Nicht so wichtig
UN-Konferenz für Artenschutz in Jerewan
Man muss ja in diesen Zeiten, in denen eine angeschlagene Supermacht nicht nur wie ehedem das Völkerrecht mit Füßen tritt, sondern auch systematisch versucht, die Vereinten Nationen und ihre diversen Institutionen zu untergraben, froh sein, wenn noch miteinander geredet wird. Insbesondere, wenn auf der Tagesordnung auch noch die tatsächlichen Probleme der Menschheit stehen, wie etwa das dramatische Artensterben, das ab diesem Montag in Armeniens Hauptstadt Jerewan diskutiert werden soll. Dort treffen sich im Rahmen der Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt Vertreter (fast) aller UN‑Mitglieder. Nur Washington schickt keine Diplomaten: Die USA haben die bereits 1992 unterzeichnete Konvention nie ratifiziert.
Doch Zeit zum Handeln ist es allemal. Über eine Million Arten könnte schon in den nächsten Jahren vom Planeten verschwinden. In Europa ist die Zahl der Insekten dramatisch zurückgegangen. Weltweit sterben Bienenvölker im besorgniserregenden Umfang, was mancherorts schon die Bestäubung wichtiger Kulturpflanzen in Frage stellt. Ursachen sind neben den Klimaveränderungen auch der Verlust natürlicher Habitate wie Moore, Feuchtwiesen, ungestörte Wälder und ähnliches und natürlich nicht zuletzt der Einsatz von Pestiziden. Zugleich sorgt die industrialisierte Landwirtschaft dafür, dass unzählige lokale Sorten verschwinden und die Ernährung der Weltbevölkerung von nur noch einer Handvoll von Nutzpflanzen abhängig ist. Angesichts immer wieder auftretender Pflanzenkrankheiten, die sich mitunter in Windeseile über Kontinente ausbreiten, kann sich diese mangelnde Vielfalt durchaus irgendwann einmal als Russisch Roulette mit dem Leben von Milliarden Menschen erweisen.
Immerhin wurde vor vier Jahren auf einer der regelmäßigen Konferenzen im Rahmen der Biodiversitätskonvention beschlossen, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz gestellt werden sollen. Bei der Umsetzung hapert es allerdings mal wieder erheblich. Selbst wenn die von den Mitgliedstaaten bisher versprochenen Maßnahmen alle umgesetzt würden, sind bis 2030 nur 26 Prozent der Landflächen und zwölf Prozent der Meere unter Schutz gestellt, hat kürzlich eine von UN-Generalsekretär António Guterres vorgestellte Bilanz ergeben. »Diese schlechten Nachrichten bedeuten, dass der Krieg gegen die Natur noch nicht beendet ist«, so Guterres am vergangenen Freitag in Jerewan vor den dort bereits versammelten Staats- und Regierungschefs. In Berlin hielt man derweil das vor der eigentlichen Konferenz veranstaltete hochkarätige Treffen offensichtlich für Zeitverschwendung: Bundeskanzler Wir-müssen-alle-härter-arbeiten-Merz schwänzte. Vielleicht war er einfach zu sehr damit beschäftigt, weitere Ausnahmen von Umweltauflagen für Ackergifte, LNG-Terminals, Gaskraftwerke oder den Autobahnbau auszutüfteln.
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