Flüüüügellahm
Finanzminister plant »Süßsteuer«
Im Ersten Weltkrieg wurde das Deutsche Reich zum Weltmeister der Ersatzstoffe: 80 Prozent Wasser in der Wurst, »Kriegsmus« aus Rüben, faulen Äpfeln und Kartoffeln, Brot mit hölzernen Zutaten etc. Beim Anlauf zum Zweiten Weltkrieg verordneten die Nazis schon 1934 die brikettharte »Deutsche Markenbutter«, die bis heute wie 1934 schmeckt. Die Surrogate blieben mit dem Imperialismus, heißen heute »hoch verarbeitet« und füllen die Regale der Nahrungsmittelausgabehallen. Die Zustände brachten den Dichter Peter Hacks 2000 zu dem Schluss: »Das Essen ist so schlecht, dass sich heute schon sagen lässt, der deutsche Mittelstand habe nichts zu essen.« Er wollte dem Imperialismus weder Gegenwart noch Zukunft zugestehen, nachdem Georg Fülberth jenem 500 Jahre Existenz vorhergesagt hatte.
Im Jahr 2026 beginnt das Zusammenkratzen der letzten Reste schon beim Aufrüsten und bei halbem, aber sauteurem Kriegführen. Als Wolodimir Selenskij am Montag vor der »Koalition der Willigen« den Mund öffnete, kam wie stets heraus, er brauche »viel mehr Geld«. Dabei hatten ihm seine westeuropäischen Sponsoren, wie sie flugs ihre Medien streuen ließen, seit 2022 mehr als 230 Milliarden Euro nachgeworfen und die USA noch einmal die Hälfte draufgelegt, bis Donald Trump nicht mehr wollte.
Folglich sind die westeuropäischen Staatskassen leer, speziell die deutsche. Ersatz ist gefragt. Am Dienstag berichtete Bild von einer famosen Idee für Ersatz aus dem Hause Klingbeil: Aus der geplanten Zuckersteuer werde eine »Süßsteuer«. Die fürs Überleben der gesetzlichen Krankenkasse vorgesehene Abgabe auf zuckerhaltige Getränke, soll nun auf alle abgefüllten Milch-, Kaffee- oder Teegetränke, einschließlich solcher mit Süßstoffen, draufgeschlagen werden. Der erwartete Betrag ist vergleichsweise lächerlich: 2027 sollen es 650 Millionen Euro sein. Der Plan ist daher: Mehr und früher hereinholen als angekündigt, aber vor allem: nicht zweckgebunden. Der Bimbes muss nicht für Gesundheit, kann für Tod verwendet werden.
Das verkürzt zwar eventuell den Abstand vom Insichhineinschütten des widerlichsten Ersatzstoffs seit Coca-Cola, dem Gesöff, das »Flüüüügel« verleiht, bis zum Ableben der Trinker, besagt aber vor allem: Der deutsche Imperialismus ist wieder auf Kurs, nur flüüügellahm. Auch den Krieg gewinnt er nicht, verkürzt aber das eigene Dasein.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
