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Ukraine-Krieg

Die Hemmungen fallen

Großbritannien bestätigt Drohnenlieferungen an Ukraine für Langstreckenangriffe. Moskau droht mit Konsequenzen

Foto: ZUMA Press Wire/IMAGO
Mit Attacken weit im Hinterland hat die Ukraine zum Beispiel den Versandhändler Wildberry lahmgelegt (St. Petersburg, 24.7.2026)

Großbritannien rüstet die Ukraine mit Drohnen für Langstreckeneinsätze tief im Innern Russlands aus. Das berichtete die Sunday Times unter Berufung auf britische Militär- und Regierungsvertreter am Wochenende. Früher habe man noch Vorsicht walten lassen, zitiert die Sonntagszeitung einen »hochrangigen Beamten des Verteidigungsministeriums« in London. Doch jetzt sei man »not nervous any more« (nicht länger besorgt), was mit den Lieferungen den eigenen NATO-Verbündeten wie auch Russland selbst signalisiert werde.

Die jetzt beschriebenen Drohnenlieferungen sind im Prinzip nichts Neues, sondern dauern schon mindestens etliche Monate an. Sie haben offenbar begonnen, als die vorhandenen Bestände an »Storm Shadow«-Marschflugkörpern erschöpft waren. Auf britischer Seite beteiligt sind offenbar eine Tochtergesellschaft des Luftfahrtkonzerns BAE und ein Unternehmen aus der Grafschaft Wiltshire. Als Vorteile der Drohnen gegenüber Raketen werden vor allem die deutlich geringeren Stückkosten und die Möglichkeit genannt, schnell viele Exemplare zu bauen.

Frühere Angriffe britischer Drohnen galten Zielen im russisch besetzten Teil der Ukraine, vor allem Brücken. Die jetzigen Attacken gingen aber vor allem in der Reichweite (bis zu 1.000 Kilometern) über die Angriffe auf russische Stellungen mit »Storm Shadows« aus den ersten beiden Kriegsjahren hinaus. Von irgendwelchen einschränkenden Bedingungen für den Einsatz britischer Drohnen ist in dem Sunday-Times-Artikel nicht die Rede – viel dagegen von dem »neuen Momentum«, das diese Angriffe auf das russische Hinterland der ukrainischen Kriegführung verliehen hätten. Und – Keir Starmer hin, Andy Burnham her – das Vereinigte Königreich werde an der Seite der Ukraine stehen, bis diese gewinne.

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Russland reagierte auf den Bericht mit der erwartbaren Empörung und drohte London mit »Konsequenzen«. Sie würden um so härter ausfallen, je tiefer Britannien in den Konflikt verstrickt sei. Wie solche Konsequenzen ausfallen würden, wurde von britischer Seite heruntergespielt: Einen Angriff auf die NATO werde sich Russland sicher nicht zutrauen, allenfalls ein bisschen »Säbelrasseln«. Und vielleicht werde man versuchen, britische Schiffe in russischen Hoheitsgewässern zu beschlagnahmen, wenn die Zugriffe britischer Kräfte auf Tanker mit russischem Öl oder Gas weitergehen sollten.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS berichtete am Dienstag morgen, bei einem ukrainischen Großangriff in der Nacht zum Montag seien insgesamt 598 Drohnen von der russischen Luftabwehr abgeschossen worden. Darunter befänden sich auch Modelle aus den USA (»Dart« und »Hornet«) und Deutschland (RZR-01 und »Vector«).

Wie das russische Verteidigungsministerium außerdem mitteilte, soll bei einem russischen Raketengriff auf Kiew am frühen Montag morgen ein Betrieb des Unternehmens Fire Point zumindest schwer beschädigt worden sein. Dort sollen aus britischen, israelischen, deutschen und dänischen Komponenten ukrainische ballistische Raketen des Typs »Flamingo« zusammengesetzt werden. Diese seien im übrigen Klone der britischen Rakete FP-5 des Unternehmens Milanion Group. Dabei komme die Elektronik aus Großbritannien, der Körper der Raketen aus Deutschland und der Treibstoff aus Dänemark. Ukrainisch seien die Drohnen nur der Aufschrift nach. Die Sunday Times zitierte bereits einen ukrainischen Soldaten mit der Aussage, bei jedem Abschuss der britischen Drohnen würden seine Kameraden und er erst »Slawa Ukraini« (Ruhm der Ukraine) rufen und dann »God save the King« (Gott schütze den König).

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.08.2026, Seite 1, Titel

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