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Schrecken verbreiten
Großbritannien: Berichte über verhinderten Angriff auf US-Stützpunkt lösen sich in Luft auf. Washington hält dennoch an Story fest
Was genau geschah in der Nacht zu Sonntag in Whelford, einem kleinen Dorf, das unmittelbar an den britischen Luftwaffenstützpunkt RAF (Royal Air Force) Fairford in Englands Südwesten grenzt? Die Frage treibt zur Zeit nicht nur die britische Polizei, sondern auch die Regierungen Großbritanniens und der USA um. Von einem versuchten Terroranschlag war zunächst die Rede, nachdem fünf Männer in den frühen Morgenstunden des Sonntags in Whelford festgenommen worden waren. Inzwischen sind die Dinge längst nicht mehr so klar. Sogar die Stellungnahmen britischer Behörden und der US-Regierung widersprechen sich. Doch der Reihe nach.
Der britische Stützpunkt RAF Fairford ist nicht irgendein beliebiger Militärflugplatz. Er wird schon seit dem Kalten Krieg von der US-Luftwaffe genutzt und ist der einzige in Europa, der speziell für ihre schweren Langstreckenbomber ausgelegt ist. In Fairford starteten B-52-Bomber unter anderem in die Kriege gegen Irak (1991, 2003) sowie gegen Jugoslawien (1999). Zuletzt griffen B-1-, B-2- und B-52-Bomber seit März 2026 auch Ziele in Iran an. Kriegsgegner haben immer wieder zu Protesten dagegen aufgerufen. Zuletzt forderten die »Campaign for Nuclear Disarmament« (CND), die »Stop the War Coalition« sowie die lokale Gruppierung »Fairford Action« auf Kundgebungen in unmittelbarer Nähe zum Stützpunkt die britische Regierung auf, ihre Genehmigung für die Nutzung von Fairford für Angriffe auf Iran zurückzuziehen oder besser die US-Basen gleich ganz zu schließen.
Seit die US-Luftwaffe Fairford nicht mehr nur allgemein, sondern speziell auch für Angriffe auf Iran nutzt, ist die Luftwaffenbasis darüber hinaus ins Visier der Regierung Irans geraten. Bereits Ende März warnte Irans Botschafter im Vereinigten Königreich, Seyed Ali Mousavi, in Teheran registriere man genau, dass man auch von Fairford aus angegriffen werde; man behandle die Tatsache als »eine Angelegenheit der Selbstverteidigung« und ziehe »jede Option in Betracht«. Am 23. Juli teilte Teheran nach einem weiteren Angriff mit einem in Fairford gestarteten B-1-Bomber explizit mit, man stufe den Stützpunkt als »legitimes Ziel« für eigene Attacken zur Selbstverteidigung ein. Auch wenn es iranische Raketen kaum bis nach Großbritannien schaffen werden: Es gibt keinen Grund, Irans Willen zur Selbstverteidigung nicht ernst zu nehmen. Anschläge auf feindlichem Hoheitsgebiet verüben auch andere, so etwa die Ukraine auf Militärbasen in Russland.
Was natürlich nicht heißt, dass Iran hinter der merkwürdigen Geschichte am Wochenende in Whelford steckt. Irans Botschaft in London hat dies sogar explizit und scharf dementiert. Was genau geschah? Gegen ein Uhr am Sonntag morgen alarmierte eine Anwohnerin die Polizei, als sie mitten auf einer Dorfstraße auf drei große Vans mit geöffneten Hecktüren stieß und in einiger Entfernung fünf Männer mit Sturmhauben eilig ins Gebüsch flüchten sah, all das rund 300 Meter von der Luftwaffenbasis entfernt. Polizisten, rasch herbeigeeilt, griffen die Männer – fünf britische Staatsbürger im Alter von 23 bis 25 Jahren mit Wohnsitz in London – auf. Schon am Montag aber wurden sie auf Kaution freigelassen, als sich herausstellte, dass in den Vans keinerlei Sprengstoffe oder andere bei Terroranschlägen verwendete Materialien und auch sonst keine Belege für eine unmittelbar bevorstehende Gewalttat zu finden waren. Was also wollten die fünf? Wenn schon keinen Sprengstoffanschlag verüben, dann wenigstens Schrecken verbreiten? Und wenn ja, mit welchem Ziel – und vor allem: in wessen Auftrag? Sollte der Vorfall die britische Öffentlichkeit auf die Folgen der Verwicklung ihres Landes in den Iran-Krieg aufmerksam machen? Oder handelt es sich um eine False-flag-Operation, die eine weitere Hochrüstung legitimieren soll?
Darüber wird in Großbritannien wild spekuliert. Klar scheint zu sein: Das Ereignis in Whelford traf die britische Polizei völlig unvorbereitet. Das wirft ein seltsames Licht auf die Behauptung von US-Präsident Donald Trump, man beobachte die fünf Männer schon seit langem. US-Außenminister Marco Rubio fügte am Montag hinzu, man nehme »eindeutig die Handschrift eines ausländischen Akteurs« wahr. Wenn aber die US-Dienste wirklich die fünf Männer fest im Visier hatten – warum zogen dann ihre britischen Partnerdienste nicht die Ermittlungen an sich? Führten die USA womöglich im Alleingang etwas im Schilde? Man weiß, dass die Sicherheitsvorkehrungen am Stützpunkt Fairford in der vergangenen Woche verschärft wurden – aber auch das kann auf eine echte Warnung ebenso hindeuten wie auf eine False-flag-Operation. Geklärt ist nichts, doch der Verdacht, da hätten womöglich westliche Stellen ihre Finger im Spiel, ist alles andere als unbegründet.
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