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03.06.20261 Leserbrief
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Kalkül »Euroshima«
Mehr US-Atomwaffen in Europa
Das ist ein Angebot, das die Führungskräfte der baltischen Staaten und Polens nicht ablehnen werden. Sie fordern seit längerem, atomare Zielscheibe zu werden. Dem kommen die USA jetzt offenbar nach: Unter Berufung auf drei anonyme Quellen in der US-Administration berichtete die britische Financial Times am Dienstag, die USA hätten in streng vertraulichen Gesprächen mit NATO-Verbündeten »Offenheit für zusätzliche Stationierung« von atomwaffenfähigen Bombern – selbstverständlich aus US-Produktion – in Europa gezeigt. Die Kampfjets plus Atomwaffen gibt es bisher in sechs Staaten – Belgien, Deutschland, Italien, Niederlande, Türkei und Großbritannien. Sie stehen unter US-Aufsicht, der Einsatz von Atomwaffen kann nur vom US-Oberbefehlshaber, dem Präsidenten, genehmigt werden. Die Atombomben werden seit Jahren »modernisiert«, d. h. durch sogenannte intelligente Waffen ersetzt. Sie haben unterschiedliche Sprengkraft und sollen taktisch auf dem Gefechtsfeld, aber auch strategisch gegen entscheidende Ziele eingesetzt werden. Die seit Jahrzehnten erträumte Erstschlagfähigkeit ohne sofortige atomare Antwort gegen eigene Anlagen von strategischer Bedeutung soll so (wieder) erreicht werden.
Dieser Wahn stand schon hinter der ersten Stationierung von US-Atomwaffen 1955 in der BRD – zehn Jahre nach Hiroshima und Nagasaki – und der nachfolgenden innerhalb kurzer Zeit in Westeuropa. Die Sowjetunion machte allerdings einen Strich durch die Rechnung: Das Kalkül war, auf diese Weise einen Atomkrieg nur in Europa – als »Euroshima« – stattfinden zu lassen. Die UdSSR demonstrierte 1957 beim »Sputnik-Schock«, dass sie in der Lage war, Interkontinentalraketen zu bauen, die dort einschlagen konnten, woher die Waffen kamen – in den USA selbst.
Seitdem versuchen USA und NATO immer wieder, den Zustand von 1955, die vermeintlich straflose Erstschlagfähigkeit, wiederherzustellen. Die Sowjetunion rüstete wiederholt nach. Die im Orwellschen NATO-Jargon »nukleare Teilhabe« genannte Stationierung von US-Atomwaffen in Europa ist eine besonders verlogene Variante. Deutschland verstößt damit vermutlich gegen den Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen, gegen den Zwei-plus-vier-Vertrag von 1990 nicht nur in dieser Hinsicht. Im Aberglauben der Kriegstüchtigen aber regelbasiert.
Sollte es zur Erweiterung der »nuklearen Teilhabe« gegen Russland kommen, erschließt sich der Sinn des von Trump angekündigten teilweisen Truppenrückzugs aus Westeuropa und der Absage, in Deutschland Mittelstreckenraketen zu stationieren. Die Devise lautet: GIs raus, Atombomben rein. Die Westeuropäer kaufen brav für Hunderte Milliarden Euro US-Kriegsgerät und stellen es zum Verglühen an die Ostfront. Nehmen sie aber mehr Atomwaffen ab, wird es kommerziell viel lukrativer für die USA. Und »Euroshima« wahrscheinlicher. Leuchtet ein.
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Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus B. 3. Juni 2026 um 15:38 UhrWoher stammt die Annahme, dass auf einen Atomwaffenerstschlag mit Angriffen auf Abschussrampen, U-Boote oder überhaupt auf primär militärische Ziele reagiert wird? Weil der Erstschlag worauf gerichtet und deshalb allein verhütend war? Ein Atomwaffenerstschlag ist also ein Akt/Angriff/Militärschlag zur Friedenssicherung, oder? Weil der zwar zum Dritten Weltkrieg und zur globalen nuklearen Verseuchung führen wird, aber aus heutiger Sicht der auferstandenen Kriegstüchtigen unbedingt erforderlich ist. Warum nicht alles Militär abschaffen, wenn der Wertewesten weltweit in Bedrängnis gerät? Oder diese Ausgaben für Krieg verdoppeln auf zehn Prozent des BIP? Es gibt ein Problem: Woher stammt das Uran und das angereicherte Uran für eine Firma in der BRD, für Tschechien, für Ungarn, die Slowakei und Bulgarien? Doch vor allem für Frankreich? Und seine AKW-Konzerne? Ich würde annehmen, dass Tanker aus Russland besser nicht mehr vom Service Action (französische Spezialeinheit, etwa 800 Kämpfer, die bekannteste Aktion: »Rainbow Warrior«, ein Toter) gestürmt werden. Warum? Ein Viertel des nötigen Urans Frankreichs stammt aus der Russländischen Föderation. Wie können also die Zulieferer enger gewonnen werden? Mein Lieblingsbeispiel: Das ITER-TOKAMAK in Südfrankreich, die wohl bedeutendste Baustelle des Planeten. Sieben Partner, keine Sanktionen? Warum? TOKAMAK wurde ab 1950 in der UdSSR entwickelt. Ohne die Wissenschaft der RF kommt die Kernfusion nicht voran. Außer: Wir sparen tausende Milliarden und gehen zur Geothermie über. Warum das nicht geschieht? Das ist die Eine-Billion-Dollar-Frage.
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