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Aus: Ausgabe vom 13.10.2021, Seite 1 / Titel
Krieg in Afghanistan

Hunger am Hindukusch

G20 beraten über Lage afghanischer Flüchtlinge. Bundeswehr feiert Kampfeinsatz vor dem Reichstagsgebäude
Von Ulla Jelpke
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UNICEF befürchtet, dass rund 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Mangelernährung leiden (Kabul, 7.10.2021)

Nach 20 Jahren NATO-Krieg droht dem nun unter Kontrolle der islamistischen Taliban stehenden Land Afghanistan infolge von Kriegszerstörungen und Dürre eine Hungersnot. Die Grundversorgung der Bevölkerung stehe vor dem Zusammenbruch, warnten die Vereinten Nationen. 93 Prozent der Haushalte haben bereits jetzt nicht genug zu essen. Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks UNICEF werden bis Ende des Jahres rund 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung leiden; bis zu einer Million könnten an den Folgen des Mangels sterben. Insbesondere in ländlichen Regionen funktionierten die Gesundheitseinrichtungen nicht.

»Vor allem jetzt, wo der eisige Winter vor der Türe steht, ist die humanitäre Hilfe ein Wettlauf gegen die Zeit«, warnte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, am Dienstag. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte am Dienstag die Aufstockung bereits zugesagter humanitärer Hilfe für Afghanistan und dessen Nachbarstaaten auf eine Milliarde Euro an. Die als G20 firmierenden wichtigsten Industriestaaten diskutierten am Dienstag auf einem virtuellen Sondergipfel die Lage am Hindukusch. Es gehe darum, wie Afghanistan einerseits humanitär geholfen werden könne und andererseits eine von dem Land ausgehende terroristische Gefahr zu bannen sei, erklärte der italienische Ministerpräsident Mario Draghi als derzeitiger G20-Vorsitzender.

Eine wichtige Rolle in der Frage des Umgangs mit den Taliban spielen laut dpa die G20-Mitglieder China und Russland, die »wenig Berührungsängste« gegenüber den Islamisten zeigten. Dies gilt allerdings auch für westliche Regierungen. So waren in Doha, der Hauptstadt des als Taliban-Förderer auftretenden Golfemirats Katar, am Wochenende erstmals seit ihrem Rückzug aus Afghanistan Vertreter der USA und der Taliban zusammengetroffen. Nach US-Angaben tauschte man sich »offen und professionell« über »Sicherheits- und Terrorismusfragen« aus. Am Montag verhandelten dann Taliban-Vertreter in Doha mit Vertretern des Auswärtigen Amtes. Neben Fragen der Sicherheit habe man auch über die »Einhaltung von Menschen- und insbesondere Frauenrechten, der inklusiven Ausgestaltung des politischen und gesellschaftlichen Prozesses« gesprochen, gab ein Ministeriumssprecher pflichtschuldig an, als habe es sich um Koalitionsverhandlungen für eine »Ampel«-Regierung in Deutschland gehandelt. Es sei auch um »die Möglichkeit der sicheren und ungehinderten Ausreise von Menschen, für die Deutschland eine besondere Verantwortung trägt«, gegangen.

Gemeint sind afghanische Ortskräfte der Bundeswehr und ziviler deutscher Behörden. Deren rechtzeitige Evakuierung war vom Bundesinnenministerium regelrecht sabotiert worden. Mehr als 15.000 Ortskräften und ihren Angehörigen wurde zwar eine Zusage für eine Aufnahme nach Deutschland erteilt. Doch unter den 5.200 seit Ende August Evakuierten befanden sich laut Innenministerium lediglich 349 Ortskräfte. Während ihre am Hindukusch zurückgelassenen Kollaborateure nun um ihr Leben bangen, will sich die Bundeswehr am Mittwoch abend mit einem »Großen Zapfenstreich« vor dem Reichstagsgebäude für ihren desaströsen Kriegseinsatz am Hindukusch selbst feiern. Gegen das militaristische Spektakel vor dem Parlament, das den Kriegseinsatz trotz der von der Bundeswehr verschuldeten Massaker an Zivilisten stets mit großer Mehrheit abgesegnet hatte, sind Proteste angekündigt.

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