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Friedenstaube püriert

Vor neuen Russland-Sanktionen

Foto: Jochen Eckel/IMAGO
Das Russische Haus in Berlin

Angeblich plant die Bundesregierung in dieser Woche eine Reihe radikaler Maßnahmen gegen Russland. Offiziell vorgebriefte Medien wie das Springer-Portal Politico und die US-Plattform Axios nannten als mögliche Schritte die Schließung des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in der Berliner Friedrichstraße und die Ausweisung weiterer Diplomaten. Alles deshalb, weil die Bundesregierung zu der Überzeugung gekommen sei, dass Russland hinter dem angeblichen Anschlagsversuch auf dem Flughafen Leipzig/Halle vom 4. August gestanden habe.

Angeblicher Anschlagsversuch? Ist doch alles erwiesen, wenn es deutsche Geheimdienste so behaupten, oder? Vielleicht ja auch doch nicht. Fangen wir mal mit dem Einfachsten an. Russland und die Ukraine demonstrieren in ihrem Krieg täglich, dass sie wissen, wie Drohnenkriegführung geht. Und hier soll laut Bild ein Sprengsatz, der neben einer Drohne auf der Erde lag, nur deshalb nicht zum Einsatz gekommen sein, weil er nicht in die Drohne hineingepasst habe. So ein Bastlerpech aber auch. Bis zum Zentimeterband haben sie es in Russland ja auch zivilisatorisch noch nicht geschafft. Oder sind die Dinger, die man in jedem Baumarkt kaufen kann, inzwischen auch schon sanktioniert? Gut, klar, Russland braucht seine professionellen Drohnenbediener an der Front, da müssen für Deutschland irgendwelche Terrorazubis ausreichen.

Dann wird in der FAZ die Geschichte von dem angeblichen dritten Drohnenangriff auf ein im Landeanflug befindliches Frachtflugzeug beiläufig demontiert: Es sei wohl, zitiert die Zeitung »mit den Ermittlungen vertraute Personen«, ein Vogel in die Turbine gekommen, und das erkläre auch, warum man keine Spuren dieser angeblich dritten Drohne gefunden habe. War wahrscheinlich eine Friedenstaube, die da über Leipzig/Halle püriert wurde. Die Beweis­lage, die der Öffentlichkeit präsentiert wird, ist also der Sache nach mehr als dürftig. Aber geglaubt muss sie werden, denn Wladimir Putin setze »alles daran, die deutsche Öffentlichkeit zu verunsichern«, so die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann.

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Die Bundesregierung lässt sich von Zweifeln jedenfalls nicht verunsichern. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert, und wo die Beziehungen zu Russland sowieso bereits am Tiefpunkt sind, kann man aus Berlin herumholzen, wie man will. Auch wenn Beamte im Auswärtigen Amt schon gewarnt haben sollen, bei einer Schließung des Russischen Hauses in Berlin seien auch die Außenstellen des Goethe-Instituts in Russland nicht mehr zu halten. Dieses Opfer müsse eben gebracht werden, wurde Johann Wade­phul im Deutschlandfunk zitiert. Wozu noch Deutschkurse, wenn der Russe das »Hände hoch« und »Raus« noch aus den Erzählungen seiner Großeltern kennt.

Finnland war 1944 so klug, sich aus der Allianz mit dem verlierenden Nazideutschland zu lösen und einen Separatfrieden mit der Sowjetunion zu schließen. Der ließ das Land im Schatten der großen Konfrontation wohlhabend werden. Der heutige finnische Staatspräsident ruft vergeblich in den karelischen Wald, dass man mit Russland wieder ins Gespräch kommen müsse. Friedrich Merz weiß es, wie alles, besser.

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.08.2026, Seite 3, Ansichten

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