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Nahostkonflikt

Riad im Dilemma

Jemen-Krieg: Ansarollah warnen vor weiteren Angriffen auf Sanaa und beschießen Saudi-Arabien. Das lehnt ein Hilfsangebot Israels ab

Foto: Osamah Abdulrahman/AP/dpa
Die jemenitischen Ansarollah lassen sich von Saudi-Arabien und seinen Verbündeten nicht einschüchtern (Sanaa, 9.10.2026)

Der Jemen-Krieg ist wieder voll entflammt. In der Nacht zum Dienstag hat die saudische Luftwaffe Ziele in der jemenitischen Provinz Saada bombardiert, der Hochburg der Ansarollah. Auch auf weitere Ziele im Norden des Landes im jemenitisch-saudischen Grenzgebiet sowie an der Rotmeerküste fielen Bomben, wie der jemenitische Sender Al-Masira berichtete. Die Angriffe erfolgten, wenige Stunden nachdem Saudi-Arabien am Montag abend in der Hauptstadt Riad Luftschutzsirenen ausgelöst hatte und Einwohner von Explosionen berichteten, wie AP meldete. Die Ansarollah (oft als »Huthi« bezeichnet) setzten ihre Angriffe auf das Königreich nach eigenen Angaben fort und hätten unter anderem den König-Khalid-Flughafen in der Hauptstadt Riad erneut mit einer Rakete angegriffen, teilte Ansarollah-Militärsprecher Jahja Sari mit. Saudi-Arabien meldete, es seien Raketen in Riad sowie in Khamis Muschait im Südwesten des Landes abgefangen worden.

Bei dem verheerendsten Angriff auf Saudi-Arabien seit rund zehn Jahren waren am Sonnabend am Flughafen Riad mindestens 13 Menschen getötet und 300 weitere verletzt worden. Als Folge des andauernden Raketenbeschusses bleibt der Luftverkehr bis Sonnabend nacht eingestellt. Die emiratische Nachrichtenseite Gulf Business berichtete von fast 1.500 Flügen, die im Zuge der Angriffe gestrichen worden seien. Die von Saudi-Arabien aufgestellte Kriegskoalition gegen Jemen gab unterdessen eine Evakuierungswarnung für Zivilisten in der Nähe einer Anlage der Jemenitischen Ölgesellschaft in Sanaa heraus, die bald angegriffen werde, meldete Al-Dschasira am Dienstag. Zuvor hatten die Ansarollah vor einem Angriff auf Sanaa gewarnt und erklärt, dies werde eine harte und schmerzhafte Reaktion nach sich ziehen.

Seit 2022 galt im Jemen-Krieg de facto ein Waffenstillstandsabkommen, das von beiden Seiten respektiert wurde. Am 13. Juli bombardierte die saudische Luftwaffe jedoch den Flughafen der von Ansarollah kontrollierten Hauptstadt Sanaa. Ziel war es, die Landung eines iranischen Flugzeugs zu verhindern, das eine hochrangige Ansarollah-Delegation aus Teheran an Bord hatte. Sie hatte dort an den Trauerfeierlichkeiten für den iranischen Obersten Führer Ali Khamenei teilgenommen, der zu Beginn des Iran-Krieges im Februar von den USA getötet worden war. Die Delegation befand sich in einem Flugzeug der privaten iranischen Fluggesellschaft »Mahan Air«, als Saudi-Arabien die Start- und Landebahn des Airports beschoss.

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Auch Israel will in den Krieg im Jemen einsteigen: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bemüht sich unter Vermittlung der USA um die Zustimmung Saudi-Arabiens für eine Beteiligung an der Bombenkampagne gegen die Ansarollah. Dies berichtete die Zeitung Haaretz am Montag unter Berufung auf eine diplomatische Quelle. Demnach lehne Kronprinz Mohammed bin Salman eine militärische Beteiligung Israels jedoch ab – nicht aus prinzipieller Opposition heraus, sondern »da dies in der Öffentlichkeit des Königreichs wahrscheinlich auf Widerstand stieße«, heißt es bei Haaretz weiter. »Ein solches Bündnis würde das Ende der Herrschaft des Hauses Saud auf der Arabischen Halbinsel bedeuten«, kommentiert der Schweizer Analyst Roland Popp auf X.

Eine weitere Quelle erklärte gegenüber Haaretz, dass Netanjahus Bemühungen um den Eintritt in einen weiteren Krieg auch darauf abzielten, die Beziehungen zwischen Tel Aviv und Riad zu stärken und so »den Weg für ein künftiges Normalisierungsabkommen zwischen den beiden Ländern zu ebnen«. Berichten vom Herbst 2023 zufolge war eine Annäherung beider Regierungen damals derart vorangeschritten, dass eine Aufnahme Saudi-Arabiens in die vom US-Präsidenten initiierten »Abraham-Abkommen« zur Normalisierung der Beziehungen arabischer Diktaturen mit Israel in greifbarer Nähe lag. Der Überfall palästinensischer Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023 und der darauffolgende Beginn des israelischen Völkermords in Gaza legten diese Entwicklungen auf Eis, da Riad die Normalisierung zumindest offiziell an die Gründung eines palästinensischen Staates knüpft.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.10.2026, Seite 7, Ausland

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