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Tauwetter zwischen Algerien und Mali
Beide Nachbarstaaten erneuern diplomatische Beziehungen und öffnen den lange geschlossenen Luftraum
Vierzehn Monate lang hatten Mali und Algerien keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Grund war, dass Mali Algerien bis hin zum UN-Sicherheitsrat anklagte, über seinem Territorium eine hochmoderne und kostspielige Kampfdrohne abgeschossen zu haben. Die Regierung in Algier, die bisher nur von der malischen »Junta« sprach, konnte jedoch mit Satellitenaufnahmen beweisen, dass das Fluggerät über algerischem Gebiet vom Himmel geholt worden war.
Der Fall war brisant, weil die Drohne eine flüchtige Gruppe von Tuareg verfolgte, die in Mali als militante Separatisten identifiziert worden war. Folglich wurde Algerien bezichtigt, eine Abspaltung Nordmalis zu unterstützen oder sogar koloniale Ambitionen zu hegen. Beide Staaten sperrten gegenseitig ihren Luftraum.
Dass ausgerechnet am 10. Juli die Regierungen in Algier und Bamako verkündeten, die Beziehungen wiederaufzunehmen, steht vermutlich in Zusammenhang mit dem erneuten militärischen Vorstoß der unterdessen aus Tuareg und Dschihadisten gebildeten nordmalischen Allianz, welcher in der Woche zuvor erfolgt war.
Die malische Übergangsregierung unter Präsident Assimi Goïta hatte im November 2023 die Tuareg-Hochburg Kidal im Nordosten des Landes eingenommen, aber damit nur die separatistische Bewegung erneut angefacht. Nun hat sie wohl verstanden, dass sie die Krise militärisch nicht lösen kann. Algerien, dessen eigene Tuareg-Bevölkerung mit der in Nordmali eng verwandt ist, hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach als wichtiger Vermittler im innermalischen Konflikt gewirkt.
Niger und Burkina Faso, die mit Mali in der antiimperialistischen »Sahelallianz« verbunden sind, hatten Bamako in der Drohnenaffäre unterstützt. Dabei hatte allerdings nur Niger ebenfalls die Beziehungen zu Algerien gekappt. Im Februar kam es jedoch im Rahmen eines Staatsbesuchs des nigrischen Übergangspräsidenten Abdourahamane Tchiani zu einer spektakulären Versöhnung beider Länder, in deren Folge nicht nur eine jahrelange Blockade gemeinsamer Entwicklungsprojekte beendet, sondern auch die sicherheitspolitische Zusammenarbeit verstärkt wurde.
Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dem malischen Staatsoberhaupt ein ähnlicher Empfang bevorsteht. Die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen ist als pragmatisch zu bewerten – zu groß sind die Gegensätze der beiden Staaten, besonders in außenpolitischen Fragen. Goïta wollte der zunehmenden Destabilisierung Malis offenbar durch größere außenpolitische Flexibilität beikommen. Im April übte er durch die Anerkennung der »Marokkanität« (nach dem französischen Kunstwort »Marocanité«) der Westsahara den Schulterschluss mit Rabat, um auch das Verhältnis zu Paris und nicht zuletzt Washington zu verbessern.
Denkbar ist jedoch, dass diese Mächte gefordert haben, die russische Militärpräsenz in Mali zu beenden. Goïta musste entscheiden, ob er Mali wieder in ähnliche Abhängigkeiten führen wollte, die vor dem Abbruch der von Frankreich von 2014 bis 2022 geführten Militäroperation »Barkhane« bestanden. Der malische Journalist Gaoussou Madani Traoré stellte bereits damals die Frage, ob Marokko für Mali wirklich ein wichtigerer Partner sei als Algerien.
Vertreter der malischen Zivilgesellschaft begrüßen nun die »Redynamisierung« der Beziehungen zu einem Nachbarland, mit dem man eine lange historische Beziehung und eine 1.300 Kilometer lange Grenze habe. Mehrere Universitätsprofessoren hoben hervor, dass die militärische Kontrolle der Grenzregion durch die Sperrung des Luftraums unmöglich geworden sei. Neben der diesbezüglich notwendigen Kooperation erhoffe man sich auch die Wiederbelebung wirtschaftlicher, energiepolitischer und infrastruktureller Zusammenarbeit. Sie sollte sich insbesondere auf die Entwicklung der Grenzregionen konzentrieren – was der einzige richtige Weg zu einer Friedenslösung sei.
Der 2015 in Algier vermittelte Versöhnungsvertrag zwischen der Nordregion und der Zentralregierung Malis solle allerdings nicht wiederbelebt werden. Statt dessen müssten traditionelle Methoden der Versöhnung gestartet werden. Sollte der Konflikt zwischen Mali und Algerien tatsächlich beigelegt werden, könnte das auch ein wichtiger Schritt zur antiimperialistischen Integration Nordafrikas sein.
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