The kids are alright
Europaweit Schulstreiks
Deutschland ist nicht Frankreich. Schön wär’s! Eines haben sie neuerdings zum Glück gemein: rebellische Jugendliche, die die Schnauze von Kürzungen und Militarismus gestrichen voll haben. Angesichts maroder Schulen sowie rasch welkender Bildungschancen und Zukunftsaussichten eifert die hiesige Jugend ihren Klassengeschwistern westlich des Oberrheins nach: Schulen werden besetzt, Streikkomitees gebildet und Forderungen beschlossen. Bislang in Berlin und Hamburg, während bundesweit Ortsgruppen der neuen Bewegung »Gen Z regelt das« aufkeimen. Das ist ein vorläufiger Triumph der Spontaneität.
»Der Funke springt über«, quittiert »Gen Z«. Nur ist Frankreich nicht Deutschland. Hier können Schülerinnen und Schüler nicht darauf zählen, dass das Lehrerpersonal, zu fast drei Vierteln beamtet und mit Streikverbot, sich auf ihre Seite schlägt. Erst recht werden sich deutsche, sprich sozialpartnerschaftliche, Gewerkschaften nicht zu – ebenso untersagten – politischen Streiks hinreißen lassen. Schließlich konzentriert sich der Ruin des französischen Bildungswesens auf ohnehin prekarisierte Banlieues. Dort entstand die neue Bewegung, der sich das streiklustige Frankreich anschloss.
Solche Massenproteste betreffend ist die BRD schlicht Ödland. Hier verpufft Spontaneität meist. Doch wie die seit bald einem Jahr anhaltenden Schulstreiks gegen die Wehrpflicht zeigen, hat die Jugend einen langen Atem. Repressionsorgane scheinen das bereits zu fürchten: »Ihr Ziel ist es, die Welle zu nutzen, um thematisch völlig fremde, krude Ideologien auf unsere Straßen zu bringen und die Gesellschaft zu spalten«, schürte Stephan Weh, Chef der Gewerkschaft der Polizei Berlin, am Freitag Angst vor »radikalen Kräften«, die auf die jüngsten Schulproteste »draufsatteln« könnten.
Er hat offenbar nicht begriffen, was der Jugend einleuchtet: Militarisierung und Sozialkürzungen sind zwei Seiten derselben imperialistischen Medaille. Der breitere Forderungskatalog folgt notwendig aus dem Kampf gegen die Kriegstüchtigkeit und mündet in internationaler Solidarität. »Facciamo come in Francia«, skandierten Jugendliche in Italien. Auch in Belgien, Griechenland, Portugal und Österreich avanciert die Jugend zusehends zur autonomen politischen Kraft. Am 31. Oktober wird deutschland-, am 20. November, dem Internationalen Kindertag, europaweit demonstriert. Nun kommt es darauf an, dass aus Spontaneität Klassenbewusstsein wird.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
