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Israels kriminelle Kollaborateure
Untersuchung bestätigt: In Gaza operieren mehrere palästinensische Milizen im Dienste der Besatzungsmacht
Das israelische Regime unterhält in den besetzten Gebieten Gazas mindestens fünf palästinensische Milizen, rüstet sie aus, finanziert sie und koordiniert mit ihnen Überwachung und Angriffe gegen die Palästinenser im abgeriegelten Teil der Enklave. Dies geht aus einer Untersuchung der US-Website Drop Site News und des vom israelischen Architekten Eyal Weizman gegründeten Recherchekollektivs »Forensic Architecture« hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Die fünf Gruppen tragen unverbindliche Namen wie »Volksverteidigungskräfte«, »Antiterroreingreiftruppe« oder »Nordkräfte« und verfügen im Umfeld israelischer Basen über Stützpunkte samt ziviler Infrastruktur für ihre Angehörigen. Die Gruppen setzen sich demnach zusammen aus gewöhnlichen Kriminellen und Räuberbanden, Dschihadisten sowie ehemaligen Angehörigen der Fatah-nahen Einsatzkräfte, die nach der Machtübernahme der Hamas 2007 aus dem Staatsapparat gedrängt worden waren.
»Sie wurden künstlich von der israelischen Regierung, der Armee und dem Schin Bet gegründet«, sagt der aus Gaza stammende Analyst Mohammed Schehada vom European Council on Foreign Relations. »Im Grunde das Einzige, was sie zusammenhält, sind die Bestechungsgelder, die sie von der israelischen Armee erhalten, der Schutz, den sie von der Armee genießen, sowie das Gebiet, in dem sie leben dürfen, mit besseren Privilegien als der Rest der Bevölkerung im Westen Gazas.« Die israelischen Einsatzkräfte hätten »diese Banden rekrutiert, finanziert und ausgebildet, ihnen Schutz, Unterkünfte, Lebensmittel« zur Verfügung gestellt, so Schehada weiter. Außerdem erhielten die Mitglieder privilegierten Zugang zu bestimmten Ressourcen, darunter Waffen und medizinische Behandlung in Israel.
Die Untersuchung stützt sich auf die forensische Auswertung von Satellitenbildern, Videos und weiteren visuellen Belegen, die die Verteilung der fünf Basen quer über den Gazastreifen belegen. Bereits im Frühjahr 2025 wurde bekannt, dass die israelischen Besatzungstruppen mit der kriminellen Bande von Jasser Abu Schabab im Gebiet Rafah im südlichen Teil Gazas kollaborierten. Abu Schabab soll Verbindungen zum sogenannten Islamischen Staat gehabt haben, und er war verantwortlich für den Überfall auf einen UN-Konvoi am Grenzübergang Kerem Schalom, bei dem 2024 rund 100 Trucks mit Hilfslieferungen von palästinensischen Gangs überfallen und geplündert worden waren. Nach Enthüllungen israelischer Medien musste Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Juni 2025 einräumen, dass sein Regime die Räuber um Abu Schabab mit Waffen ausrüstet und ihm eine künftige Rolle in der Verwaltung des Gazastreifens zugesprochen hatte, wie BBC damals berichtete. Im Dezember wurde Abu Schabab getötet.
Die neue Untersuchung konnte erstmals die konkrete Position der Stützpunkte vier weiterer Milizen identifizieren. Diese befinden sich im Norden und Osten der Küstenenklave, jeweils in unmittelbarer Nähe israelischer Basen bei oder auf der »Gelben Linie«, durch die die Bevölkerung Gazas auf rund ein Drittel der Fläche des Küstenstreifens eingesperrt wird. Seit Beginn der sogenannten Waffenruhe im Oktober 2025 wurden die Stützpunkte dieser Gruppen ausgebaut, befestigt und teils mit ziviler Infrastruktur ausgestattet, während verlassene Gebäude vertriebener Palästinenser planiert wurden. Ein Video zeigt das Gelände einer Miliz samt Geschäften, Klassenräumen sowie einem Spielplatz. Satellitenbilder zeigen neue Erdwälle, Sperrzäune, Befestigungsanlagen und Kasernen. Bei der Errichtung seien laut Drop Site News von Israel gestellte Baumaterialien verwendet worden. Die Anlagen ähneln stark den israelischen Militärbasen, von denen es mittlerweile 40 Stück im gesamten besetzten Gebiet gibt.
Das Hauptziel beim Einsatz der Milizen bestand für Israel ursprünglich in der beschriebenen Plünderung der ab Frühjahr 2024 in den Gazastreifen gelangenden Hilfsgüter. Durch den Umstand, dass diese systematischen Raubzüge von Palästinensern durchgeführt wurden, erlangte Israel »eine plausible Abstreitbarkeit«, erklärt Schehada. Und Israel konnte die Hamas für die Plünderungen beschuldigen – eine Erzählung, die auch deutsche Politiker und Medien bereitwillig aufgriffen. Später wurden an die Milizen demnach Polizeiuniformen mit palästinensischen Logos ausgegeben, »um den Eindruck zu erwecken, sie hätten eine Art legitime Autorität«. Schehada fügt hinzu: »Plötzlich waren sie eine organisierte Miliz und nicht mehr bloß Banditen.« Laut der Untersuchung hätten die Milizen im Auftrag Israels Kontrollpunkte betrieben und zusammen mit den israelischen Streitkräften bewaffnete Operationen gegen Palästinenser durchgeführt. Demnach hätten die Milizen Angriffe und Razzien durchgeführt, während Israel aus der Luft und mit schwerer Artillerie bombardierte.
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