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Friedhof der Imperien
Afghanistan: Vor fünf Jahren übernahmen Taliban die Macht in Kabul. 20 Jahre Krieg des Westens töteten Hunderttausende
Die chaotischen Szenen bleiben unvergessen: Verzweifelte Menschen klammern sich von außen an die »Globemaster«-Transportflugzeuge der abziehenden U. S. Air Force. Mehrere fallen vom Himmel in den Tod, die Videos gehen um die Welt. Auf der Al-Udeid Air Base im katarischen Doha kratzen sie die sterblichen Überreste eines Mannes aus dem Fahrwerk einer Maschine. Zum fünften Mal jährt sich an diesem Sonnabend die Machtübernahme der Taliban. Es hatte 20 Jahre eines sinnlosen Krieges gebraucht, bis auf die Taliban an der Macht wieder die Taliban folgten. »Ihr habt die Uhren, wir haben Zeit«, sagt man in Afghanistan.
Dass es dann am Ende so schnell geht, damit hat damals kaum jemand gerechnet. Innerhalb weniger Tage stürzt das Kartenhaus, das sich der Westen am Hindukusch aufgestellt hat, in sich zusammen. Als erste Provinzhauptstadt fiel am 6. August Sarandsch im südwestlichen Nimrus an die Taliban. Kampflos, wie auch die meisten anderen Städte, bis am 15. August 2021 schließlich die Hauptstadt Kabul erobert wurde. Für diese korrupte und inkompetente Elite, für diese Marionette des Westens, wollte man nicht töten und sterben. Präsident Aschraf Ghani floh über Tadschikistan in die Emirate, Gerüchten zufolge mit Koffern voll Bargeld im Gepäck.
Der 15. August ist in Afghanistan Staatsfeiertag. Den »Victory Day« führten die Taliban 2022 ein, um den Sieg über die US-Streitkräfte und ihre westlichen Vasallen zu feiern. Das bergige, zerklüftete Land am Hindukusch gilt als »Graveyard of Empires« (Friedhof der Imperien). Viele Weltreiche bissen sich dort die Zähne aus und liegen auf dem afghanischen Friedhof begraben – Briten, Sowjets, US-Amerikaner. Hunderttausende Afghanen wurden im längsten Krieg der US-Geschichte getötet, Zigtausende Zivilisten darunter. Billionen an Steuergeldern wurden verpulvert.
Die Islamisten spielen gegenüber dem nach rechts rückenden Europa ihr humanes Faustpfand geschickt aus nach der Formel: Abschieben für Anerkennung. Die Bundesregierung erkennt die Taliban-Regierung zwar offiziell nicht an, doch spricht die Realität Bände. Wenn es darum geht, Ausländer aus dem Land zu schaffen, nimmt man Bauchschmerzen in Kauf. Zunächst fungierte Katar als Vermittler, heute verhandelt der Wertewesten direkt mit den Islamisten.
Es treffe ausschließlich »verurteilte Straftäter«, versicherte die Bundesregierung noch beim ersten Flug im August 2024. Ende Juli dieses Jahres wurde dann auch der erste nicht straffällige Afghane abgeschoben. »Die Bundesregierung agiert skrupellos«, so lautet AFP zufolge die Kritik der Geflüchtetenhilfsorganisation Pro Asyl. Die Menschenrechtslage in Afghanistan sei »dramatisch«, doch die Bundesregierung »hofiert ein radikalislamistisches Regime, um Abschiebungen um jeden menschenrechtlichen Preis durchzusetzen«, kritisierte Geschäftsführerin Helen Rezene am Freitag. Nach deutschem Vorbild werde inzwischen auch auf EU-Ebene mit den Taliban verhandelt.
Die Bundeswehr war von Anfang an bei dem imperialen Geplänkel mit dabei. Deutschlands Sicherheit werde auch am Hindukusch verteidigt, hatte der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) 2004 behauptet, während Bundespräsident Horst Köhler etwas ehrlicher war und 2010 im Deutschlandradio erklärte, dass es am Ende dann doch eher deutsche Wirtschaftsinteressen sind, »freie Handelswege«, die dort verteidigt würden. Neun Tage später war er seinen Job los.
Erinnert sei an das schwerste deutsche Kriegsverbrechen seit Gründung der Bundeswehr: Am 4. September 2009 steckten zwei Tanklaster auf einer Sandbank im Fluss Kundus nahe der gleichnamigen Provinzhauptstadt fest. Dorfbewohner eilten herbei, um sich etwas Öl zu klauen. Der Oberst der Bundeswehr Georg Klein befahl den Abwurf von zwei 500-Pfund-Bomben und riss damit mehr als 100 Menschen in den Tod, die in einem gewaltigen Feuerball verbrannten. Dreieinhalb Jahre später wurde Klein zum Brigadegeneral ernannt. Ausdrücklich ohne ein Schuldeingeständnis überwies die Bundesregierung den Angehörigen der Toten umgerechnet rund 3.800 Euro – das ist der Wert, den die BRD einem afghanischen Leben zuweist.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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