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Trump-Dämmerung

USA: Die Wirtschaftsbosse und ihr Präsident

Foto: Evan Vucci/REUTERS

Von Zeit zu Zeit irrt sich das Großkapital bei der Auswahl des politischen Personals gründlich: wenn es statt Wachstum Zerstörung liefert, Krieg eingeschlossen. Deutschland macht das gerade wieder durch, und Donald Trump macht’s vor. Die US-Wirtschaft wächst zwar, aber nicht zugunsten seiner Wähler. Denen setzt seine Kriegsinflation zu. Das wäre zu verschmerzen: Sie dürfen zwar wählen, haben aber nichts zu sagen. Nun aber melden sich Wall Street und anderes Big Business mit Fundamentalkritik an Trump und mit einer neuen Globalstrategie für die USA zu Wort.

Den Anfang machte am 5. Oktober der Chef der größten US Bank, J. P. Morgan Chase, Jamie Dimon. Er schlug im Wall Street Journal Alarm, der Westen laufe Gefahr, verloren zu gehen, aber das müsse nicht sein. Ein erneutes Bekenntnis zu ihm wäre vielmehr ein »geopolitischer und wirtschaftlicher Volltreffer«. Der Niedergang sei auf »die sich verschlechternden militärischen Fähigkeiten des Westens sowie auf eine wirtschaftliche Fragmentierung« zurückzuführen. Das untergrabe die drei Säulen der globalen Führungsrolle der USA: Militär, Wirtschaft und Werte. Er empfahl, »ein großes, umfassendes Wirtschafts- und Freihandelsabkommen mit Europa auszuhandeln« – unter der Bedingung, dass der Kontinent »bedeutende wirtschaftliche und militärische Reformen« umsetzt. Kanada, Mexiko, Japan, Südkorea, Australien und die Philippinen könnten einbezogen werden.

Am Freitag veröffentlichte die britische Financial Times einen Artikel der Publizistin und früheren kanadischen Außenministerin sowie Vizepremierministerin Chrystia Freeland, in dem sie das Gegrummel in der High Society verallgemeinert. Freeland brachte am Dienstag ein Buch unter dem Titel »Unzuverlässiger Freund: Ein Blick von innen auf den Umgang mit einer chaotischen Supermacht, Plutokraten und anderen komplizierten Menschen« heraus und fasste nun zusammen: »Die US-Wirtschaftsführer erkennen allmählich die Gefahren des Plutopopulismus. Die Unternehmen wünschten sich einen Präsidenten, der Steuern senkt und Regulierungen abbaut – statt dessen bekamen sie einen, der Löcher in Freihandel und globale Bündnisse geschlagen hat.« Mit Blick auf Dimon schreibt sie, nun, da Trumps politisches Kapital schwinde, »beginnen manche auszusprechen, was viele schon die ganze Zeit gedacht haben: dass die Globalisierung funktioniert und dass es für Amerika an der Zeit ist, wieder mitzumischen.«

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Zu schnellen Schlussfolgerungen wird das nicht führen, zumal mit einem Mann im Weißen Haus, der sich im KI-Video mit einem Tiger balgt – es ist nur das Eingeständnis, dass man sich wieder einmal getäuscht hat.

Prognose: Eine Rückkehr zum »alten« Westen wird am Niedergang nichts ändern. Dafür sorgen schon die in den Krieg verbissenen Merz, Macron oder Burnham und andere Helden. Die Trump-Dämmerung ist ein Systemproblem.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.10.2026, Seite 3, Ansichten

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  • Onlineabonnent*in Heinrich H. aus S. 16. Okt. 2026 um 21:05 Uhr
    »Die Trump-Dämmerung ist ein Systemproblem«? Dass ich nicht lache. Sie ist ein Symptom, allenfalls ein Strategieproblem. Da stoßen verschiedene Kapitalfraktionen aufeinander. Nicht »Die US-Wirtschaftsführer erkennen allmählich die Gefahren des Plutopopulismus«, sondern einige. Früher musste man sich nicht mit einem Tiger balgen, da reichte es, einen Schäferhund zu halten. Wenn die Finanzindustrie, wie J. P. Morgan Chase, die Realwirtschaft wiederentdeckt, ist das zwar löblich, aber wer hat denn die Finanzialisierung des Kapitals vorangetrieben? Welche Chancen hat die Finanzindustrie gegen Big Tech und The Magnificent Seven? Es könnte durchaus sein, dass die KI schneller als die FI (FinazIndustrie) lernt. Vielleicht kauft Elon Musk bald J. P. Morgan Chase.
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