Weltsozialforum 2026 in Benin darf weiter stattfinden
In der Ausgabe von Mittwoch berichtete Volker Hermsdorf in dieser Zeitung über das am Dienstag begonnene Weltsozialforum in Cotonou in Benin. Einen Tag später informierten zwei teilnehmende deutsche Organisationen, ATTAC Deutschland und der Verein World Economy, Ecology and Development, in einer Mitteilung über Restriktionen seitens der Regierung des Benin gegen die Veranstaltung:
Nach zunächst auferlegten Restriktionen durch Behörden in Benin findet das Weltsozialforum 2026 in Cotonou statt. Damit geht ein zentrales Ereignis der globalen Zivilgesellschaft mit Tausenden Vertretern sozialer Bewegungen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen weiter. Gerade in einer Zeit, in der zivilgesellschaftliche Räume weltweit unter Druck geraten und angegriffen werden, zeigt sich die Zivilgesellschaft in Cotonou widerstandsfähig.
Etwa eine Woche vor dem geplanten Beginn zogen beninische Behörden ihre Unterstützung für das Forum nach zweijähriger Vorbereitung überraschend zurück. Die genauen Gründe für diese Entscheidung sind von der Regierung bis heute nicht öffentlich kommuniziert worden und bleiben für die Organisatoren und Teilnehmenden unklar. Zentrale Veranstaltungsräume waren bis gestern geschlossen. Das Organisationskomitee, der Internationale Rat und Teilnehmer des Weltsozialforums haben sich unermüdlich für eine Weiterführung des Forums eingesetzt. Zudem fanden Treffen zwischen dem Innenminister der Republik Benin und dem Technischen Sekretariat der Organisation statt. Daraufhin hat die beninische Regierung die Durchführung des Weltsozialforums 2026 offiziell genehmigt. Ab heute werden Veranstaltungen auf dem offiziellen Gelände des Forums an der Universität Abomey-Calavi in Cotonou stattfinden.
Die Ereignisse der vergangenen Tage erschwerten die Durchführung des Weltsozialforums, konnten es jedoch nicht verhindern. Trotz der Schließung zentraler Veranstaltungsräume wurden in den vergangenen Tagen eigenständig dezentrale Veranstaltungen und Vernetzungstreffen organisiert. Es fanden beispielsweise Treffen zu Bewegungsfreiheit, Schuldenstreichung, Agrarökologie und ökonomischer Gerechtigkeit statt.
Gleichzeitig fanden in den vergangenen Tagen gegenüber anreisenden Teilnehmenden des Forums diverse Ausweisungen an der Grenze statt. Zunächst war davon die politische Karawane der westafrikanischen Landrechtsbewegung »Vereinigung der Kämpfe für Land, Wasser und bäuerliches Saatgut« betroffen. Mehrere Busse mit etwa 400 Teilnehmenden der Karawane wurden aus Benin nach Togo abgeschoben. Nach diversen Bemühungen der Zivilgesellschaft darf die politische Karawane heute doch einreisen.
Aktivisten vor Ort verurteilten zudem, dass Delegierte aus Haiti, Uganda, Finnland und Schweden, die mit dem Flugzeug zum Forum angereist waren, die Einreise nach Benin am Flughafen verwehrt wurde. Die betroffenen Personen wurden direkt mit den nächsten Rückflügen ausgewiesen und erhielten erst in ihren Heimatländern ihre Pässe zurück.
Auch nach den anfänglichen Restriktionen bleibt das Weltsozialforum ein Raum globaler Vernetzung und des Zusammenschlusses vielfältiger Auseinandersetzungen, Kämpfe und Strategien für globale soziale, ökologische und ökonomische Gerechtigkeit. Die Schwierigkeiten zeigen einmal mehr, wie sehr zivilgesellschaftliche Räume verteidigt werden müssen. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Ereignisse in Cotonou auch, dass eine andere Welt nicht nur möglich ist, sondern durch gemeinsames und solidarisches Handeln bereits entsteht. Voller Respekt vor der Resilienz und ausdauernden Mobilisierung aller vor Ort startet die deutsche Delegation in Solidarität und mit viel Energie in dieses Forum.
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