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Arabische Halbinsel

Kriegspartner gesucht

Auf Initiative Saudi-Arabiens: Hochrangige Treffen Riads mit Vertretern der Golfstaaten und Israels, um Offensive der Ansarollah etwas entgegenzusetzen

Foto: Xinhua/IMAGO
Gezielte Luftangriffe auf zivile Ziele schafft Saudi-Arabien auch allein: Zerstörter Markt in Taiz (27.9.2026)

Im Kampf gegen die Mitte September von den Ansarollah im Westen des Jemen gestartete Offensive versucht Saudi-Arabien, internationale Unterstützung zu gewinnen. Am Dienstag lud der saudische Verteidigungsminister Prinz Khalid bin Salman den Vizepräsidenten und stellvertretenden Ministerpräsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Mansur bin Zayed Al Nahjan, zu Gesprächen ein, wie die saudischen Staatsmedien berichteten. Zuvor hatte sich Israels Premierminister Benjamin Netanjahu am Sonntag bei einem Besuch in den VAE mit Vertretern von Golfstaaten, die keine diplomatischen Beziehungen mit Tel Aviv unterhalten, darunter Saudi-Arabien, getroffen, wie mit den Einzelheiten vertraute Quellen am Montag mitteilten. An dem Treffen nahmen offenbar auch Vertreter aus Marokko, Libyen, Jordanien und Katar teil, wie das israelische Nachrichtenportal Ynet meldete.

Das Treffen wurde demnach vom Mossad-Chef Roman Goffman auf saudische Bitte hin organisiert, um israelische Unterstützung gegen die Angriffe der Ansarollah zu erhalten. Der Präsident der VAE, Mohammed bin Zayed, habe sich daraufhin bereit erklärt, die Gespräche auszurichten. Ynet berichtete weiter, dass die Teilnehmer über die Bereitschaft Israels informiert worden seien, Länder in der Region mit Luftabwehrsystemen zu unterstützen.

Seit der Einnahme der Küstenstadt Mokka am 10. September haben die Ansarollah ihre Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge Bab Al-Mandab ausgeweitet. Ihnen stehen mehr als 500.000 Bewaffnete des jemenitischen Regierungslagers gegenüber. Doch die große Zahl täuscht: Probleme bei Führung, Zusammenarbeit und Motivation begrenzen die Fähigkeit des saudischen Lagers, diese militärische Masse tatsächlich in Kampfkraft umzusetzen. Saudi-Arabien ist inzwischen alleiniger ausländischer Geldgeber der jemenitischen Regierungsverbände und versucht, aus einem Geflecht rivalisierender Milizen und Armeen eine einheitlich geführte Streitmacht zu formen.

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Einige ihrer Kommandeure wollen ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben. Riad versucht deshalb, Finanzierung und Führung seines Protektorates zu zentralisieren. Wichtigstes Beispiel sind die 2023 gegründeten National Shield Forces: Ihre drei Divisionen mit Zehntausenden Kämpfern unterstehen direkt dem Vorsitzenden des von der Saudi-Diktatur installierten Präsidentenrats, Raschad Al-Alimi. Insgesamt konkurrierten acht Armeen um Einfluss, beschreibt der Analyst Mohammed Al-Basha das Problem. Riad verfügt damit zwar im Jemen über viele Bewaffnete, aber nicht über eine einheitlich geführte Armee.

Die Niederlage von Mokka scheint damit weniger Ausdruck einer allgemeinen Kampfunfähigkeit zu sein als eines strukturellen Problems. Abdulwahab Al-Awaj von der jemenitischen Universität Taiz sieht vor allem mangelnde Abstimmung und fehlendes Vertrauen zwischen den verschiedenen Verbänden. Das Regierungslager versucht verzweifelt, die Front zu stabilisieren. Bei Taiz meldeten seine Truppen die Rückeroberung des strategisch gelegenen Berges Karfan und die Abwehr weiterer Ansarollah-Angriffe; unabhängig bestätigt sind diese Angaben nicht.

Saudi-Arabien verfügt selbst über eine große Streitmacht: Global Firepower schätzt die Zahl der aktiven Soldaten auf 247.000, davon 75.000 im Heer. Trotzdem sucht das Königreich militärische Hilfe im Ausland und hat eine hektische Bündnissuche initiiert. Wegen knapper Abfangraketen habe es Frankreich, Großbritannien, Pakistan und Ägypten um Unterstützung bei der Luftverteidigung gebeten, berichtete AP. Pakistan hatte bereits während des Iran-Kriegs 8.000 Soldaten, rund 16 Kampfflugzeuge und ein Luftabwehrsystem vom Typ HQ-9 nach Saudi-Arabien verlegt. Mehrere tausend pakistanische Soldaten waren schon zuvor in der Golfdiktatur stationiert. Die neu entsandten Kräfte sollen vor allem beraten und ausbilden. Frankreich wiederum schickt Soldaten zum Schutz des Ölterminals Janbu, will sich aber nicht am Krieg beteiligen.

Trotz enormer Rüstungsausgaben kann Riad seine Verteidigung derzeit nicht vollständig aus eigener Kraft gewährleisten. Damit zeichnet sich eine Neuordnung ab, die Washington mit den sogenannten Abraham-Abkommen seit 2020 vorantreibt. Der von den USA und Israel begonnene Krieg beschleunigt sie nun: Unter dem Druck iranischer und jemenitischer Gegenschläge suchen die arabischen Diktaturen engeren militärischen Anschluss an Washington und Tel Aviv.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.09.2026, Seite 6, Ausland

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