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Rauch und Feuer

CIA-Chef zu Besuch in Moskau

Foto: Alex Brandon/AP/dpa
CIA-Direktor John Ratcliffe (r.)

Es ist schon für sich genommen bemerkenswert: Ein CIA-Direktor fliegt um die halbe Welt, um etwa vier Stunden lang in Moskau Gespräche zu führen. Den USA lag offenbar auch nicht besonders daran, den Besuch geheimzuhalten: John Ratcliffe wurde am Dienstag vom internationalen Flughafen Wnukowo aus in einer ganzen Kolonne von Botschaftsfahrzeugen zum Kreml gebracht. Das hätte man diskreter veranstalten können.

Der Besuch, über den außer der Tatsache, dass er stattgefunden hat, kaum etwas bekannt geworden ist, war der erste Aufenthalt eines so hochrangigen CIA-Vertreters in Moskau seit knapp fünf Jahren. Im Herbst 2021 hatte Ratcliffes Vorgänger William Burns die russische Führung mit Erkenntnissen des US-Auslandsgeheimdienstes über die Angriffspläne gegen die Ukraine konfrontiert und Russland auf diese Weise signalisiert, dass es auf das Überraschungsmoment nicht mehr werde zählen können. Möglicherweise im Zusammenhang mit dieser Begegnung hatte Moskau dann im Dezember 2021 dem Westen ein Verhandlungsultimatum gestellt, das dieser bekanntlich zurückgewiesen hat. Der Rest ist Geschichte.

Wladimir Putin hat sich nach Angaben seines Sprechers Dmitri Peskow nicht mit Ratcliffe getroffen. Die Financial Times schrieb, protokollarisch sei der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergej Naryschkin, der angemessenste Gesprächspartner gewesen. Dieses Format bestätigte Peskow am Mittwoch und nannte den Besuch eine »positive Entwicklung«. Bleibt die Frage, worüber sich die beiden ausgetauscht haben könnten. Warnungen vor nochmals verschärften Sanktionen dürften es eher nicht gewesen sein – solche Ankündigungen behält sich ein Donald Trump wohl eher für sein »Truth Social« vor.

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Solche Warnungen hätten auch im gegenwärtigen mentalen Klima der russischen Führung wenig Aussicht auf Gehör. Die nach außen auftretenden Personen aus der Politikberatung stellen das Land eher auf eine generationenlange Konfrontation mit dem Westen ein. Und wenn es um die Weitergabe von Satellitendaten an den Iran für Schläge gegen US-Infrastruktur am Persischen Golf gegangen sein sollte, konnte die russische Seite den USA entgegenhalten, Washington tue dasselbe seit Jahren zugunsten der Ukraine, da liege der erste Schritt bei den USA.

Es bleibt die Vermutung, dass Ratcliffe und seine russischen Gesprächspartner etwas betreiben wollten, was im Geheimdienstjargon »Eskalationsmanagement« heißt: im Kontakt zu bleiben, um eine unverhoffte Verschärfung mit unabsehbaren Konsequenzen zu vermeiden. Eine solche Verschärfung liegt in der Luft, nachdem Großbritannien öffentlich erklärt hat, es sei »nicht mehr besorgt« über mögliche russische Gegenschläge nach dem Eingeständnis, dass London der Ukraine freie Hand gegeben hat, mit britischen Drohnen Ziele im Innern Russlands anzugreifen. Und nachdem Bundesaußenhasardeur Johann Wadephul die europäischen Partner der Ukraine aufgefordert hat, »stärker ins Risiko zu gehen« bei ihren Waffenlieferungen an Kiew. Der Ratcliff-Besuch in Moskau könnte zeigen, dass die USA sich der Gefahren bewusster sind als ihre europäischen Juniorpartner. Hoffentlich.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.08.2026, Seite 3, Ansichten

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