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Herr und Knecht

Merz will mehr Geld für Kiew

Foto: Markus Schreiber/AP Photo/dpa

Vor 40 Jahren legte der von Mario Adorf gespielte Klebstofffabrikant Heinrich Haffenloher in der ARD-Serie »Kir Royal« dem Reporter Jakob »Baby« Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz) in rheinischem Singsang dar, wie er ihn zum Knecht machen werde: »Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld.« Das war die alte BRD: stinkreich und kauflustig.

2026 leert der Rüstungswahn nicht nur die Staatskasse der erweiterten BRD, auch Stützen der Gesellschaft wie die Familien Porsche und Piëch bedürfen wegen Kreditschulden in Milliardenhöhe dringend finanzieller Spritzen. VW muss also seine Rendite erhöhen, d. h., einige zehntausend Arbeiter sind ihre Jobs los. Ihr Trost: Sie kommen angeblich alle in schönen Rüstungsfabriken unter. Als unerhört gilt aber dem Großkapital und seinem Gefolge in CDU und CSU, dass angesichts verarmender Milliardäre noch Renten steigen und pflegende Angehörige ein staatliches Almosen erhalten. Am Mittwoch sprach daher der Blackrock-Kanzler im Bundestag fast eine halbe Stunde lang über eine »Gerechtigkeitslücke« im Land und wandte sich gegen jene, »die aus unserer militärischen Unterstützung der Ukraine ein Gerechtigkeitsproblem konstruieren wollen«. Denn: »Kein Euro, der in die Ukraine fließt, fehlt bei den Sozialausgaben und den Bildungsausgaben in unserem Land. Kein Euro fehlt!« Sahra Wagenknecht meinte umgehend in Bild, das sei »der nächste Blödsinn«: »Merz reist morgens mit dem Geldkoffer nach Kiew und holt sich das Geld abends bei den Bürgern über Kürzungen bei Pflege, Rente und Gesundheit zurück.«

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Das stuft der Kanzler vermutlich als »höhnische Lust an der Zersetzung« und »Freude an der Spaltung« ein, der er mit »schöpferischer Anstrengung« entgegentreten will. Was er denn am Donnerstag in Brüssel beim EU-Gipfel im Stil des »Kir Royal«-Klebstofffabrikanten tat: »Wir werden hier noch einmal die Mittel aufstocken müssen, um der Ukraine wirklich dauerhaft zu helfen.« Denn gleichzeitig mit der Ankündigung, er werde wieder russische Ölraffinerien bombardieren lassen, teilte Wolodimir Selenskij den EU-Granden mit, leider habe sich sein Kassenloch um zusätzliche 70 Milliarden Euro erweitert, die schon gewährten 90 Milliarden Euro reichten einfach nicht.

Da springt Merz ein und sch… mit »seinem« Geld wie einst alles zu. Allerdings weil er moralisch Knecht Selenskijs ist. Und das Geld bei Sozialausgaben ja nicht fehlt, sondern viel zuviel ist.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.10.2026, Seite 1, Ansichten

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