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Kritik am Königreich Marokko

Warum wurde Ali Lmrabet verhaftet?

Der marokkanische Journalist wurde bei der Einreise festgenommen. Ihr Mann wird seit mehr als 20 Jahren schikaniert, sagt Laura Feliu

Foto: Dani Sanchez/CC BY-Sa 1.0
Mit seinen hintergründigen und oft satirischen Beiträgen ist Ali Lmrabet den Herrschenden in Marokko seit langem ein Dorn im Auge

Der Journalist Ali Lmrabet wurde am Sonntag bei der Einreise nach Marokko festgenommen. Seit Mittwoch befindet er sich wieder auf freiem Fuß und kann nach Spanien zurückkehren.Warum wurde er verhaftet?

Er wurde am Sonntag nach seiner Ankunft mit dem Flugzeug in Tanger festgenommen. Gegen 19 Uhr rief er mich an und sagte mir, dass er in Gewahrsam genommen worden sei. Man habe ihm gesagt, dass gegen ihn wegen angeblicher »Verbreitung falscher Informationen« und »Beleidigung staatlicher Institutionen« ermittelt werde. In der Nacht wurde er dann zum Hauptsitz der Justizpolizei BNPJ in Casablanca überstellt. Die Vorwürfe beziehen sich anscheinend auf Videos, die er auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht hatte. Er ist überzeugt, nichts falsch gemacht zu haben. Zugleich war er zutiefst empört. Er sagte mir, er habe das Gefühl, eher entführt als rechtmäßig inhaftiert worden zu sein.

Gab es eine rechtliche Grundlage für seine Festnahme?

Aus unserer Sicht gab es keinerlei rechtliche Rechtfertigung für seine vorübergehende Inhaftierung. Was man ihm anscheinend vorwirft, sind Handlungen außerhalb Marokkos: Alle betreffenden Videos wurden in Spanien aufgezeichnet und veröffentlicht, wo er seit vielen Jahren lebt und als Journalist arbeitet. In Spanien ist Kritik an öffentlichen Institutionen durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit geschützt.

Warum ist Ihr Mann überhaupt nach Marokko gereist?

Er ist privat dorthin gereist, um Familie und Freunde zu treffen. Seit seiner Freilassung aus dem Gefängnis 2004 ist er regelmäßig nach Marokko zurückgekehrt. Zwar liegt sein letzter Besuch einige Zeit zurück. Doch es gab keinerlei Anzeichen, dass er bei der Einreise festgenommen würde.

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Hatte er schon früher Schwierigkeiten bei der Einreise oder während seiner Aufenthalte in Marokko?

Ja. Ali Lmrabet ist aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit seit mehr als 20 Jahren in Marokko Verfolgung und Schikanen ausgesetzt. Er war Ende der 1990er Jahre Mitgründer von Le Journal, bis zu ihrer Schließung eine der wegweisenden unabhängigen Zeitschriften Marokkos. Anfang der 2000er Jahre rief er die satirischen Wochenzeitungen Demain und Douman ins Leben, die für ihre investigativen Berichte und politischen Karikaturen bekannt waren. 2003 wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt – ein Urteil, das in der Berufung auf drei Jahre reduziert wurde. Die Anklagepunkte umfassten »Beleidigung des Königs« und »Untergrabung der territorialen Integrität«. Seine Zeitschriften wurden verboten, und nach etwa acht Monaten Haft sowie einem langen Hungerstreik, der weltweit Aufmerksamkeit erregte, wurde er 2004 begnadigt.

2005 wurde ihm dann für zehn Jahre die Ausübung des Journalismus in Marokko untersagt, nachdem er die vor der marokkanischen Invasion in der Westsahara geflohenen Sahrauis korrekt wie die UNO als Flüchtlinge bezeichnet hatte. Später verweigerten die marokkanischen Behörden die Erneuerung seiner Ausweispapiere, so dass er in Genf erneut in einen Hungerstreik treten musste, bevor ihm diese schließlich wieder ausgestellt wurden.

Trotz dieser langen Geschichte von Repressalien hat Ali nie aufgehört, nach Marokko zu reisen. Bei diesen Besuchen stand er häufig unter Überwachung und wurde gelegentlich Polizeikontrollen unterzogen. Doch bis zu diesem Zeitpunkt war er bei der Einreise ins Land noch nie festgenommen worden.

Wie steht es allgemein um die Menschenrechtslage in Marokko?

Seine vorübergehende Festnahme ist in einem breiteren Kontext zu verstehen. Es handelt sich nicht um einen Einzelfall, sondern es gibt eine lange Reihe von Einschränkungen des unabhängigen Journalismus in Marokko. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich der Raum für eine freie Presse stetig verkleinert. Viele unabhängige Journalisten wurden ins Exil gezwungen und berichten nun aus dem Ausland, während andere auf digitale Plattformen und soziale Netzwerke angewiesen sind, weil unabhängige Medien im Land weitgehend zerschlagen wurden. Diejenigen Journalisten, die weiterhin in Marokko arbeiten, tun dies unter extrem schwierigen Bedingungen und stehen unter ständigem rechtlichem, politischem und wirtschaftlichem Druck. Ali Lmrabets Fall ist ein Sinnbild für diese allgemeine Verschlechterung der Pressefreiheit.

Wie erklären Sie sich seine Freilassung am Mittwoch?

Es hat eine spontane starke internationale Reaktion gegeben. Binnen weniger Stunden nach seiner Festnahme wurde ich von Organisationen wie »Reporter ohne Grenzen«, dem »Committee to Protect Journalists«, großen Medienhäusern in Spanien, Frankreich und Großbritannien sowie zahlreichen Journalistenverbänden kontaktiert. Außerdem wurde eine internationale Unterstützungskampagne gestartet. Diese starke Antwort hat sicher dazu beigetragen, dass die Justiz in Casablanca am Mittwoch entschied, Ali Lmrabet wieder freizulassen.

Laura Feliu ist Professorin für Politikwissenschaft an der Autonomen Universität Barcelona. Sie ist mit Ali Lmrabet verheiratet.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.07.2026, Seite 2, Ausland

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