korruption, Wahrsagerei, Kokaingerüchte und Krieg werden wild zusammengerührt, ohne daraus ein stimmiges Bild entstehen zu lassen, wodurch der Text eher sensationsheischend als analytisch wirkt. Dabei fehlen wichtige Aspekte. So hatte Jermak nach seiner Entlassung angekündigt, an die Front gehen zu wollen. Ob er nun im Gefängnis sitzt oder sich auf freiem Fuß befindet, verändert die Lage des Landes kaum. Überspitzt könnte man sagen: Vielleicht hätte ihm seine Wahrsagerin sogar geraten, dass das Gefängnis sicherer sei als die Front. Auch die Regierungskrise in Lettland hätte einen eigenen Artikel verdient, statt nur als Randnotiz abgehandelt zu werden. Erstaunlich ist vor allem, wie wenig die lettische Ministerpräsidentin offenbar die politischen Folgen ihrer Entscheidungen bedacht hat. Gleiches gilt für den Drohnenvorfall. Dass die baltischen Staaten ihren Luftraum indirekt für ukrainische Operationen gegen Ziele im Raum Sankt Petersburg öffnen, ist längst kein Geheimnis mehr. Die Entlassung von Verteidigungsminister Andris Spruds wirkte daher eher wie eine hektische Schuldzuweisung als wie eine durchdachte Entscheidung. Das politische Chaos danach überrascht kaum – jetzt hat die Regierung den Salat.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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