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Weltsozialforum 2026 in Benin

War der Kampf gegen den Kapitalismus ein Thema?

Weltsozialforum in Benin: Der Widerstand gegen Landraub und Ausbeutung kann verteidigt werden, sagt Carmen Junge

Foto: Anadolu Agency/IMAGO

Vom 4. bis 9. August ging es im beninischen Cotonou unter anderem um die Landrechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, den Kampf ums Wasser und die Bedrohungen durch die Klimakrise. Was brachte der Austausch beim jüngsten Weltsozialforum?

Für die sozialen, insbesondere auch die Graswurzelbewegungen, die beim Weltsozialforum diesmal wieder stärker vertreten waren, geht es darum, mit der CGLTE-OA – auch nur Convergence genannt – als westafrikanischem Zusammenschluss im Kampf um Land, Wasser und bäuerliches Saatgut zu kooperieren. Gemeinsam ergründen wir, welche Widerstandsstrategien es gegen den Neoliberalismus gibt. Landraub ist auch in Deutschland nicht unüblich. Für die Profite des Braunkohlekonzerns RWE wird Land enteignet und dem Erdboden gleichgemacht, so 2023 in Lützerath.

In Westafrika gibt es ökologische Ansätze, auf Krisen zu reagieren, von denen wir lernen können. Der Aufbau von lokalen Saatgutbanken in Mali und Niger hilft Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, sich an den Klimawandel anzupassen und die Ernährungssicherung zu verbessern. Dabei geht es auch um Finanzierung und Umverteilung auf lokaler Ebene.

Wurde thematisiert, wie der Kampf gegen den Kapitalismus geführt werden kann?

Gemeinsamer Widerstand gegen Landraub und Ausbeutung kann verteidigt werden: über das Organisieren von »Commons«, also Gemeingütern, jenseits von Markt und Staat. Lebensgrundlagen wie Land und Wasser gilt es, gemeinsam zu verwalten und unter demokratische Kontrolle zu stellen.

Burkina Faso verstaatlicht seine Industrien, um die Bodenschätze des Landes dem Zugriff ausländischer Konzerne zu entziehen. Wurde das beim Weltsozialforum diskutiert?

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Die Convergence hat dies bei einem Panel mit sieben Ländern diskutiert. Ziel muss sein, die Expansion multinationaler Konzerne in Afrika zu reduzieren.

Die Militärregierung hat sich mit Mali und Niger zur Allianz der Sahelstaaten, kurz AES, zusammengeschlossen. Ist Burkina Faso trotz des Charakters seiner Regierung als Positivbeispiel besprochen worden?

Das Zurückdrängen der Macht multinationaler Konzerne und Frankreichs in der Region wurde positiv bewertet. Ebenso, dass es gegenwärtig lokale demokratische Institutionen wie die Landrechtekommissionen in Mali und Niger gibt. Zugleich aber wurde die militärische und wirtschaftliche Verbindung der Regierungen der AES zu Russland sowie die Tatsache kritisiert, dass sie Teile der Gesellschaft stark einschränken, bis hin zur Verfolgung ihrer Kritikerinnen und Kritiker.

Wie gelingt den sozialen Bewegungen die Selbstorganisation unabhängig von den Regierungen dort?

Beeindruckt hat uns, wie sie die Macht von unten organisieren. Spürbar wurde in Cotonou die starke Organisierung und Politisierung von Kleinbäuerinnen, Fischerinnen oder Frauenkollektiven: wie sie Unterstützung und Vernetzung durch Bildungsarbeit aufbauen. Sie handeln langfristig, lassen sich von kurzfristigen Verlusten oder gekürzten finanziellen Mitteln nicht demotivieren. Interessant ist die Transnationalität der »Karawane«, genauer: wie sie länderübergreifend in Westafrika die Debatte führt. Europäische Bewegungen schaffen das weniger. Die Karawane hat sich mit der feministischen Bewegung, Kleinbäuerinnen und der Gewerkschaftsbewegung der Hausangestellten zusammengeschlossen. Sie weiß Kämpfe gut miteinander zu verbinden. In Deutschland werden die oft schnell ins Leben gerufenen Kampagnen mitunter schnell wieder aufgegeben.

Wie können deutsche Bewegungen und NGOs besser in die eigene Gesellschaft hineinwirken?

Wir müssen den Kolonialismus klarer benennen, gerade wenn es um die Strukturen der Weltwirtschaft geht. Wohlstand hier basiert meist auf Ausbeutung anderer Staaten. Wenn wir diese Ungerechtigkeiten gemeinsam angehen, können wir stärker werden.

Und was lässt sich der rechten Propaganda in EU-Staaten, die Migration verteufelt, entgegnen?

Wir müssen die Verbindung zwischen Migration und dem System des Kapitalismus verdeutlichen. Solidarisches zivilgesellschaftliches Handeln wird zunehmend unter Druck gesetzt. Das müssen wir gemeinsam bekämpfen.

Carmen Junge ist Vertreterin von ATTAC Deutschland im internationalen Komitee des Weltsozialforums, das als nächstes 2028 in Lateinamerika zusammentritt

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.08.2026, Seite 3, Ausland

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