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Nahostkonflikt

Beide Nadelöhre blockiert

Durch den Iran-Krieg eskaliert auch der Konflikt in Jemen erneut. USA verstärken Militärpräsenz, Öffnung der Straße von Hormus und des Bab Al-Mandab nicht in Sicht

Foto: Al Joumhouriya TV/Handout via REUTERS
In der Hafenstadt Mokka haben die Angriffe der Ansarollah beträchtlichen Schaden angerichtet (15.8.2026)

Im jemenitischen Hafen von Mokka ruht seit dem Wochenende der Betrieb. Innerhalb weniger Tage sind dort nach Angaben des Hafendirektors mehr als 25 Geschosse eingeschlagen. Sieben Menschen starben, der Sachschaden liegt bei rund 16 Millionen US-Dollar, wie Reuters berichtete. Im jemenitischen Hinterland griffen Kämpfer der Ansarollah (»Huthis«) zugleich die sogenannte Regierungshochburg Marib mit Raketen und Drohnen an, wie die Provinzverwaltung mitteilte. Die UNO sieht Jemen nach Angaben von Al-­Dschasira so nah an einem Rückfall in den offenen Krieg wie seit dem Waffenstillstand von 2022 nicht mehr.

Am selben Wochenende wurde in der Straße von Hormus erneut ein Tanker des staatlichen emiratischen Ölkonzerns ADNOC angegriffen, der dritte solche Vorfall binnen weniger Tage. Verletzte gab es nach Angaben der emiratischen Nachrichtenagentur WAM nicht. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) machen für die Attacke den Iran verantwortlich, wie Reuters meldete. Der Iran-Krieg und die erneute Eskalation im Jemen erfassen damit gleichzeitig die beiden für den internationalen Öltransport zentralen Meerengen. Im Persischen Golf ist der Schiffsverkehr seit Monaten stark eingeschränkt. Am Roten Meer gewinnt zugleich der seit dem Waffenstillstand von 2022 weitgehend eingefrorene Konflikt zwischen den Ansarollah und der saudiarabisch unterstützten jemenitischen »Regierung«, die seit Jahren über keine demokratische Legitimation verfügt, wieder an Intensität.

Durch die Straße von Hormus fuhren am Freitag nach Daten des Schiffsanalysten Kpler lediglich zwei Schiffe, keines davon mit Rohöl beladen. Vor Kriegsbeginn hatten die Meerenge täglich mehr als 130 Tanker passiert. Wer sie jetzt ohne iranische Erlaubnis durchquert, riskiert einen Angriff mit Raketen oder Drohnen. Auf ein ernsthaftes Bestreben, den Schiffsverkehr wiederherzustellen, deutet unterdessen wenig hin. US-Präsident Donald Trump kündigte bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat New York an, nach der »Niederlage« Irans werde er die Straße von Hormus zu US-Territorium erklären, wie Reuters berichtete. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte die Aussage später laut NZZ am Sonntag zu einem Scherz. Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi wies den Anspruch auf X zurück: Die Meerenge lasse sich weder per Tweet noch mit einem Flugzeugträger einnehmen. Zur gleichen Zeit bekräftigten US-Vertreter, die eigene Seeblockade gegen iranische Häfen könne unbegrenzt fortgesetzt werden, zusätzliche Wirtschaftssanktionen seien in Vorbereitung, wie Al-Dschasira berichtet. Eine militärische Offensive zur Öffnung der Meerenge sei dagegen angeblich nicht vorgesehen.

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Dass ausgerechnet jetzt beide Nadelöhre der Region gleichzeitig blockiert beziehungsweise stark gestört bleiben, fügt sich in ein Muster, das Washington strategisch entgegenkommt. Eine Wiederöffnung der Straße von Hormus hat für die USA offenkundig keine Priorität. Zugleich erschwert die erneute Eskalation am Bab Al-Mandab auch die Ausweichroute über das Rote Meer. Hält dieser Zustand an, werden US-Verbündete und -Rivalen gleichermaßen von einem erheblichen Teil der Golfenergie abgeschnitten – während die USA selbst über eine komfortable eigene Ölversorgung und Exportkapazitäten verfügen. Was für Europa und Asien höhere Energiepreise und Versorgungsrisiken bedeutet, stärkt damit relativ die wirtschaftliche und geopolitische Position Washingtons.

Im Arabischen Meer wird die US-Militärpräsenz noch verstärkt. Mit der USS »George Washington« verlegt die U. S. Navy einen weiteren Flugzeugträger dorthin. Bislang operieren dort die USS »Abraham Lincoln« und die USS »George H. W. Bush«. Hinzu kommt seit Monaten die »Boxer Amphibious Ready Group« mit der 11th Marine Expeditionary Unit – ein Verband aus Landungsschiffen, eingeschifften Marines und Hubschraubern. In Kalifornien bereitet sich zudem die USS »Theodore Roosevelt« auf eine weitere Verlegung vor. Die bereits vorhandenen amphibischen Kräfte eröffnen Washington schon jetzt die Möglichkeit begrenzter Bodenoperationen im Bereich der Straße von Hormus, etwa gegen Inseln, Küstenstellungen oder Hafenanlagen.

Die Konzentration von US-Seestreitkräften im Nahen Osten hinterlässt allerdings Lücken in anderen Weltregionen. Die USS »Abraham Lincoln« befindet sich seit 241 aufeinanderfolgenden Tagen auf See und hat damit den bisherigen Rekord von 206 Tagen aus dem Jahr 2020 gebrochen, wie das U. S. Naval Institute unter Berufung auf eigene Recherchen berichtete. Die USS »George Washington«, die sie ablösen soll, wird dafür aus ihrem Heimathafen Yokosuka in Japan abgezogen – obwohl sie eigentlich dauerhaft für den westlichen Pazifik vorgesehen ist. Mit dem Abzug der »George Washington« bleibt der Westpazifik ohne US-Flugzeugträger, während China seine Marinepräsenz und seine Fähigkeiten zur Machtprojektion auf See kontinuierlich ausbaut. Die Bedeutung dieser Lücke sollte allerdings nicht überschätzt werden: Durch Chinas weitreichende Antischiffsraketen sind die riesigen Trägerverbände sowieso zu hochgradig gefährdeten Plattformen geworden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.08.2026, Seite 7, Ausland

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