Fahrradfahrersorgen
Machen die USA die Tore zu, stößt man sie in der Europäischen Union weit auf. Und Ursula von der Leyen ist jetzt eine Lichtgestalt. Propaganda nach bürgerlichen Maßstäben hat den Zweck, Widersprüche auszublenden und die Einseitigkeit grell auszuleuchten. Die EU schließt ein Freihandelsabkommen mit Australien. Ein Prinzip kommt endlich zu seinem Recht, Medien atmen auf. Wie selektiv der Freihandel indes je nach Wettbewerbsstärke und Produktportfolio des Vertragspartners zur Anwendung kommt beziehungsweise auch mal durch den Antagonisten namens Protektionismus ausgewechselt wird, steht in einem anderen Blatt.
Australische Presse weiß nun: »Wir leben in einer gefährlichen, umkämpften und unberechenbaren Zeit, die ein abgestimmtes Vorgehen in den Bereichen Handel, kritische Rohstoffe, Verteidigung und Klimaschutz erfordert.« Sie weiß es von von der Leyen, die »ebenso stahlhart wie charmant« ist, findet The Age aus Melbourne.
Die Chefin der EU-Kommission hat dabei einfach ihren Job gemacht: »Es gibt diese Tage, an denen die Europäische Union genau so funktioniert, wie sie soll«, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Draußen herrschen Krieg und Chaos, drinnen sitzen »Beamte und verhandeln über Zollkodizes und Rindfleischquoten«. Der Bürokraten Tran ist in Wahrheit ein Punktsieg in der Weltpolitik: »Für eine Allianz der Mittelmächte sind solche Abkommen Katalysatoren. Für die Konfrontation mit China kommt der Australien-Deal gerade recht. (…) Die nächsten Partner stehen schon bereit. In diesem Tempo muss es jetzt weitergehen.«
Aber nicht nur gegen China, sondern gleich gegen die USA, woran die FAZ erinnert: »Die Europäische Union muss hart um neue Handelspartner werben, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern.« Australien liefert nun zollfrei Rohstoffe wie Lithium und seltene Erden und will mit der EU bei deren Verarbeitung zusammenwirken, um das chinesische Monopol zu brechen. »So kann sich die EU mit dem neuen Deal gleich aus der Abhängigkeit von zwei schwierigen Handelspartnern lösen.«
Noch Fragen? Zum Beispiel diese: »Ist das nicht furchtbar fürs Klima, wenn bald noch mehr Waren auf den langen Weg rund um den Globus verschifft werden?« Paperlapap, die Badische Zeitung aus Freiburg beruhigt: »Entscheidend für die Klimabilanz sind vielmehr die letzten Kilometer der Lieferkette – also ob der Endkunde mit dem Diesel oder dem Fahrrad zum Supermarkt fährt.« Auch die Freiburger können aufatmen. (brat)
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